Börsen-Bericht

Unruhen in Bahrain drücken den Dax

Anhaltende Unruhen in der arabischen Welt verdirbt den Käufern am Aktienmarkt die Laune. Der deutsche Leitindex geht mit leichtem Abschlag aus dem Handel.

Durchwachsen ausgefallene US-Konjunkturdaten und die anhaltenden Unruhen in der arabischen Welt haben Anlegern am deutschen Aktienmarkt die Kauflaune verdorben. Mit einem Abschlag von 0,1 Prozent auf 7405 Zähler schloss der Dax am Donnerstag knapp im Minus. „Wir sind seit Jahresbeginn schon ordentlich heiß gelaufen, offenbar ist es jetzt einmal Zeit für eine kleine Korrektur“, sagte ein Händler. Seit Januar hat der deutsche Leitindex gut sieben Prozent zugelegt. Die US-Börsen lagen zu Handelsschluss in Europa leicht im Plus, der EuroStoxx50 für die Euro-Zone trat auf der Stelle.

Kopfschmerzen bereiteten den Investoren die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die mit 410.000 etwas über den Erwartungen lagen. „Das nährt wieder Zweifel an einer nachhaltigen Wirtschaftserholung“, sagte ein Börsianer. Auch der drohende Flächenbrand in Nordafrika und am Persischen Golf machte die Investoren nervös. „Keiner weiß, wie es mit den Unruhen weitergeht – und Unsicherheit mag die Börse nun einmal nicht.“

Im Königreich Bahrain am Golf bangt die Führung um ihre Macht und ließ am Donnerstag die Polizei massiv gegen Demonstranten vorgehen. Auch im Jemen lieferten sich Anhänger und Gegner der Regierung den siebten Tag in Folge heftige Auseinandersetzungen. In Tripolis zeigten Anhänger des libyschen Machthabers Muammar Gaddafi Flagge – gegen die Opposition, die Reformen fordert.

Am deutschen Aktienmarkt stieß die Fusion der Deutschen Börse mit der Nyse Euronext weiterhin auf Vorbehalte. Viele seien unsicher, ob es nicht doch noch kräftigen Gegenwind von regulatorischer Seite geben werde, sagte ein Händler. Die Aktien der Deutschen Börse gaben um 1,6 Prozent auf 57,89 Euro nach und waren damit größter Dax-Verlierer. Die Papiere der Nyse rutschten in Paris um gut drei Prozent ab.

Erneut Federn lassen mussten nach den enttäuschenden Geschäftszahlen vom Mittwoch auch Daimler. Die Aktien des Autobauers verloren 1,1 Prozent, nachdem sie am Vortag bereits über vier Prozent eingebüßt hatten. Die Analysten seien im Vorfeld einfach zu optimistisch hinsichtlich des Unternehmensgewinns gewesen, sagte ein Händler. Es mehrten sich auch Sorgen, dass der Konzern selbst bei steigenden China-Absätzen nur eher bescheidene Margen erreichen werde.

Die Aktien von BMW und VW folgten Daimler nach unten und verloren zwischen 1,6 und einem Prozent. Laut Händlern nahmen Anleger bei den Favoriten des Vorjahres Gewinne mit. Sie hatten 2010 ein Plus von jeweils rund 85 Prozent verbucht.

Hartnäckig an der Dax-Spitze hielten sich dagegen die Papiere der Commerzbank mit einem Aufschlag von 2,9 Prozent auf 5,94 Euro. „Da erwarten einige Anleger gute Zahlen, nachdem in dieser Woche Barclays und Societe Generale mit ihren Bilanzen die Anleger überzeugt haben“, erklärte ein Händler. Auch europaweit griffen Anleger bei Banken zu, der Stoxx-Branchenindex kletterte zeitweise auf ein Sechs-Monats-Hoch. „Schuldenkrise, Refinanzierung und regulatorische Risiken werden offenbar zunehmend als der Vergangenheit angehörig betrachtet“, schrieben die Analysten von Evolution Securities in einer Studie.

Angesichts der positiven Branchenstimmung ignorierte der Markt sogar Aussagen der Ratingagentur Moody's, die Bonitätsnoten für die Commerzbank zu überprüfen. Die Aktien der Deutschen Bank gaben derweil einen kleinen Teil ihres Vortagesgewinns wieder ab und verloren 1,4 Prozent.

Mit Käufen reagierten die Investoren auf die Geschäftszahlen des Chemikalien-Händlers Brenntag. Die Titel stiegen im MDax um 4,5 Prozent auf 76 Euro und damit auf den höchsten Stand seit mehr als sechs Wochen.

Weniger gefragt waren dagegen Rheinmetall, die sich um 4,6 Prozent verbilligten. Die Aussicht auf rückläufige Umsätze beim Konkurrenten BAE Systems stimmte die Anleger skeptisch. Die Aktien des britischen Rüstungskonzerns fielen um 4,2 Prozent auf 340 Pence.

Im TecDax schien für die Solarwerte die Sonne: Phoenix Solar, SMA Solar, Conergy und Q-Cells belegten mit Kursgewinnen zwischen 7,5 und 2,6 Prozent die ersten vier Plätze. „Spätestens seit den guten Zahlen von Solarworld beginnt die Branchenstimmung sich zu drehen“, sagte ein Händler. „Die Investoren gehen davon aus, dass die Talsohle nun durchschritten ist.“