Umsturz in Ägypten

Börse in Kairo bleibt überraschend geschlossen

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Eigentlich sollte der Aktienhandel in Ägypten heute wieder beginnen. Doch die Börsenaufsicht will zuerst korrupte Funktionäre aufspüren.

Die Wiedereröffnung der ägyptischen Börse lässt weiter auf sich warten. Wie die Behörden mitteilten, bleibt der Handelsplatz voraussichtlich bis zum 6. März geschlossen. Ägyptische Medien berichteten, die Börsenaufsicht habe diesen Schritt damit begründet, dass man erst die Liste der korrupten Ex-Funktionäre aktualisieren wolle, deren Vermögenswerte konfisziert werden sollen. Außerdem wolle man den Inhabern kleinerer Firmen, die während der Unruhen materielle Verluste erlitten hatten und vom Staat noch Kompensationszahlungen erhalten, Zeit geben, dieses Geld zu kassieren.

Die Börse in Kairo war vor einem Monat wegen der heftigen Proteste in der Stadt geschlossen worden. Der ägyptische Leitindex stürzte am 26. und 27. Januar unter dem Eindruck der Massendemonstrationen gegen den damaligen Staatschef Husni Mubarak um insgesamt 17 Prozent ab. Die Entscheidung, die schon mehrfach angekündigte Öffnung des Handels nun erneut zu verschieben, sorgte dafür, dass der Kurs des ägyptischen Pfundes stabil blieb. Für ein Pfund erhielt man bei den Banken 8,07 Euro. Am Vortag hatte das Ministerium für Handel und Industrie die Ausfuhr von Gold verboten. Diese Maßnahme soll bis zum 30. Juni gelten.

Dadurch soll verhindert werden, dass korrupte Funktionäre und Günstlinge aus der Ära des inzwischen gestürzten Präsidenten Husni Mubarak unrechtmäßig erworbenes Vermögen ins Ausland bringen. Die Börse teilte mit, ihr Vorsitzender Ziad Bahaeddin habe seinen Rücktritt eingereicht. Ministerpräsident Ahmed Schafik habe den Rücktritt akzeptiert und Aschraf al-Scharkawi, den stellvertretenden Vorsitzenden der ägyptischen Finanzaufsichtsbehörde, zum neuen Börsenchef bestimmt.