Börsen-Bericht

Fallender Ölpreis lockt Anleger zurück an die Märkte

Der fallende Ölpreis hat am Donnerstag einige Anleger zurück an den deutschen Aktienmarkt gelockt. Der Dax schloss 0,6 Prozent im Plus bei 7225 Zählern.

Der Euro-Stoxx50 gewann 0,3 Prozent. Unterstützung erhielten die Börsen auch von den wöchentlichen Daten vom US-Arbeitsmarkt, denen zufolge sich in der Vorwoche so wenig Amerikaner zum ersten Mal arbeitslos meldeten wie seit Mai 2008 nicht mehr. Die US-Börsen verzeichneten zum Börsenschluss in Europa kräftige Gewinne.

Der Ölpreis gab nach seiner Rally in der Vorwoche deutlich nach. Die Arabische Liga führt nach eigenen Angaben unter Beteiligung von Venezuela Verhandlungen über einen Friedensplan für Libyen. „Das mindert die unmittelbare Angst vor einem Ölschock ein wenig, aber wie lange die Entspannung anhält, ist fraglich. Für einen wirklichen Stimmungswechsel bedarf es schon konkreter Ergebnisse“, sagte ein Händler. Im Osten Libyens wurde indes weiter gekämpft. Ein Fass Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich um 1,6 Prozent auf 114,51 Dollar. US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 101,13 Dollar 1,1 Prozent weniger als am Vorabend. Am Mittwoch waren die Preise für Öl angesichts der Kämpfe zwischen Rebellen und Truppen des Machthabers Muammar Gaddafi noch kräftig angezogen.

Vom billigeren Öl profitierten unter anderem die Aktien der Fluggesellschaften. Lufthansa waren mit einem Aufschlag von 2,8 Prozent auf 14,80 Euro Spitzenreiter im Dax. Die Aktien von Air Berlin legten im SDax zunächst ebenfalls kräftig zu, schlossen dann aber nur 0,2 Prozent fester. Air France-KLM sowie die aus dem Zusammenschluss von British Airways und Iberia hervorgegangenen Titel der IAG gewannen 1,3 beziehungsweise 3,3 Prozent.

Nur zeitweise gingen auch die deutschen Autowerte auf Erholungskurs. Daimler und Volkswagen schlossen 0,9 und 0,1 Prozent schwächer, während sich die Titel von BMW mit 0,2 Prozent im Plus halten konnten.

Die Gewinne am deutschen Aktienmarkt bröckelten ab, nachdem EZB-Chef Jean-Claude Trichet eine Zinserhöhung bei der nächsten Ratssitzung der Europäischen Zentralbank im April nicht ausschloss. Börsianer fürchten, dass die Konjunkturerholung unter höheren Zinsen leiden könnte. „Der Markt ist ohnehin sehr nervös, da werden derzeit sehr schnell Positionen auf- und abgebaut“, sagte ein Händler am Nachmittag.

Begehrt waren im Dax Bayer-Papiere, die sich nach einem positiven Analystenkommentar um 2,2 Prozent auf 57,13 Euro verteuerten. Das derzeitige Kursniveau sei eine gute Gelegenheit zum Einsteigen, zitierten Händler aus einer Kurzstudie von JP Morgan. Positive Impulse versprechen sich die Analysten vor allem von dem neuen Thrombosenhemmer Xarelto. Die Analysten erhöhten ihr Kursziel auf 72 von 69 Euro.

Gerüchte um ein Übernahmeangebot eines chinesischen Unternehmens ließen Alcatel-Lucent in die Höhe schießen. Die Aktien des Telekomausrüsters stiegen in Paris um 6,4 Prozent auf 3,83 Euro und waren damit so teuer wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Alcatel-Lucent wollte sich zu dem Gerücht nicht äußern.