Börsen-Bericht

Dax weiter auf dem Rückzug – Ölpreis belastet

Aus Unsicherheit über die weitere Entwicklung in Nordafrika haben sich viele Anleger von Aktien getrennt. Der Dax setzte rutschte um 1,7 Prozent auf 7194 Punkte.

Der Frankfurter Dax verlor mehr als die Indizes in Paris und London. Der Stoxx50 fiel um 0,8 Prozent, der EuroStoxx50 um 0,9 Prozent. „Das alles beherrschende Thema ist die Entwicklung in Libyen“, sagte ein Händler. Sollten die Öllieferungen aus der arabischen Welt stärker ins Stocken kommen, sei die Erholung der Weltkonjunktur bedroht. „Und für neue Konjunkturprogramme haben die Staaten dieses Mal – anders als 2008 – kein Geld.“

Noch am Montag hatte der Dax ein Drei-Jahres-Hoch von 7441 Punkten erreicht. Doch seit der Eskalation in Libyen ging es bergab. Für viele Anleger seien die Nachrichten aus Libyen und der damit steigende Ölpreis ein Grund, Kasse zu machen, erklärte ein Händler. Die Revolte gegen den libyschen Machthaber Muammar Gaddafi hievte den Preis für US-Leichtöl WTI auf über 98 Dollar und für Nordseeöl der Sorte Brent auf über 110 Dollar. Beide Ölsorten kosteten damit so viel wie seit Frühherbst 2008 nicht mehr, als die Pleite der US-Investmentbank Lehman die Weltkonjunktur in ihre tiefste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg stürzte. Selbst unerwartet gute Immobiliendaten aus den USA bremsten die Talfahrt des Dax kaum.

Am Aktienmarkt trafen die Folgen der Unruhen vor allem die in Wien notierten Aktien des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV, die um 5,7 Prozent einbrachen. Das Unternehmen fürchtet einen zeitweiligen Totalausfall seiner Produktion in Libyen.

Gebremst wurde der Dax von Aktien jener Unternehmen, die stark von der Entwicklung der Wirtschaft abhängig sind. So zählten VW, BMW und Daimler mit Abschlägen von bis zu drei Prozent zu den größten Verlierern. Sie waren im vorigen Jahr die Favoriten der Börse. Ansonsten gingen die Verluste quer durch alle Sektoren. Verschont wurden nur Aktien der als unabhängig von der Konjunktur geltenden Gesundheits- und Pharmakonzerne wie Fresenius und Merck, die 1,4 beziehungsweise 0,4 Prozent im Plus schlossen.

Gesenkte Umsatzziele von Hewlett-Packard (HP) belasteten die Technologiewerte europaweit. Im Dax zählten Infineon mit einem Abschlag von gut drei Prozent zu den größten Verlierern. HP büßten in New York über zehn Prozent ein.

Die Aktien der Commerzbank konnten nur zeitweise von den Geschäftszahlen des Instituts profitieren. Bis zum Abend gaben die Titel ihre Gewinne von bis zu 3,6 Prozent wieder ab und schlossen mit 6,14 Euro 1,3 Prozent im Minus. Die Commerzbank habe zwar die Erwartungen übertroffen, schrieb DZ-Bank-Analyst Matthias Dürr. Die Qualität der Jahresbilanz sei aber gering.

Auch bei den Nebenwerten konnten sich nur wenige Aktien der Talfahrt entziehen. Der MDax fiel um 1,8 Prozent, der TecDax sogar um zwei Prozent, der SDax verlor 1,3 Prozent.

Schlecht kam bei den Anlegern vor allem die Bilanz des Triebwerksbauers MTU an: Die Aktien brachen im MDax zeitweise um mehr als neun Prozent ein und beendeten den Handel mit einem Minus von vier Prozent. Demag-Cranes-Aktien fielen um über fünf Prozent, was Händler auf nachlassende Fusionsphantasie zurückführten.