Marktbericht

Teures Öl sorgt für deutlichen Dax-Rücksetzer

Die Unruhen in Libyen haben zu einem drastischen Anstieg des Ölpreises geführt. Schockierte Börsianer schicken den Dax auf Talfahrt.

Der drastische Ölpreisanstieg und einige mit Enttäuschung aufgenommene Firmenbilanzen haben den deutschen Aktienmarkt auf Talfahrt geschickt. Der Dax fiel um 1,4 Prozent auf 7117 Punkte und hat damit in der laufenden Woche bereits gut vier Prozent eingebüßt. „Der steigende Ölpreis dürfte viele Anleger abschrecken. Sie fürchten vor allem, dass die gerade erst wieder in Fahrt gekommene Weltwirtschaft abgewürgt werden könnte“, sagte ein Händler.

Nach Einschätzung von Börsianern hat der Dax aber noch ein wenig Luft nach unten. „Solange der Dax nicht unter 7000 Punkte fällt, muss man sich – charttechnisch betrachtet – keine Gedanken machen“, sagte einer von ihnen.

Die Unruhen im wichtigen Förderland Libyen trieben den Ölpreis am Donnerstag weiter in die Höhe. Nach Angaben des Chefs des italienischen Energiekonzerns Eni ist die libysche Ölproduktion um 1,2 Millionen Barrel von geschätzten 1,6 Millionen pro Tag zurückgegangen.

Der Preis des für Europa wichtigen Nordsee-Öls der Sorte Brent schoss um bis zu 7,7 Prozent auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 119,79 Dollar pro Fass (159 Liter) in die Höhe. Ein weiterer Preisanstieg könnte einen Wendepunkt für die Weltwirtschaft bedeuten, warnten die Analysten der Deutschen Bank.

Die steigenden Rohstoffkosten hinterließen bereits Spuren im Aktienkurs von Henkel, der um 2,3 Prozent fiel. Die drohenden Belastungen überschatteten laut Händlern den Gewinnsprung im vergangenen Jahr.

Auch Autowerte waren in Erwartung steigender Spritkosten unbeliebt: Die Aktien von Daimler, BMW und Volkswagen verloren je rund zwei Prozent. VW-Titel wurden laut Händlern zusätzlich von einer möglichen Verzögerung der Fusion mit Porsche belastet. Die in keinem großen Index notierten Porsche-Aktien rutschten um acht Prozent ab.

Größter Verlierer im Dax waren nach der Vorlage der Bilanzzahlen die Aktien von RWE mit einem Minus von 5,3 Prozent. „Alles in allem sind die Fundamentaldaten von RWE schwächer aus als erwartet, und das wird nicht durch eine zufriedenstellende Dividende ausgeglichen“, zitierten Händler aus einer Studie der WestLB.

Der Energiekonzern rechnet damit, dass das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis unter anderem wegen der Brennelementesteuer in diesem Jahr um rund 30 Prozent sinkt.

Auch der Versicherer Allianz konnte mit seiner Bilanz die Anleger nicht für sich einnehmen. Seine Papiere büßten drei Prozent ein. Als Haar in der Suppe werteten Börsianer das etwas schwächer als erwartet ausgefallene Netto-Ergebnis und den vorsichtigen Ausblick.

Zudem habe die Dividende von 4,50 Euro unter den Erwartungen einiger Anleger gelegen. Dagegen trotzten die Aktien des Chemieriesen BASF dem Markttrend und verteuerten sich um 0,4 Prozent. „Die Zahlen waren eigentlich ein wenig enttäuschend. Positiv ist aber der Ausblick auf 2011. Das klang recht vielversprechend“, sagte ein Händler.

Bei den Nebenwerten im MDax rutschten die Papiere von Sky Deutschland um 6,6 Prozent ab. Der Bezahlfernsehsender steckte im vergangenen Jahr in den roten Zahlen fest. Bei der Zahl der Abonnenten mache sich zwar ein positiver Trend bemerkbar, kommentierte DZ-Bank-Analyst Harald Heider. Dennoch hänge das Überleben des Unternehmens davon ab, ob News Corp weiter dazu bereit sei, die großen Verluste aufzufangen.

Angesichts eines Medienberichts über eine mögliche Beteiligung des chinesischen Pharmakonzerns Shanghai Pharmaceutical an Celesio kamen Übernahmespekulationen auf. Die Aktien des Pharmahändlers stiegen um 3,5 Prozent.