Dispozinsen

Verbraucherschützer werfen Banken Abzocke vor

Die Verbraucherzentralen haben zehn Banken wegen hoher Zinsen für Dispokredite abgemahnt. Sie sprechen von "unverschämter Abzocke".

Foto: picture-alliance/ gms / picture-alliance / gms / Jens Schierenbeck

Deutschen Banken droht wegen hoher Überziehungszinsen juristischer Ärger. Verbraucherschützer mahnten zehn Institute ab und forderten sie damit auf, die Zinsen zu senken. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) sprach von einer "unverschämten“ Abzocke der Bankkunden. Der durchschnittliche Überziehungszins betrage trotz der niedrigen Marktzinsen elf Prozent, die Spitzen lägen bei 15 Prozent. Konkrete Namen von Geldhäusern wurden nicht genannt.

Unterstützung kommt vom Bundesverbraucherministerium, das bis Jahresende Untersuchungsergebnisse zu dem Thema veröffentlichen will. „Verbraucher werden bei Dispokrediten zu oft durch überhöhte Zinsen benachteiligt“, erklärte ein Sprecher des Ministeriums. Die Spitzenverbände der Finanzbranche wiesen die bereits vor Monaten erstmals erhobenen Vorwürfe zurück. Der Zentrale Kreditausschuss verwies auf Daten der Bundesbank, wonach die Dispozinsen in den vergangenen beiden Jahren um zwei Prozentpunkte auf unter zehn Prozent gesunken sein sollen.

Die Verbände betonen, dass Dispokredite üblicherweise nur kurzzeitig genutzt werden. „Überziehungskredite sind nur als Überbrückung für kurze Zeit gedacht“, erklärte der ZKA. Längerfristige Finanzierungen gebe es zu deutlich günstigeren Konditionen. Mit der Abmahnung werden die Institute zur Unterlassung ihrer Zinspolitik aufgefordert – zunächst ohne Einschaltung eines Gerichts. Die Verbraucherschützer kritisieren besonders die sogenannten Anpassungsklauseln, mit denen die Institute die Zinsen nach eigenem Ermessen ändern könnten. Die Banken verlangten von ihren Kunden hohe Zinssätze, während sie selbst für Kredite kaum Zinsen zahlen müssten.

„Die Zinshöhe ist das eine Ärgernis, die Willkür bei der Zinsgestaltung das andere“, erklärte VZBV-Vorstand Gerd Billen. Die Verbraucherschützer bekräftigten ihre Forderung nach einer gesetzlichen Deckelung der Marge von Überziehungs- und Refinanzierungszinsen. Einen ähnlichen Streit lieferten sich die Verbraucherzentralen im vergangenen Jahr mit den Banken wegen hoher Gebühren an Geldautomaten. Auch das Kartellamt schaltete sich ein. Zumindest die Privatbanken deckelten die Entgelte danach auf 1,95 Euro. Sparkassen und Volksbanken zeigen die Gebühren beim Abheben an fremden Automaten direkt an.