Pannenhilfe

Wie Autoclub "Mobil" den Riesen ADAC angreift

Mit günstigen Monatsbeiträgen für Autofahrer macht "Mobil in Deutschland" den etablierten Pannenhelfern jetzt harte Konkurrenz.

Den meisten Autofahrern, die mit einer Panne am Straßenrand stehen, dürfte nur ein Retter einfallen - der ADAC und seine Helferflotte, bekannt auch als "gelbe Engel". Kein Wunder: 17 Millionen Mitglieder hat der Club hierzulande inzwischen, im vergangenen Jahr zog er damit am größten japanischen Autoclub vorbei und ist nun weltweit die Nummer zwei hinter dem US-Autofahrer-Verein AAA. Dabei gibt es zahlreiche Alternativen zum Club mit den vier schwarzen Buchstaben auf gelbem Grund. Seit vergangener Woche eine mehr: Mobil in Deutschland heißt der neue Automobilclub, der mit Niedrigpreisen vor allem junge und kostenbewusste Autofahrer gewinnen will. 24 Euro kostet die Basis-Mitgliedschaft des neuen Vereins, beim ADAC werden dagegen 44,50 für den Standardtarif fällig. Zwar gibt es den Verein seit fast 20 Jahren, bisher war er aber nur Interessenverband, nun verspricht er den Mitgliedern ein vollwertiges Hilfspaket.

"Die Leute brauchen schnelle Hilfe im Fall des Falles, sonst nichts", sagt der Vorsitzende von Mobil in Deutschland, Michael Haberland. Sein Verein könne deshalb deutlich billiger sein, weil er alles im Internet abwickle, keine Call-Center betreibe und keine große Firmenzentrale unterhalten müsse. "Bei uns kriegt der Autofahrer, was er braucht, ohne viel Schnickschnack drumherum", sagt Haberland. Beim Kern des Angebots, der Pannenhilfe, will der neue Club dagegen mit dem ADAC mithalten können. Weniger als eine halbe Stunde soll es dauern, bis die Hilfe eintrifft. Der Trick: Mobil in Deutschland nutzt für die Pannenhilfe die Firma Assistance Partner, die ansonsten für Kfz-Versicherungen den Pannendienst fährt. Die wegen der Farbe ihrer Autos auch als Silberne Engel bekannte Organisation hat eine Flotte von rund 1700 Pannenfahrzeugen und ist damit ähnlich groß wie der ADAC.

Mit Blick auf das Versprechen der Hilfe binnen einer halben Stunde ist der gelbe Konkurrent trotzdem naturgemäß skeptisch. "Das halte ich für sehr sportlich", sagt Dieter Wirsich vom ADAC. Der ADAC sei selbst nach durchschnittlich 40 Minuten am Ort des Geschehens - wobei auch Einsätze in dünn besiedelten Gebieten und bei Extrem-Wetter in die Statistik mit einflössen. Ähnlich äußern sich die meisten angestammten Automobilvereine. Von diesen gibt es gar nicht wenige, auch wenn sie im Vergleich zum Platzhirsch allesamt klein und teils kaum bekannt sind.

Relevant sind vor allem ACE und AvD, die jeweils mehr als eine halbe Million Autofahrer in Deutschland in ihren Reihen haben. Weniger bekannte sind der Auto- und Reiseclub Deutschland (ARCD), der Kraftfahrerschutz (KS) oder der Automobil-Club Verkehr (ACV). Der VCD wiederum ist eigentlich ein Club, der sich für ökologische Mobilität insgesamt einsetzt - egal ob zu Fuß, per Bahn oder spritsparend mit dem Auto. Er bietet neben der Mitgliedschaft im Verein auch einen Schutzbrief für die Pannenhilfe.

Es gibt sogar einen christlichen Pannenhilfs-Dienst. Er heißt BAVC und ist aus der sogenannten Bruderhilfe hervorgegangen, die ursprünglich nur Geistlichen vorbehalten war. Inzwischen ist der BAVC für jedermann offen. Bei dem Club ist es egal, ob man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto unterwegs ist - auch, weil Pilger eine wichtige Zielgruppe sind. Auch der christliche Hilfsclub nutzt die Silbernen Engel von Assistance Partner - und funktioniert damit ähnlich wie Mobil in Deutschland. Im Kern sind die Leistungen aller Automobilclubs auf den ersten Blick ähnlich: Es gibt eine Pannenhilfe samt Abschleppdienst, je nach Tarif auch einen kostenlosen Rücktransport von Auto und Fahrer bei Unfall im Ausland. Eine telefonische Rechtsberatung ist meist kostenlos. Die Unterschiede liegen meist im Detail. So liegt die Schwelle für einen Rücktransport aus dem Ausland beim ADAC etwa sehr niedrig, der AvD bietet seit kurzem eine Notfallortung per Handy an.

Trotz sich ähnelnder Angebote sind Experten eher skeptisch, ob eine Mitgliedschaft in einem kleinen Günstig-Autoclub tatsächlich die bessere Wahl ist. "Mit den großen Drei kann man nichts falsch machen", sagt Lars Buesemann von der Fachzeitschrift "Auto-Bild", die wie die "Welt" ebenfalls im Axel-Springer-Verlag erscheint. "Die haben ihre eigene Flotte, womit man die Garantie hat, dass immer jemand rechtzeitig an Ort und Stelle ist". Bei kleineren Anbietern müsse man sich dagegen darauf verlassen, dass die Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern funktioniere.

Ohnehin seien Automobilclubs vor allem für Besitzer älterer Autos zu empfehlen. "Bei neuen Autos gibt es heute meist eine Mobilitätsgarantie, die bis zu sieben Jahren reichen kann", sagt Busemann. Diese Garantie sorgt dafür, dass im Pannenfall ein Abschleppdienst des Autoherstellers zur Stelle ist. Die Garantie greift jedoch nur, wenn der Halter seinen Wagen in den vorgeschriebenen Abständen zur Inspektion gebracht hat. Wer auf Extras verzichten kann, hat noch eine andere Alternative: Die Schutzbriefe der Kfz-Versicherer. Einer Umfrage des Verbraucherportals Finanzscout zufolge kosten diese teils weniger als zehn Euro. Sie bieten dafür meist nur Hilfe bei Pannen und Unfällen - und damit noch weniger als die Günstig-Automobilclubs. Wem das reicht, fährt damit jedoch günstiger.

Auch ohne Schutz steht übrigens niemand hilflos am Straßenrand. Wer über die Notrufsäule oder sein Handy den ADAC oder einen Konkurrenten ruft, bekommt auch Hilfe, wenn er gar kein Mitglied ist. So steht es im Gesetz. Wer aber keines der Plastikkärtchen der Clubs im Geldbeutel hat, bleibt auf den Kosten des Einsatzes sitzen.