Börsen-Bericht

Dax geht zum Handelsschluss ein wenig die Puste aus

Im Laufe des Montag hat der Dax ein neues Dreijahreshoch markiert. Doch vor Börsenschluss nahmen einige Anleger noch Gewinne mit.

Die Aussicht auf ein weiteres Anziehen der Weltkonjunktur hat den Dax am Montag auf neue Höchststände getrieben. In der Spitze kletterte er um 0,7 Prozent auf 7424 Punkte und notierte damit so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr.

Die Lust auf Aktien wurde zum Wochenauftakt vor allem von den starken Konjunkturdaten aus China geweckt. Bis zum Abend ging dem deutschen Leitindex dann allerdings etwas die Puste aus – er beendete den Handel 0,3 Prozent höher bei 7396 Zählern. „Der Dax ließ sich in den vergangenen Tagen kaum stoppen, offenbar haben sich einige Anleger überlegt, jetzt erst einmal ihre Gewinne zu sichern“, sagte ein Händler. Der EuroStoxx50 verlor 0,2 Prozent, die Wall Street tendierte zum Handelsschluss in Europa uneinheitlich.

Hervorgelockt hatten die Anleger am deutschen Aktienmarkt die kräftig gestiegenen In- und Exporte in der Volksrepublik. Sie ließen weiterhin auf eine brummende Wirtschaft hoffen, sagten Börsianer. Die chinesischen Ausfuhren legten im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 37,7 Prozent zu. Das 51-prozentige Plus bei den Einfuhren lag doppelt so hoch wie von Analysten erwartet. „Die starke Entwicklung des Export-Wachstums hängt mit den verbesserten wirtschaftlichen Bedingungen bei den wichtigsten Handelspartnern Chinas zusammen“, erklärten die Goldman-Sachs-Volkswirte Yu Song und Helen Qiao. „Das starke Import-Wachstum stützt sich auf die anziehende Binnennachfrage.“

Von der optimistischen Stimmung profitierten im Dax vor allem Werte, die sich am Freitag eher unterdurchschnittlich entwickelt hatten. BASF, Linde und MAN legten zwischen 2,5 und zwei Prozent zu. Weniger gefragt waren dagegen Volkswagen, die 1,2 Prozent auf 126,65 Euro einbüßten. Die US-Behörden nehmen nach einer Pannenserie die Dieselmotoren des Wolfsburger Autobauers unter die Lupe. Das sei schädlich für die Reputation und könne das US-Geschäft beeinträchtigen, sagte ein Börsianer.

In der zweiten Börsenliga standen Bilfinger Berger im Rampenlicht, die nach der Vorlage ihrer Bilanzzahlen zunächst auf ein Dreieinhalb-Jahres-Hoch von 65,62 Euro kletterten, ihre Gewinne dann aber wieder abgaben und schließlich mit einem Minus von 1,2 Prozent aus dem Handel gingen. Analyst Heino Ruland von Ruland Research wertete besonders die in Aussicht gestellte signifikante Gewinnsteigerung 2011 positiv. Für die Analysten der WestLB dürften „alle guten Nachrichten“ nun verkündet sein. Sie stuften die Aktien herunter auf „Neutral“ von „Add“.

Beim Konkurrenten Hochtief hielt Investoren dagegen auch ein Gewinnrückgang bei der australischen Tochter Leighton nicht von Aktienkäufen ab. Der Essener Konzern hat eigenen Angaben zufolge seinen Gewinn 2010 trotz der Rückgänge bei der Tochter gesteigert. „Das deutet darauf hin, dass die Geschäfte bei Hochtief gut laufen“, sagte ein Börsianer. Hochtief waren mit einem Plus von 3,1 Prozent auf 68,43 Euro einer der Favoriten im Nebenwerte-Index MDax. Im TecDax trieb eine Kaufempfehlung der Deutschen Bank die Aktien des Telekom-Anbieters QSC. Sie stiegen um knapp zehn Prozent auf 3,25 Euro.

Die Papiere von Pfleiderer wurden dagegen von Spekulationen auf eine erfolgreiche Sanierung beflügelt. Mit einem Plus von 16,18 Prozent auf 1,56 Euro ließen die Papiere des Holz-Verarbeiters die Konkurrenz im SDax weit hinter sich, nachdem sie am Freitag noch auf ein Rekordtief von 1,27 Euro gefallen waren.

Weiter bergab ging es für Nokia-Aktien. Die am Freitag verkündete Partnerschaft mit Microsoft gefiel den meisten Börsianern auch auf den zweiten Blick nicht. Zahlreiche Analysten stuften die Titel des finnischen Handyherstellers herunter – die Papiere rutschten um bis zu 5,6 Prozent auf 6,61 Euro ab und notierten damit so niedrig wie seit Juli vorigen Jahres nicht mehr.

Schon am Freitag waren sie mehr als 14 Prozent in den Keller gerauscht. Nokia will das Betriebssystem Windows Phone 7 künftig auf seinen Smartphones laufen lassen und so seinen Abstieg aus der Weltspitze der Handy-Bauer verhindern.