Geldanlage

Wer in Portweine investiert, muss lange warten

Einstiegspreise bei Portweinen sind vergleichsweise moderat. Doch richtig gut und wertvoll werden sie erst nach mehr als 30 Jahren.

Er hat sich zwar nie direkt zu Portweinen geäußert. Aber eines der berühmtesten Zitate des Wirtschaftswissenschaftlers John Maynard Keynes fällt einem in diesem Zusammenhang doch sofort ein: "Langfristig sind wir alle tot." Denn wer in Sachwerte ohne laufende Rendite investiert, der braucht einen langen Atem, wenn er eine Wertsteigerung erzielen will. Und bei Portweinen kann es sogar schwierig werden, das überhaupt zu erleben.

Denn die Spezialität aus Europas Südwesten wird erst nach mehreren Jahrzehnten Lagerzeit interessant - für Anleger wie für Weinfreunde. "Erst bei älteren Jahrgängen kommt der richtige Trinkspaß durch die enorme Komplexität und Reife dieser Weine zum Tragen", sagt Michael Unger, Gesellschafter des Weinauktionshauses Koppe und Partner. Wertsteigerungen sind daher nur bei wirklich alten Vintage Ports großer Jahrgänge zu erwarten.

Grundsätzlich entwickeln sich die Preise für Portweine extrem träge, sagt Unger. Es handele sich um einen klaren Käufermarkt, was bedeutet, dass die Preise günstig sind und das Angebot groß ist. Wer eine Analogie zur Börse sucht, wird sie schnell finden: Wenn Bordeaux-Weine die Standardwerte sind, dann gleichen Vintage Ports preisgünstigen Nebenwerten mit spekulativem Potenzial, die nur wenige kennen. Die Weine aus den traditionsreichen Port-Betrieben, von denen die meisten in den verwinkelten Gassen von Vila Nova de Gaia unweit der portugiesischen Stadt Porto zu finden sind, gelten auch heute noch eher als "Kaminfeuer-Drink" und nicht als Investment.

Das jedoch sei eine typisch zentraleuropäische Sichtweise, stellt Stefan Sedlmeyr vom Auktionshaus "Munich-winecompany" fest. "Vintage Ports spielen in unserem Auktionsgeschäft zwar keine große Rolle. In Großbritannien sieht das aber schon anders aus." Dort richteten Sotheby's und Christie's hin und wieder spezielle Port-Auktionen aus - vor allem im Herbst und Winter. Sogar im Londoner Liv-ex 500, einem Preisindex für Top-Weine, sind Vintage Ports gelistet, wenngleich die Gewichtung mit 0,8 Prozent sehr gering ausfällt. Berücksichtigt werden Ports aus den Spitzenhäusern Taylor und Fonseca.

Die zahlreichen Fachbegriffe auf den Flaschen-Etiketten verwirren den Einsteiger zunächst: Ruby, Tawny, Colheita oder das Kürzel LBV. Der junge Ruby-Port ist ein preiswertes Produkt und für den baldigen Konsum bestimmt. Tawnies lagern länger und werden nach einigen Jahren in kleinere Fässer umgefüllt. Durch den Kontakt mit der Luft oxidieren sie mehr und altern schneller. Daher rührt ihre im Vergleich mit den Rubies hellere Farbe. Der Colheita besteht aus verschiedenen Trauben eines Jahrgangs. Er wird nach mindestens sieben Jahren Lagerung im Fass in Flaschen abgefüllt. Auf dem Etikett eines Colheitas ist daher immer das Erntejahr vermerkt. Die Abkürzung LBV steht schließlich für Late Bottled Vintage Port. Er darf nur aus Trauben eines Jahrgangs hergestellt werden und lagert zwischen vier und sechs Jahren im Fass, bevor er in Flaschen abgefüllt wird.

Auch ein Vintage Port beginnt letztlich als Ruby. Deuten Tests aber darauf hin, dass es sich um einen großen Jahrgang handelt, wird der Wein auf Flaschen gezogen. Denn diese Spitzen-Ports reifen in Flaschen und nicht in Fässern oder Tanks. Mindestens zehn Jahre sollten Vintage Ports lagern.

Die kostbaren Jahrgangs-Portweine sind freilich wesentlich älter. Manche "überleben" sogar ihre Besitzer. "Vintage Port entwickelt sich sehr langsam. Es ergibt also Sinn, ältere Jahrgänge vorzuziehen, die findet man am Markt relativ gut", sagt Unger. Er empfiehlt keine jüngeren Ports als aus dem Jahr 1977. Portwein-Experte Axel Probst von "World of Port" teilt diese Meinung. Unter Investment-Aspekten seien Vintage Ports ab den 70er-Jahren und älter interessant. Wer nicht nur Geld, sondern auch noch viel Zeit investieren möchte, kann sich aber auch für einen jüngeren Port entscheiden. Der Jahrgang 2000 zum Beispiel gilt in Kennerkreisen als exzellent.

Verglichen mit Bordeaux-Weinen sind aber selbst alte Vintage Ports großer Jahrgänge günstig. "Die Preise für Top-Portweine bewegen sich im dreistelligen Bereich, vierstellige Preise sind sehr selten", sagt Probst. Ein Port aus den 70er-Jahren und aus gutem Hause sei zwischen 100 und 130 Euro zu haben. Für einen Vintage Port von Taylor aus dem Jahr 1963 sollte man schon knapp 400 Euro rechnen, ein Graham Vintage Port von 1955 dürfte über 600 Euro kosten.

Beim Wertsteigerungspotenzial gehen die Meinungen auseinander. "Nur wenn potente Märkte wie Nordamerika und Asien eine Trendwende einleiten, würde dies zum signifikanten Anspringen des Marktes führen", sagt Unger. Das sehe er aber nicht. Probst gibt sich etwas optimistischer. Er glaubt, dass der stark Luxustrend in Asien früher oder später alte Ports erfassen werde. Und wenn nicht, bleibt immer noch die emotionale Rendite des Genusses eines alten Ports.