Börsen-Bericht

Schwache US-Daten und Libyen-Unruhen drücken Dax

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192.000 neue Stellen in den USA beeindrucken den Markt wenig. Münchener Rück gewinnt, Daimler dagegen verliert.

Aus Enttäuschung über die hinter den Erwartungen zurückgebliebenen US-Arbeitsmarktdaten haben Anleger an den europäischen Aktienmärkten Kasse gemacht. Verstärkt wurde der Verkaufsdruck von den Straßenschlachten in Tripolis und der dadurch geschürten Furcht vor einem Übergreifen der Unruhen auf andere ölfördernde Staaten wie Saudi-Arabien. „Offenbar wollen einige Anleger vor dem Wochenende kein Risiko eingehen und nehmen lieber einmal Gewinne mit“, sagte ein Börsianer.

Der anfänglich vom Optimismus der Investoren getragene Dax beendete den Xetra-Handel 0,7 Prozent tiefer bei 7178,90 Punkten. Der EuroStoxx50 bröckelte ebenfalls ab und notierte 0,7 Prozent leichter bei 2946,38 Zählern. Im Gegenzug drehte der Volatilitätsindex VDax, der die Nervosität der Anleger misst, ins Plus. Am Mittag hatte er zeitweise mehr als sechs Prozent im Minus gelegen. Die Furcht vor Störungen bei der Erdöl-Versorgung verteuerte die Nordsee-Sorte Brent um ein Prozent auf 115,90 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Leichtöl WTI stieg zeitweise sogar auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 104,09 Dollar. Auch an der Wall Street standen die Zeichen auf Verkauf: Der US-Standardwerteindex Dow Jones lag bei Börsenschluss in Deutschland 0,6 Prozent im Minus.

Obwohl die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der US-Landwirtschaft mit 192.000 über der durchschnittlichen Analystenprognose (185.000 neue Jobs) lag, bezeichnete Volkswirt Sean Incremona vom Brokerhaus 4Cast die Zahlen als „nicht allzu beeindruckend“. „Dies ist definitiv ein weiterer Schritt auf unserem Weg der Erholung, aber die Erwartungen waren zu hoch gesteckt. Daher wird diese Veröffentlichung als Enttäuschung gewertet.“

Rückversicherer erholt sich

Zu den am stärksten gefragten Werten am deutschen Aktienmarkt zählten die Rückversicherer. Münchener Rück legten 0,8 Prozent auf 119,20 Euro zu. Konkurrent Hannover Rück hatte die Netto-Belastungen durch das schwere Erdbeben in Neuseeland auf 150 Millionen Euro beziffert. „Offenbar waren die Anleger von noch höheren Kosten ausgegangen“, sagte ein Händler. Die Papiere der Hannover Rück gehörten mit einem Plus von 1,8 Prozent auf 41,10 Euro zu den Favoriten im Nebenwerte-Index MDax. Münchener Rück hat bislang noch keine Schätzung abgegeben.

Stark gefragt war auch Henkel. Die Aktien des Konsumgüter-Herstellers bauten ihre Kursgewinne der vergangenen Tage um 1,1 Prozent auf 45,76 Euro aus. Börsianer machten vor allem charttechnische Faktoren für dieses Plus verantwortlich. Kurz vor Handelsschluss schoben sich noch Fresenius Medical Care (FMC) an die Spitze. Die Titel des Dialyse-Konzerns setzten ihre Rally fort und markierten mit 49,58 Euro ein neues Rekordhoch. Seit Veröffentlichung einer starken Bilanz für 2010 und eines optimistischen Ausblicks vor zwei Wochen haben FMC gut fünf Prozent und damit mehr als alle anderen Dax-Werte zugelegt. Der Leitindex selbst stagnierte in diesem Zeitraum.

Zu den größten Verlierern zählte Daimler. Börsianer begründeten das Minus von 1,9 Prozent auf 48,24 Euro mit dem verhaltenen Echo auf eine Unternehmenspräsentation. „Das Meeting war nicht sehr ermutigend, da das Management eher den potenziellen Gegenwind als die Chancen betont hat“, schrieb BNP Paribas-Analyst Thierry Huon in einem Kommentar. Der Wechsel des Geschäftsmodells in China mache es schwierig, das aktuelle Niveau der Ertragskraft zu halten. Außerdem dämpften die hohen Anlaufkosten für Motoren, die die Abgasnorm „Euro 6“ einhalten, die Margen-Erwartungen.