Geldanlage

China-Investoren können gleich doppelt profitieren

Das in China beginnende "Jahr des Hasen" bringt Zuversicht. Beobachter setzen auf eine Aufwertung des Yuan und steigende Börsenkurse.

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Überall Menschen mit langen Hasenohren auf dem Kopf, in sämtlichen Schaufenstern weiße Mümmelmänner, und in manchen Wohnzimmern hoppeln lebendige Exemplare umher: China ist im Hasen-Fieber. Denn am Donnerstag beginnt das neue Jahr, und dem chinesischen Tierkreiskalender entsprechend steht es ganz im Zeichen von Meister Lampe.

Viele hoffen, dass das neue Jahr ruhigere Zeiten bringt, auch und gerade an den Finanzmärkten. Denn der Hase gilt als eher zurückhaltend. „Der gemütliche, sympathische und kluge weiße Hase wird dem unangenehmen und unberechenbaren Tiger die Zügel entreißen, der die Märkte in den vergangenen zwölf Monaten durchgerüttelt hat“, sagt folglich das Hongkonger Brokerhaus CLSA in seinem Feng-Shui-Index für dieses Jahr voraus.

Tatsächlich war das vergangene Jahr für Anleger in China eine Enttäuschung. Während die Börsenbarometer fast in der gesamten Welt große Sätze nach oben machten, verloren chinesische Aktien an Wert. In Shanghai betrug das Minus 2010 rund 15 Prozent. In Südostasien, vor allem in Thailand, Malaysia oder Indonesien, explodierten die Kurse dagegen geradezu. Lediglich der Hongkonger Markt folgte dem allgemeinen globalen Trend und konnte leichte Gewinne vorweisen.

Vor allem die drastisch gestiegene Inflation in China verstörte die Investoren. Hinzu kamen die Angst vor einem Platzen der Immobilienblase, die Furcht vor drastisch steigenden Lohnkosten und die Erwartung, dass sich das Wachstum abschwächt. Gründe für einen pessimistischen Blick auf China gab es also genug.

Doch der Hase scheint schon jetzt beruhigend zu wirken. Denn allmählich dreht sich die Stimmung. Einer der größten Optimisten ist dabei Zhang Zhiming, Chef-Analyst für China bei der HSBC. „Chinas Wachstum wird sich nicht verlangsamen, es bleibt im zweistelligen Prozentbereich“, sagt er mit Bestimmtheit. Er verweist dabei einerseits auf die Erfahrung der Vergangenheit. „Immer wieder wurde vorhergesagt, dass sich das Wachstum abschwächt, nie trat es ein.“ Andererseits hat er schlicht die Wachstumsziele zusammengezählt, die sich die einzelnen Provinzen gesetzt haben. Sie reichen von acht Prozent (Guangdong) bis 19 Prozent (Liaoning) – selbst wenn die Zentralregierung also die Ziele etwas niedriger ansetzt, der Ehrgeiz der Lokalfürsten wird dafür sorgen, dass sie übertroffen werden.

Wichtigste Treiber werden seiner Meinung nach dabei weiterhin Investitionen und der Export sein. „Der Bau eines Hochgeschwindigkeitsbahnnetzes hat gerade erst begonnen“, nennt er als Beispiel. Tausende weitere Kilometer werden in den kommenden Jahren gebaut werden. Diese verbesserte Infrastruktur werde gleichzeitig dafür sorgen, dass China ein weiteres ehrgeiziges Ziel erreichen kann: die Verlagerung der Industrien ins Landesinnere. Denn dort sind die Lohnkosten weiter niedrig. Heute kommen noch 80 Prozent der Exporte aus den Küstenprovinzen. Das soll sich ändern, vor allem die Region um die Stadt Chongqing soll künftig zu einem wichtigen Zentrum der Exportindustrie werden. Eine direkte Eisenbahnverbindung von Chongqing bis nach Duisburg soll künftig den Transport zu den wichtigsten Handelspartnern erleichtern.

Doch was ist mit all den Risiken, die Investoren im vergangenen Jahr so fürchteten? Sie sind schließlich nicht aus der Welt. Die Immobilienpreisblase ist nach wie vor vorhanden. „Viele haben ihr ganzes Geld genommen, um mehrere Wohnungen zu kaufen“, sagt Gordon Orr vom Shanghaier Büro der Unternehmensberatung McKinsey. Wenn die Zinsen angehoben würden, komme es daher zu einer Welle von Privatinsolvenzen in Chinas Mittelschicht, befürchtet er.

Allerdings kaufen Chinesen Wohnungen selten auf Kredit. Meist bezahlen sie in bar. „Nur sechs bis sieben Prozent der Haushalte haben ein Baudarlehen“, sagt Zhang. Zinssteigerungen sind also kaum ein Problem. Eher schon könnten sich Preisstürze negativ auswirken. Immerhin führen derzeit einige Städte eine Immobiliensteuer ein, um die Spekulation einzudämmen. Die Auswirkungen werden davon abhängen, wie hoch sie ausfällt.

Ein anderes Problem ist die hohe Inflation. Sie wird vor allem von den Nahrungsmittelpreisen getrieben. Ursache dafür ist aber vor allem, dass zu viel Geld im System ist, das Kreditvolumen der Banken wächst nach wie vor schneller als erwünscht. Entscheidend wird daher sein, dass es der Regierung gelingt, die Kreditvergabe stärker zu kontrollieren.

Doch es gäbe noch einen weiteren Weg: „Auch eine Aktienmarktrallye könnte helfen, die überschüssige Liquidität aus der Wirtschaft zu nehmen und so den Inflationsdruck zu mindern“, sagt Minggao Shen, Aktienstratege bei der Citibank. „Die Kurse in Shanghai könnten um 25 Prozent zulegen, in Hongkong sogar noch mehr“, erwartet er daher.

Dies könnte sogar noch kombiniert werden mit einer stärkeren Aufwertung des Yuan, denn dadurch würde der Preisauftrieb über die Importpreise gedämpft. Für ausländische Anleger würde dies dann bedeuten, dass sie doppelt profitieren könnten – von steigenden Aktienkursen und von einer aufwertenden Währung. Dann würde wirklich wahr, was der Feng-Shui-Index von CLSA für dieses Jahr in einem englischen Wortspiel in Anspielung an das Jahr des Hasen verspricht: „Index rises rabbitly“.