Marktbericht

Saudis beruhigen den Ölpreis, Dax mit Atempause

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Die Übertreibung beim Ölpreis ist zunächst gestoppt – dank der stärkeren Produktion in Saudi-Arabien. Das sorgt auch an den Aktienmärkten für Erleichterung.

Der spürbar gesunkene Ölpreis hat zum Wochenausklang für etwas Erleichterung am Aktienmarkt gesorgt. Obwohl Investoren angesichts der kritischen Situation in Libyen äußerst angespannt blieben , schaffte es der Dax bis zum Freitagmittag 0,4 Prozent ins Plus auf 7160 Punkte.

Besonders gefragt waren MAN-Aktien, getrieben von neuen Spekulationen über eine baldige Fusion mit dem schwedischen Nutzwagenhersteller Scania. Generell waren Autowerte angesichts des niedrigeren Ölpreises hoch im Kurs.

„Anleger hoffen, dass der gestrige Ölpreisanstieg bis auf knapp 120 Dollar übertrieben war“, erläuterte ein Börsianer. „Aber der Angstfaktor Naher Osten ist weiter dominierend. Sollte Libyen als Öllieferant ausfallen, wäre das noch verkraftbar.

Aber wenn Kuweit oder Saudi-Arabien ausfallen, dann wäre das das Ende der wirtschaftlichen Erholung. Bis wohin der Dax dann fallen würde, das mag man sich gar nicht ausmalen.“ Im Wochenverlauf ist der Leitindex um 3,5 Prozent abgerutscht, zuvor hatte er vier Wochen in Folge zugelegt.

Der Preis für Nordsee-Öl der Sorte Brent zog bis zum Mittag zwar erneut um rund einen auf über 112 Dollar an. Nach der zeitweise fast achtprozentigen Rallye auf knapp 120 Dollar am Donnerstag konnte das die Investoren aber nicht mehr schocken. Für etwas Entspannung sorgte eine Meldung aus Branchenkreisen, wonach der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien seine Ölförderung um mehr als neun Millionen Barrel pro Tag erhöht hat.

Mit einem Plus von 3,5 Prozent setzten sich die Anteilsscheine des Lkw-Herstellers MAN an die Dax-Spitze. „Die Gerüchte, dass es in nächster Zeit zu einer Fusion kommen könnte, verdichten sich,“ sagte ein Händler. Einem Artikel der „FTD“ zufolge will VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech ein Übernahmeangebot der Lkw-Tochter Scania für MAN noch in diesem Frühjahr durchsetzen.

Bereits zu Wochenbeginn hatte es ähnliche Berichte gegeben. Der schwedische Konzern selbst hält sich mit seinen Plänen bedeckt, seine Aktien lagen 1,2 Prozent im Plus. VW gewannen 2,4 Prozent. Auch Porsche, die am Vortag wegen absehbarer Verzögerungen der Fusion mit den Wolfsburgern um elf Prozent abgerutscht waren, erholten sich um 4,4 Prozent. „Wir beobachten inzwischen fast tägliche Sektorrotationen“, sagte ein Händler. „Den Autowerten hilft im Moment der niedrigere Ölpreis.“

Schlusslicht im Dax war die T-Aktie mit einem Abschlag von 1,8 Prozent. Der Konzern hat seinen Gewinn im vergangenen Jahr zwar kräftig gesteigert, die Markterwartungen laut Händlern aber verfehlt. Commerzbank-Analystin Heike Pauls hob zudem das weiter schwierige Geschäft auf dem US-Markt hervor.

Im Nebenwerteindex MDax hat der Zuschlag für Boeing bei einem milliardenschweren Tankerauftrag des US-Militärs die Aktien des Konkurrenten EADS unter Verkaufsdruck gesetzt. Die Papiere verloren in Frankfurt 2,3 Prozent. „Das ist für EADS natürlich bitter“, sagte ein Händler. Allerdings sei die Entscheidung für den US-Konzern bereits erwartet worden. Der Jahrhundertauftrag zur Modernisierung von insgesamt 179 Tankflugzeugen der US-Luftwaffe hat ein Volumen von mehr als 30 Milliarden Dollar. Boeing waren im nachbörslichen Handel in New York um knapp vier Prozent geklettert.

Der Handel an der Börse in London (LSE) wurde wegen technischer Probleme ausgesetzt. Die Suche nach der Ursache sei im vollem Gange, sagte Lauren Crawley-Moore, Sprecherin der LSE. Wann die Probleme behoben werden können, sei noch unklar. Am Dienstag hatten technische Problem bereits die Mailänder Börse, eine Tochter der LSE, für Stunden lahmgelegt. Zuletzt war der Handel an der LSE wegen technischer Schwierigkeiten im November 2009 für dreieinhalb Stunden ausgesetzt worden.

( Reuters/dma )