Marktbericht

Ölpreisanstieg schickt Dax auf Talfahrt

Der deutsche Leitindex kann sich bis zum Börsenschluss nicht vom teuren Öl erholen. Airlines und Autowerte verlieren deutlich.

Der drastische Ölpreisanstieg sowie Hiobsbotschaften von RWE und Porsche haben den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag auf Talfahrt geschickt. Der Dax schloss 0,9 Prozent schwächer bei 7130 Punkten. „Der steigende Ölpreis dürfte viele Anleger abschrecken. Sie fürchten vor allem, dass die gerade erst wieder in Fahrt gekommene Weltwirtschaft abgewürgt werden könnte“, sagte ein Händler. Auch viele andere europäische Börsen schlossen deshalb schwächer, der europäische Stoxx50 fiel um 0,6 Prozent auf 2668 Punkte.

Die Unruhen im wichtigen Förderland Libyen trieben den Ölpreis am Donnerstag weiter in die Höhe. Der Preis der für Europa wichtigen Nordsee-Sorte Brent schoss um bis zu 7,7 Prozent auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 119,79 Dollar pro Fass (159 Liter) in die Höhe. Ein weiterer Preisanstieg könnte einen Wendepunkt für die Weltwirtschaft bedeuten, warnten die Analysten der Deutschen Bank. Am Nachmittag ging der Preis auf rund 114 Dollar pro Fass zurück, nachdem die „Financial Times„ berichtet hatte, dass der weltgrößte Exporteur Saudi-Arabien über eine Ausweitung seiner Öllieferungen verhandelt. Daraufhin reduzierte sich auch das Minus im Dax ein wenig, das zuvor bis zu 1,4 Prozent betragen hatte. Die US-Börsen notierten zum Handelsschluss in Europa uneinheitlich.

In Erwartung steigender Spritkosten gerieten die Aktien von Fluggesellschaften in Turbulenzen. Lufthansa verloren 2,7 Prozent auf 14,53 Euro, im Wochenverlauf gaben sie bisher mehr als sieben Prozent ab. Die Papiere der aus dem Zusammenschluss von British Airways und Iberia hervorgegangene International Consolidated Airlines Group sanken sogar um 3,5 Prozent. Der steigende Ölpreis machte auch Autowerte unbeliebt: Die Aktien von Daimler, BMW und Volkswagen verloren zwischen drei und 1,5 Prozent.

Gesprächsthema war bei der VW-Aktie zudem die mögliche Verzögerung der Fusion mit Porsche. Die in keinem großen Index notierten Porsche-Aktien rutschten um rund elf Prozent ab. „Sowohl der Vorstand als auch viele Investoren machen sich Gedanken, dass die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Verschmelzung geringer wird, je länger es mit dem Zustandekommen der Fusion dauert“, sagte Analyst Markus Huber von ETX Capital.

Größter Verlierer im Dax waren nach der Vorlage der Bilanzzahlen die Aktien von RWE mit einem Minus von 5,2 Prozent. „Alles in allem sehen die Fundamentaldaten von RWE schwächer aus als erwartet, und das wird nicht durch eine zufriedenstellende Dividende ausgeglichen“, zitierten Händler aus einer Studie der WestLB. Der Energiekonzern rechnet damit, dass das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis unter anderem wegen der Brennelementesteuer in diesem Jahr um rund 30 Prozent sinkt.

Auch der Versicherer Allianz konnte mit seiner Bilanz die Anleger nicht für sich einnehmen. Seine Papiere büßten 2,7 Prozent ein. Als Haar in der Suppe werteten Börsianer das etwas schwächer als erwartet ausgefallene Netto-Ergebnis und den vorsichtigen Ausblick. Zudem habe die Dividende von 4,50 Euro unter den Erwartungen einiger Anleger gelegen. Dagegen trotzten die Aktien des Chemieriesen BASF dem Markttrend und verteuerten sich um 0,4 Prozent. „Die Zahlen waren eigentlich ein wenig enttäuschend. Positiv ist aber der Ausblick auf 2011. Das klang recht vielversprechend“, sagte ein Händler.