Mongolei

Der heiße Aktienritt in kalter Steppenlandschaft

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Frank Stocker

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An Ulaanbaatars Börse eilen die Kurse von Rekord zu Rekord. Die Mongolei profitiert von Chinas Rohstoffhunger. Bald dürfen auch Kleinanleger mitmischen.

Dschingis Khan stürmt nicht auf dem Pferd voran und fuchtelt nicht mit Schwert oder Streitaxt herum. Er trägt vielmehr Brille, Anzug und Krawatte, und er heißt auch gar nicht Dschingis Khan. Obwohl ihm immerhin der Herrschertitel schon bei der Geburt im Vornamen implementiert wurde. Khangai Altai ist Chef der Mongolischen Börse und sorgt derzeit mindestens für so viel Wirbel wie der Vorfahr vor 800 Jahren. Seine Eroberungen finden jedoch auf dem Finanzparkett statt.

Denn der Aktienmarkt von Ulaanbaatar, was vielen Deutschen – wenn überhaupt – eher noch als Ulan Bator geläufig sein dürfte, ist der Überflieger schlechthin. Die Kurse laufen hier seit Monaten heiß, auch wenn man sich das kaum vorstellen mag bei den 20 Grad unter Null, die derzeit in der öden Steppenlandschaft zwischen Russland und China herrschen. In den vergangenen anderthalb Jahren hat sich der MSE Top 20 Index, in dem die 20 größten Firmen der Börse versammelt sind, verfünffacht. Allein in den vergangenen vier Wochen machten Anleger ein Plus von 60 Prozent. Und Khangai Altai steht diesem Traumrenditebringer vor.

Die Fantasie der Anleger hat er dabei geschickt geweckt. Im Juni vergangenen Jahres fand in der mongolischen Hauptstadt eine internationale Konferenz über die anstehende Privatisierung staatlicher Unternehmen statt, natürlich im Hotel „Chinggis Khan“. Und Altai lud internationale Investoren ein, dabei zu sein, wenn das Land seine Schätze hebt.

Mancher hat sich seither mit den zungenbrecherischen Namen der mongolischen Unternehmen vertraut gemacht: Tavan Tolgoi, Shive Ovoo, oder noch besser: Baganuur Zuun Umnud Busiin Tsakhilgaan Tugeekh Sul. Aber was tut man nicht alles für Renditen von 300 oder 400 Prozent binnen eines Jahres. Allen diesen Namen gemeinsam ist, dass dahinter Rohstofflieferanten stecken, die vom Boom des südlichen Nachbarn profitieren. Vor allem Kohle braucht China en masse, und bezieht sie immer häufiger vom mongolischen Nachbarn. Bei der so genannten Kokskohle, die vor allem in Hochöfen eingesetzt wird, hat das Land inzwischen schon mit Australien gleichgezogen, das bisher größter Lieferant für China war. Und bis 2017 soll sich die mongolische Produktion glatt vervierfachen, nachdem sie sich schon im vergangenen Jahr verdoppelt hat.

Es klingt nach Goldgräberstimmung. Doch die Hausse findet nach wie vor weitgehend im Verborgenen statt. Denn zum einen bringt es manches MSE-Top-20-Unternehmen auf Tagesumsätze von umgerechnet gerade mal wenigen Hundert Dollar. Und zum anderen ist es für ausländische Privatanleger bisher praktisch unmöglich an dem großen Rad mitzudrehen – es gibt weder entsprechende Fonds noch Zertifikate.

Aber Abhilfe naht. Schon im vergangenen Jahr ging mit Mongolian Mining das erste Unternehmen des Steppenvolkes an die Hongkonger Börse. Und in diesem Jahr dürften einige weitere folgen. Allein der Kohleproduzent Erdenes-Tavan Tolgoi soll dabei zwischen 2,4 und drei Mrd. Dollar einspielen. Denn Hongkong ist für die internationale Investorengemeinde eben doch etwas naheliegender als Ulaanbaatar. Khangai Altai wird es verschmerzen. Denn für moderne Eroberer zählt allein die Rendite.