Geldanlage

Klassische Aktienfonds sind ein Auslaufmodell

Für Fondsmanager der alten Schule wird es eng. Zwei Drittel der Neuanlagen in Aktienfonds fließen inzwischen in Indexprodukte.

Foto: picture alliance / dpa Themendie / picture alliance / dpa Themendie/dpa Themendienst

Wer sein Geld am Aktienmarkt anlegen will, sucht sich entweder einzelne Aktien oder einen Fonds. Geht er letzteren Weg, so entscheidet er sich für ein Land oder eine Branche und kauft ein entsprechendes Vehikel. So war es zumindest über Jahrzehnte – alte und große Fonds wie der Fondak von Allianz Global Investors, der US-Fonds von Pioneer oder der Vermögensbildungsfonds der DWS sind dafür beste Beispiele.

Doch diese Klassiker haben es zunehmend schwer. Sie drohen zum Auslaufmodell zu werden. Denn die Anleger haben seit einiger Zeit ganz andere Präferenzen, wie die neuesten Branchenzahlen des Fondsverbandes BVI zeigen. So flossen in Aktienfonds im vergangenen Jahr zwar noch 10,2 Mrd. Euro an frischem Geld. Doch Mischfonds konnten mit 13,8 Mrd. Euro deutlich mehr Kapital anziehen. Diese Fonds investieren nicht mehr nur in Aktien, sondern mindestens auch in festverzinsliche Papiere, oft auch in weitere Anlageklassen. Je nach Marktlage verschieben sie dabei den Schwerpunkt und nehmen dem Anleger so die Entscheidung darüber ab, wie er sich jeweils am Markt positionieren soll.

„Unter den Anlegern gibt es den Wunsch nach risikokontrollierten Anlagen“, sagt Klaus Kaldemorgen, bekanntester Fondsmanager der DWS. Sie wollen nach der Erfahrung zweier Aktiencrashs in den vergangenen zehn Jahren weniger Schwankungen bei ihren Fonds. „Idealerweise sollen diese beim Weg nach oben möglichst stark dabei sein, auf dem Weg nach unten aber einen Puffer bieten“, so Kaldemorgen. Das sei schwierig, aber machbar, beispielsweise durch den Einsatz von Derivaten oder anderen Finanzinstrumenten.

Und genau das versprechen viele der Vermögensverwaltungsfonds, die in den vergangenen Monaten in Mode gekommen sind. Sie werden auch der Gruppe der Mischfonds zugerechnet, was zu einem guten Teil den Erfolg dieser Anlageklasse erklärt. Doch klassische Aktienfonds kommen auch noch aus einer anderen Richtung unter Druck. Denn von den Zuflüssen in Aktienfonds gingen 2010 rund zwei Drittel in sogenannte ETFs, also börsengehandelte Indexfonds, die einfach nur einen Index kopieren. Ein Manager, der versucht etwas mehr herauszuholen, fehlt hier völlig.

Klassische Aktienfondsmanager sind also nicht mehr gefragt. Zumal auch die gefragten Vermögensverwaltungsfonds, die ja einen Teil des Geldes letztlich auch wieder in Aktien investieren, bei ihren Anlagen oft ebenfalls auf gemanagte Fonds verzichten. „Auch hier werden zunehmend ETFs zum Abdecken bestimmter Märkte eingesetzt“, sagt Thomas Neiße, Chef des BVI.

Er ist jedoch trotz dieses epochalen Umbruchs, der derzeit in seiner Branche stattfindet, zufrieden mit dem Verlauf des vergangenen Jahres. „2010 war eines der besten Jahre unserer Geschichte“, sagt er. Tatsächlich vertrauten Anleger den Fondsgesellschaften so viel neues Geld wie lange nicht mehr an. Entscheidend war dabei allerdings Kapital, das institutionelle Investoren, also Versicherungen, Pensionsfonds oder Unternehmen, an die Gesellschaften zur ertragsreichen Anlage übergaben. Sie steuerten allein 70,9 Mrd. Euro bei. Von Privatanlegern flossen dagegen nur 19,3 Mrd. Euro zu – das ist zwar mehr als in den beiden Jahren zuvor, liegt allerdings immer noch weit unter den Werten der Zeit vor der Finanzkrise.

Um Fonds auch für Privatanleger wieder attraktiver zu machen, hat der Verband eine Werbekampagne gestartet, die rund 1,5 Mio. Euro pro Jahr kosten soll. Auch über Vorträge an Schulen und weitere Informationskampagnen versucht man, sich ins Gespräch zu bringen. Zudem macht man sich aber auch auf politischer Ebene für Vergünstigungen stark. Und ein erster Erfolg könnte auf diesem Gebiet möglicherweise schon in diesem Jahr gefeiert werden.

Denn die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat sich dafür ausgesprochen, die steuerlichen Vorteile, die bisher Lebensversicherungskunden erhalten, auch auf langfristige Fondsanlagen auszudehnen. Bei Lebensversicherungen, die mindestens zwölf Jahre laufen und deren Auszahlung nach dem 60.Lebensjahr erfolgt, ist nur die Hälfte der Erträge zu versteuern. Entsprechendes würde dann auch für Fondsanlagen gelten, die mindestens zwölf Jahre laufen und nach dem 60.Lebensjahr ausgezahlt werden.