Zertifikate

Wie Sie beim schwierigen Ölgeschäft mitmischen

Der Ölpreis geht durch die Decke. Doch wer meint, er könne schnell ein paar Euro verdienen, schaut schnell in die Röhre. Denn auf den Anleger warten Fallstricke.

Foto: Infografik WELT ONLINE

Die anhaltenden politischen Unruhen in Libyen lassen die Ölpreise immer weiter steigen. Die Sorte Brent Oil kletterte in der abgelaufenen Woche in der Spitze auf rund 120 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit zwei Jahren. Seit dem Zwischentief Anfang 2009 hat sich der Preis damit mehr als verdoppelt. Auch das amerikanische Leichtöl WTI knackte kurzfristig die Marke von 100 Dollar.

Anders als bei den jüngsten Krisenherden in Tunesien und Ägypten hinterlässt die Eskalation diesmal also deutliche Spuren an den Kapitalmärkten. Da Libyen ein nicht ganz unbedeutender Rohöl-Produzent ist, wachsen die Sorgen vor Lieferengpässen und der Ausweitung der Krise zu einem Flächenbrand im gesamten Nahen Osten. An der Börse steigt dadurch auch wieder das Interesse der Privatinvestoren an aussichtsreichen Öl-Investments, sei es als Absicherung gegen steigende Rohstoffkosten oder ganz einfach, um damit Geld zu verdienen.

Eine Direktinvestition in Rohöl ist für Anleger jedoch mit gravierenden Problemen verbunden. Die durch den Handel am Terminmarkt erforderliche Abbildung über Future-Kontrakte birgt in gewissen Marktphasen immer wieder die Gefahr so genannter Rollverluste. Eine klassische "Eins zu eins"-Partizipation, wie man es zum Beispiel von Aktien oder auch Gold kennt, ist dadurch bei Rohöl nicht möglich. Ein mit Währungsschutz versehener WTI Öl-Tracker der RBS zum Beispiel hat in den letzten zwei Jahren zwar fast 50 Prozent zulegen können (WKN: AA01WF). Der Ölpreis selbst ist im selben Zeitraum aber deutlich stärker um über 130 Prozent gestiegen.

Um diese Roll-Problematik zu umgehen, hat das Bankhaus Vontobel vor knapp zwei Jahren einen eigenen "Oil-Strategy-Index" aufgelegt und per Zertifikat handelbar gemacht. Eine direkte Investition in WTI-Öl (ohne Währungsschutz) erfolgt nur in den Situationen, wo Rollverluste ausgeschlossen sind. Am Terminmarkt nennt man eine solche, seit Auflegung noch nicht eingetroffene Konstellation "Backwardation". Ansonsten wird das Kapital in einen Basket investiert, der aus den zehn größten amerikanischen und kanadischen Unternehmen der Ölindustrie besteht und dessen Zusammensetzung alle sechs Monate neu angepasst wird.

Seit Emission im Mai 2009 ist das bislang also durchweg in Öl-Aktien engagierte Zertifikat um gut 60 Prozent und damit fast genauso stark gestiegen wie der Preis für WTI-Öl. Die Sorte Brent konnte in diesem Zeitraum rund 90 Prozent zulegen. Auf Jahressicht schnitt das Vontobel-Produkt (WKN: VFP33M) mit einem Plus von 55 Prozent sogar deutlich besser ab als die beiden Rohölsorten (WTI: 26, Brent 46 Prozent).

Noch einen Tick positiver entwickelte sich in den vergangenen zwölf Monaten das Zertifikat der RBS auf den S&P Oil & Gas Marketing & Refining Index, das rund 66 Prozent zulegen konnte. Hier investieren Anleger in die weltweit größten US-Raffinerien, die Rohöl und Erdgas verarbeiten und die Folgeprodukte dann an die Ölkonzerne verkaufen. Mit nur sechs Aktien und der Valero Energy Corp als absolutes Schwergewicht ist der Index aber kaum diversifiziert, so dass es hier immer wieder zu starken Schwankungen kommt, wie das Minus von acht Prozent innerhalb der letzten Woche belegt (WKN: ABN2BY).

Deutlich breiter aufgestellt ist der immerhin dreizehn, vom Geschäftsfeld her relativ breit diversifizierte Rohölkonzerne umfassende AMEX Oil Index. Hier bieten zum Beispiel die Société Générale (WKN: SG0F4L) und auch die RBS (WKN: 687482) Endlos-Zertifikate an, die diesen Index eins zu eins (nach Abzug von Gebühren und unter Berücksichtigung von Wechselkurseinflüssen) abbilden. Die Jahresperformance lag bei beiden Produkten bei rund 30 Prozent.

Neben diesen stark von außereuropäischen Unternehmen geprägten Produkten können Anleger auch auf den ausschließlich in Euroland investierenden Euro Stoxx Oil & Gas Index setzen. Der setzt sich aus 15 Unternehmen zusammen. Allerdings täuscht die Indexbezeichnung etwas über den tatsächlichen Inhalt hinweg. Denn neben klassischen Öl- und Gas-Konzernen wie zum Beispiel der österreichischen OMW oder der französischen Total finden sich hier auch Unternehmen wie die deutsche Solarworld wider. Die entsprechenden Indexzertifikate (zum Beispiel WKN: CB78ZJ von der Commerzbank oder WKN: HV16EY von der HypoVereinsbank) haben deshalb die Ölpreis-Rallye auch nicht voll mitgemacht. Trotzdem gelang auf Jahressicht ein Plus von 15 Prozent.

Fazit: Der Ölpreis kennt kein Halten. Was insbesondere die Autofahrer ärgert, sorgt bei den Ölkonzernen für sprudelnde Gewinne. Mit Index- oder Basket-Zertifikaten, die auf entsprechende Aktien setzen, können Anleger von dieser Entwicklung profitieren. Aufgrund der unterschiedlichen Ausrichtung und Einzeltitel-Gewichtung der Produkte gibt es in der Performance aber zum Teil deutliche Unterschiede.