Zahlungsmittel

Warum gibt es eigentlich keinen 25-Euro-Schein?

Die sinnvollste Stückelung von Währungen ergibt sich aus strengen mathematischen Prinzipien. Doch immer wieder fallen einige Noten aus dem Rahmen.

Foto: Welt am Sonntag

Wer einen Kuchen in Stücke teilen möchte, der segmentiert diesen entweder in zwei Hälften oder aber, wenn es noch mehr hungrige Mägen gibt, in vier, acht oder 16 Teile. Er wird jedoch nur selten auf die Idee kommen, ihn zu fünfteln. Dies scheint eine universale Eigenart aller Bäckermeister und Kuchenesser zu sein.

Aber nicht nur von ihnen. Schon als die Menschheit die ersten Münzen prägte, orientierte sie sich an diesem Prinzip. Alexander der Große prangte im vierten Jahrhundert vor Christus auf der griechischen Tetradrachme, die wiederum vier Drachmen wert war. Ähnlich hielten es später die meisten Völker bei ihren Gold- oder Silberstücken. Das Viertel war stets eine gängige Variante.

Ganz anders dagegen heute. Wir kennen zwar den halben Euro, also 50 Cent. Eine 25-Cent-Münze, also das Viertel, gibt es jedoch nicht, und da sich die Stückelung der kleineren Einheit sinnvollerweise immer in der größeren Einheit widerspiegeln sollte, gibt es in der Folge auch keinen 25-Euro-Schein. Doch warum ist das eigentlich so?

Im Mai 1998 erließ der Rat der Europäischen Union eine Verordnung (Nr. 975/98) über die Stückelungen und technischen Merkmale des neuen Geldes. Darin heißt es: „Mit den Stückelungen der Banknoten und Münzen muss gewährleistet sein, dass Barzahlungen von Euro- und Cent-Beträgen auf einfache Weise erfolgen können.“ Dies war die offizielle Maßgabe. Und umgesetzt wurde sie mit den bekannten Münzen und Banknoten von 1, 2, 5, 10, 20 und 50 Cent beziehungsweise Euro sowie den 100-, 200- und 500-Euro-Scheinen. 1 – 2 – 5 – so lautet die Reihe, die gewählt wurde.

Dahinter stecken weder Zufall noch Willkür. Vielmehr wird damit ein mathematisches Prinzip befolgt. Denn mit dieser Reihung lassen sich beliebige Beträge beim Bezahlen am einfachsten zusammenstellen, sprich, diese Schein-und-Münzen-Kombination führt dazu, dass die Menschen im Alltag theoretisch so wenig Bargeld wie möglich mit sich herumtragen müssen, um damit alle erdenklichen Preise begleichen zu können.

Der Ausgangspunkt ist dabei, dass unser Geld auf einem Dezimalsystem basiert. Folglich müssen auf jeden Fall Münzen und Scheine mit dem Wert 1 sowie Zehnerpotenzen, also 10 und 100, existieren. Nun müssen die restlichen Werte so gewählt werden, dass möglichst wenige davon kombiniert werden müssen, um jeden anderen Betrag zusammenstellen zu können. Die Kombination 1 –2 – 5 hat den Vorteil, dass man einerseits die Einzelmünzen in unterschiedlicher Kombination dabeihaben kann, um jeden beliebigen Betrag zusammenzubekommen, und gleichzeitig ist die Summe des Mindestbetrags, den man dazu braucht, am niedrigsten. Dahinter stecken einige mathematische Verrenkungen, aber um es kurz zu fassen: Diese Reihung ist für den Alltag die praktischste. Und dies ist der Grund, warum es weder 2,5- oder 25-Cent-Stücke noch 25-Euro-Scheine gibt.

Allerdings haben sich diese Logik bis zum heutigen Tage nicht alle Zentralbanken zu allen Zeiten zu Eigen gemacht. So erinnert sich mancher vielleicht noch an den 25-Gulden-Schein, der in den Niederlanden vor Einführung des Euro zirkulierte. Auch die Esten hatten bis zum Beitritt zur Währungsunion in diesem Jahr einen 25-Kronen-Schein. Einige wenige Länder haben die Stückelung bis heute beibehalten. So gibt es in Syrien einen 25-Pfund-Schein und auf Haiti eine Banknote im Wert von 25 Gourdes. Auf den Seychellen ist neben der 25-Rupien-Banknote auch eine 25-Cent-Münze in Umlauf. Genau so ist es beim Cayman-Dollar – 25 Dollar einerseits, 25 Cent andererseits. Die Cayman-Inseln warteten zeitweise aber auch mit einer noch ungewöhnlicheren Variante auf, nämlich mit einem 40-Dollar-Schein. Dieser war Anfang der 80er-Jahre jedoch nur kurzzeitig in Umlauf.

Der Grund für die Existenz dieser 25er-Münzen und -Scheine liegt wohl in der Tradition. Immerhin gibt es auch in den USA heute noch eine 25-Cent-Münze, und dieses Vorbild strahlt bis heute ab. Doch auch Amerika hat sich nach und nach an die modernen Stückelungen angepasst – bis 1929 gab es beispielsweise eine 2½-Dollar-Münze, den sogenannten Quarter Eagle. Bis 1889 gab es zudem 3-Cent und 3-Dollar-Münzen.

Die wohl absurdeste Kombination von Banknotenwerten galt jedoch Ende der 80er-Jahre in Birma, das sich heute Myanmar nennt. So wurde im November 1985 zunächst eine 75-Kyat-Note eingeführt, wahrscheinlich aus Anlass des 75. Geburtstags des damaligen Diktators Ne Win. Ein Jahr später folgten Scheine zu 15 und 35 Kyat. Auf dem 35-Kyat-Schein war dabei Aung San abgebildet, einer der Vorkämpfer der Unabhängigkeit des Landes. Wiederum ein Jahr danach wurden die Banknoten im Wert von 25, 35 und 75 Kyat über Nacht schlicht für ungültig erklärt, ohne dass die Besitzer die Scheine umtauschen durften. Dies führte später zu Volksaufständen, in deren Gefolge dann ausgerechnet die Tochter des Helden des abgeschafften 35-Kyat-Scheins, Aung San Suu Kyi, zur Ikone des Protests wurde.

Es folgte eine Phase von wenigen Monaten, in denen das Regime die Absurdität noch steigerte und 45- und 90-Kyat-Scheine einführte – dies war offenbar dem Aberglauben Ne Wins geschuldet, der die 9 für seine Glückszahl hielt, und folglich sollten die Stückelungen durch diese Zahl teilbar sein. Kaum ein Jahr später kehrte Birma aber zur „normalen“ Stückelung seiner Banknoten zurück, die 45- und 90-Kyat-Noten kamen mit der Inflation außer Gebrauch.

Doch in der Neuzeit haben nicht nur entfernte Länder derartige abweichende Stückelungen geschaffen. 1932 wurde auch in Deutschland ein 4-Pfennig-Stück eingeführt. Reichskanzler Heinrich Brüning verfügte damals, dass jeweils zwei Mark des Lohnes damit ausgezahlt werden mussten. Auf diese Weise sollten die Menschen zur Sparsamkeit angehalten werden. Der Plan misslang jedoch, offenbar empfanden die Menschen solch „krumme“ Werte schon damals als zu seltsam. Die Münze wurde stattdessen als „armer Heinrich“ verspottet.