Börsen-Bericht

Flaue US-Einzelhandelsumsätze bremsen den Dax

Das Umsatzplus der US-Händler bleibt hinter den Erwartungen zurück. Auch die Fusion der Börsen löst keine Begeisterung aus.

Der verhaltene Jahresauftakt im US-Einzelhandel hat die Aktienmärkte gebremst. Der Dax schloss nahezu unverändert bei 7400 Punkten. Börsianern zufolge geht dem Markt angesichts der jüngsten Rekordjagd langsam die Puste aus. Am Montag war der deutsche Leitindex noch auf ein Drei-Jahres-Hoch von 7424 Zählern geklettert. „Es gibt kaum noch Impulse für steigende Kurse, so dass die Umsätze recht gering sind“, sagte ein Händler. „Das könnte ein Zeichen sein, dass es bald mit den steigenden Kursen vorbei ist“, warnte ein weiterer Händler. Der EuroStoxx50 für die Euro-Zone hielt sich dank starker Finanzwerte 0,4 Prozent im Plus bei 3028 Zählern, während die US-Börsen bei Handelsschluss in Europa leicht im Minus notierten.

Die US-Bürger kauften im Januar zwar mehr ein, doch das Umsatzplus von 0,3 Prozent im Einzelhandel blieb hinter den Erwartungen zurück. „Die konjunkturelle Erholung setzt sich fort, dennoch scheinen die Markterwartungen an die wirtschaftliche Dynamik in den letzten Wochen zu weit gestiegen zu sein“, kommentierte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Auch Konjunkturdaten aus Deutschland lockten Anleger nicht an den Aktienmarkt. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im vierten Quartal 2010 zwar um 0,4 Prozent, blieb damit jedoch hinter den Erwartungen zurück. Auch der ZEW-Konjunkturindex legte nicht so kräftig zu wie Analysten vorhergesagt hatten.

Der Zusammenschluss von Deutsche Börse und Nyse Euronext zum weltgrößten Börsenbetreiber löste bei Anlegern keine Euphorie aus. Deutsche-Börse-Titel fielen in Frankfurt um 2,4 Prozent, die der Nyse Euronext in New York um 2,3 Prozent. Analysten zeigten sich skeptisch. „Unter dem Strich bezweifele ich auch, dass das für die Aktionäre über die nächsten Quartale eine Erfolgsgeschichte wird“, erklärte LBBW-Experte Martin Peter. Sein Kollege Manfred Jaisfeld von der Essener Nationalbank warnte: „Neben regulatorischen Einschränkungen sehen wir vor allem politische Hindernisse, die letztlich auch noch zu einem Scheitern des geplanten Zusammenschlusses führen können.“

Gestützt wurden die europäischen Märkte dagegen von einem 32-prozentigen Gewinnsprung der britischen Großbank Barclays. „Die Barclays-Zahlen waren besser als erwartet ausgefallen, das hat Anleger zu Käufen bei Finanzwerten angeregt“, sagte ein Händler. „Die Titel haben im Vergleich zum Gesamtmarkt noch Nachholpotenzial.“ Der europäische Stoxx-Bankenindex stieg um 1,3 Prozent. Barclays-Aktien setzen sich mit einem Plus von 5,8 Prozent in London an die Spitze des FTSE100. Den Dax führten Deutsche Bank mit einem Plus von 2,5 Prozent. UniCredit-Aktien profitierten zusätzlich von einer Kaufempfehlung durch Societe Generale und verteuerten sich in Mailand um 3,3 Prozent.

Spekulationen um Beiersdorf

Commerzbank-Titel gingen hingegen nur 0,1 Prozent höher aus dem Handel. Die Bilanz des Frankfurter Geldhauses wurde einem Zeitungsbericht zufolge 2010 von Verlusten der Tochter Eurohypo stärker als gedacht belastet. Zudem hat der Immobilien- und Staatsfinanzierer im Streit um ausgefallene Zinsen auf Genussscheine eine juristische Niederlage erlitten.

Erneut aufkommende Spekulationen über ein Gebot des US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble trieb Beiersdorf laut Händlern in die Höhe. Die Aktien des Nivea-Konzerns verteuerten sich um 2,4 Prozent. Ein Sprecher der Beiersdorf kontrollierenden Holding Maxingvest sagte, an den Verkaufsgerüchten sei nichts dran.

Nach einem Gewinnanstieg waren auch Danone-Aktien gefragt. In Paris verteuerten sich die Papiere des weltgrößten Joghurt-Herstellers um 3,3 Prozent.