Spitzeneinkommen

Wall-Street-Banker verdienen mehr als je zuvor

Große US-Banken haben wieder Geld im Überfluss. Ihre Mitarbeiter bekommen Gehälter in Höhe von 135 Milliarden Dollar – ein Rekord.

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Die Banken an der Wall Street zahlen ihren Mitarbeitern so viel Geld wie nie zuvor. 135 Mrd. Dollar (98 Mrd. Euro) haben 25 große Institute laut einer Berechnung des „Wall Street Journal“ im vergangenen Jahr für Gehälter und Boni ausgegeben. Das entspricht einer Steigerung um knapp sechs Prozent – eine bemerkenswerte Summe angesichts der Tatsache, dass im Herbst vor zwei Jahren das weltweite Finanzsystem kurz vor dem Zusammenbruch stand. Grund für die Großzügigkeit ist ein weiteres Jahr mit Rekordgewinnen. 417 Mrd. Dollar (303 Mrd. Euro) haben die untersuchten Institute 2010 verdient. Das ist mehr als ganze Volkswirtschaften wie Schweden oder Österreich in einem Jahr erwirtschaften. Selbst 2007 – unmittelbar vor Ausbruch der Krise – waren es erst 351 Mrd. Dollar (255 Mrd. Euro). Doch da einige Konkurrenten verschwunden sind oder übernommen wurden, sind die Großen der Branche noch stärker geworden als zuvor.

Immerhin haben die Banken auf die Kritik reagiert, durch ihre Art der Vergütung zu der Finanzkrise beigetragen zu haben. Sie schütten daher einen geringeren Teil als früher direkt als Boni aus und haben stattdessen das Grundgehalt erhöht. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass die Aussicht auf kurzfristige Gewinne Banker dazu anstachelt, zu hohe Risiken einzugehen, die zusammengenommen das ganze System gefährden.

Für die Studie hat das „Wall Street Journal“ 25 Institute untersucht, die jeweils einen Börsenwert von mindestens einer Mrd. Dollar haben. Allerdings handelt es sich dabei nicht um die der Rangfolge nach größten Banken – von denen fehlt etwa ein Dutzend, da diese die entsprechenden Zahlen noch nicht vorgelegt haben. Die Studie ist dennoch aussagekräftig, denn die herangezogenen Banken repräsentieren 85 Prozent des Marktes.

Im Schnitt verdienten ihre Angestellten 141.000 Dollar (103.000 Euro) im Jahr. Das entspricht einem Plus von drei Prozent. Zwischen den Firmen bestehen teils deutliche Unterschiede. So hat Goldman Sachs seine Mitarbeiter 2010 mit durchschnittlich 431.000 Dollar erfreut. Bei Morgan Stanley waren es 257.000 Dollar.

Allerdings ist der Durchschnittswert nur begrenzt aussagekräftig, da auch innerhalb der Bank die Gehälter der Angestellten deutlich auseinanderklaffen. Während erfolgreiche Wertpapierhändler oder Spezialisten für Firmenzusammenschlüsse auf ein Jahresgehalt im Millionenbereich kommen können, müssen sich einfache Mitarbeiter von Geschäftsbanken in der Regel mit fünfstelligen Gehältern zufriedengeben.

Auch bei den Bankchefs ergibt sich kein einheitliches Bild. So kündigte Goldman Sachs an, dass sich das Grundgehalt ihres Chefs, Llyod Blankfein, in diesem Jahr auf zwei Mio. Dollar mehr als verdreifachen wird – obwohl Blankfein auch im vergangenen Jahr schon nicht gedarbt hat: Zusammen mit dem Bonus kam er 2010 auf einen Verdienst von 13,2 Mio. Dollar.

Bei der Citigroup wiederum schüttelt der Bankchef die Vergangenheit ab und lässt sich das Grundgehalt auf 1,75 Mio. Dollar aufstocken. 2009 hatte Vikram Pandit seinen Verdienst symbolisch auf einen Dollar gesenkt. Dies wollte er durchhalten bis die Citigroup wieder Gewinne schreibt, was im vergangenen Jahr der Fall war. Eine Ausnahme ist dagegen Brian Moynihan. Der Chef der Bank of America wird auch in diesem Jahr auf eine Gehaltssteigerung verzichten und wie 2010 ein Grundgehalt von 950.000 Dollar erhalten.