Börsen-Bericht

Mubaraks Nicht-Rücktritt bremst den Aktienmarkt

| Lesedauer: 3 Minuten

Die unsichere Lage in Ägypten macht die deutschen Anleger nervös. Nach seinem letzten Höhenflug verlor der Dax weiter an Boden.

Der überraschende Verbleib von Ägyptens Präsident Husni Mubarak im Amt hat den Höhenflug des Dax vorerst gestoppt. Der deutsche Leitindex verlor bis zum Mittag 0,5 Prozent auf 7303 Zähler. In den vergangenen Tagen hatte er ein neues Drei-Jahres-Hoch nach dem anderen markiert. Mit der Rücktrittsweigerung Mubaraks sei die Unsicherheit über die weitere Entwicklung nun wieder größer geworden, sagte ein Händler. „Und Unsicherheit mag die Börse nicht.“

Auch am Ölmarkt wurden die Anleger aus Furcht vor möglichen Lieferengpässen nervös. Brent verteuerte sich in der Spitze um mehr als ein Prozent auf 101,95 Dollar. Anders als von vielen Beobachtern erwartet, trat Mubarak nicht zurück und löste damit Wut und Enttäuschung bei den Demonstranten aus, die seit Wochen mit ihrem Protest den Präsidenten zur Aufgabe zwingen wollen.

Für Gesprächsstoff am deutschen Aktienmarkt sorgten neben Mubarak auch die Quartalszahlen von ThyssenKrupp. Händlern zufolge schmeckten den Anlegern die höheren Belastungen in der Sparte Steel America nicht. Hier muss der Mischkonzern eine Ergebnisbelastung im „höheren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich“ hinnehmen. Bisher hatte das Unternehmen eine Belastung im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erwartet. Die Papiere verbilligten sich um 2,6 Prozent auf 30,31 Euro. DZ-Bank-Analyst Dirk Schlamp zeigte sich dennoch optimistisch: Allein aufgrund der anhaltenden robusten wirtschaftlichen Erholung dürfte die Aktie weiter Luft nach oben haben, schrieb er in einem Kommentar.

Auf der kurzen Gewinnerliste im Dax fanden sich Lufthansa wieder. Die Aktien der größten deutschen Fluggesellschaft gingen auf Erholungskurs, nachdem eine Gewinnwarnung des Konkurrenten Air-France KLM die Papiere am Vortag 2,5 Prozent ins Minus gedrückt hatte. Bis zum Mittag notierten Lufthansa zeitweise ein Prozent fester. In der zweiten Börsenliga lenkte IVG Immobilien mit einer Blitz-Kapitalerhöhung die Aufmerksamkeit auf sich.

Die Aktie des Bonner Immobilienkonzerns pendelte sich am Mittag mit einem Minus von zwei Prozent bei gut sieben Euro ein, nachdem sie zeitweise knapp fünf Prozent schwächer notiert hatte. Das Unternehmen sammelte mit einer Kapitalerhöhung rund 87 Millionen Euro ein. Zwei Drittel des Geldes sollen für die Sondertilgung eines Großkredits verwendet werden. Europaweit machte Nokia von sich Reden: Der weltgrößte Handyhersteller will sich zusammen mit Microsoft gegen den Abstieg aus der Topliga der Handybauer stemmen. Die Anleger hielten offenbar nicht viel von der Idee und schickten die Aktie mit einem Abschlag von knapp zehn Prozent auf Talfahrt.

„Diese Partnerschaft gründet auf der Angst beider Seiten, von Apple und Google an den Rand gedrückt zu werden. Aber sie ist keine Patentlösung für die Probleme“, urteilte Analyst Geoff Blaber von CCS Insight. Unter Druck gerieten auch L’Oreal, die sich um knapp fünf Prozent verbilligten.

Der weltgrößte Kosmetikhersteller hatte zwar ein Umsatzwachstum im vierten Quartal und die Erhöhung der Dividende bekanntgegeben, aber keine genaue Prognose für das laufende Geschäftsjahr abgeliefert. Die Ergebnisse des französischen Rivalen seien nicht die besten Voraussetzungen für Beiersdorf, erklärten Händler. Die Papiere des Nivea-Herstellers gaben um 0,8 Prozent auf 41,11 Euro nach.