Marktbericht

Angst der Anleger vor eigener Courage bremst Dax

Gute Vorgaben haben den deutschen Leitindex auf den Höchststand seit Mai 2008 getragen. Doch dann setzen zunehmend Gewinnmitnahmen ein.

Im Schlepptau guter Vorgaben aus den USA sind auch die Kurse am deutschen Aktienmarkt etwas gestiegen. Doch rechte Euphorie wollte am Mittwoch nicht aufkommen, vielmehr überwog die Angst vieler Anleger vor der eigenen Courage. Mit rund 7200 Punkten notierte der Dax am Mittag nur noch 0,2 Prozent im Plus, nachdem er im frühen Geschäft um 0,5 Prozent auf 7222 Zähler geklettert war und damit so hoch wie seit Mai 2008 nicht mehr notiert hatte. „Das war einigen offenbar zu schnell“, sagte ein Händler. „Viele brauchen doch erst einmal eine Verschnaufpause, so positiv sieht das alles ja doch nicht aus.“ Somit setzten Gewinnmitnahmen ein. Am Vortag hatten vor allem gute Konjunkturdaten aus den USA und Europa die Anleger an den Aktienmarkt gelockt.

Die Verunsicherung über die Entwicklung in Ägypten ließ dagegen etwas nach. So verbilligten sich auch die Kreditversicherungen (CDS) für ägyptische Anleihen etwas. Präsident Husni Mubarak kündigte am Vorabend an, keine weitere Amtszeit mehr anzustreben.

Zugleich lehnte er einen sofortigen Rücktritt aber ab. Die Armee rief zu einem Ende der Demonstrationen auf und forderte eine Rückkehr des öffentlichen Lebens zur Normalität. Ein Börsen-Vertreter in Kairo kündigte an, die Börse solle am Donnerstag den fünften Handelstag in Folge geschlossen bleiben, kündigte an.

MAN deutlich im Minus

Im Dax hielten sich Gewinner und Verlierer in etwa die Waage. Mit einem Minus von fast drei Prozent stachen die Aktien von MAN heraus. Händler begründeten die Verkäufe mit enttäuschenden Zahlen von Scania und Zweifeln an einem raschen Zusammenschluss beider Unternehmen.

Das „Handelsblatt„ hatte berichtet, die Allianz hänge an zwei Hürden: Neben den Folgen der Schmiergeldaffäre der früheren MAN-Tochter Ferrostaal fürchte VW – Großaktionär beider Lkw-Hersteller – auch die Folgen der EU-Kartellermittlungen. Scania verloren ins Stockholm fast fünf Prozent, da der Lkw-Bauer mit seinem Quartalsbericht nicht ganz an die Prognosen herankam.

Die im Dax notierten VW-Vorzugsaktien verloren knapp ein Prozent. Dafür machten Börsianer auch eine Analystenstudie der Citi Group verantwortlich. Da die Citi-Analysten sich zugleich positiv zu Daimler und BMW äußerten, zogen die Aktien der beiden Autohersteller zunächst an. Doch im Verlauf setzten sich Gewinnmitnahmen durch, so dass Daimler über ein Prozent ins Minus rutschten, während BMW nur noch unverändert notierten.

Nach einer Reihe von Kurszielanhebungen in Folge der am Dienstag veröffentlichten Quartalszahlen zogen Infineon um 1,6 Prozent an. Im MDax erholten sich TUI von den Verlusten im Sog der Unsicherheit über die Lage in Ägypten und legten drei Prozent zu. Die weitgehend unveränderten Preise bei der Neuverhandlung eines Großteils der Versicherungspolicen trieb die Aktien von Hannover Rück um 1,2 Prozent in die Höhe.

Ein zweistelliges Umsatzplus in seinen Filialen im Geschäftsjahr 2010/11 verhalf den Aktien von Gerry Weber im SDax an die Spitze.

Euro arbeitet sich in Richtung 1,40 Dollar vor

Der Euro kletterte auf den höchsten Stand seit drei Monaten. Die Gemeinschaftswährung kostete bis zu 1,3861 Dollar nach 1,3830 Dollar im späten Vortagesgeschäft. „Der negative Fokus, der in den vergangenen Monaten auf dem Euro gelastet hat, hat sich verschoben in Richtung USA“, sagte ein Händler. „Die jüngsten US-Konjunkturdaten waren zwar nicht schlecht, aber man muss auch sehen, dass etliche US-Bundesstaaten fast pleite sind.

Und dass wieder über eine Ausweitung des Anleihenkaufprogramms der Fed gesprochen wird, hilft dem Dollar auch nicht gerade.“ Der Fed-Präsident von Kansas-City, Thomas Hoenig, hatte in einem Interview gesagt, sollten Konjunkturdaten enttäuschend ausfallen, werde über eine weitere Runde möglicherweise debattiert.