Rohöl

Ägypten-Krise treibt den Ölpreis über 100 Dollar

Der Konflikt am Nil schürt die Sorgen um Lieferengpässe, denn Rohöl aus dem Nahen Osten wird durch den Suez-Kanal verschifft.

Die Unruhen in Ägypten haben den Ölpreis erstmals seit fast zweieinhalb Jahren wieder über die Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter) getrieben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im März kostete am Morgen 100,62 US-Dollar. Das waren 39 Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg am Morgen um sechs Cent auf 92,25 Dollar.

Zuletzt hatte Öl im Oktober 2008 – kurz nach der Lehman-Pleite – mehr als 100 Dollar gekostet. Anleger sorgen sich, die Krise in Ägypten könnte den ganzen Nahen Osten in eine instabile Lage versetzen. Das würde Öllieferungen durch den strategisch wichtigen Suez-Kanal gefährden. Am Montag kam es indes nicht zu Verkehrsbeeinträchtigungen auf der Wasserstraße.

Ägypten selbst produziert zwar kein Öl, jedoch kontrolliert das Land die kürzeste Seeverbindung zwischen Europa und Asien - den 192 Kilometer langen Suez-Kanal. Über ihn läuft fast ein Zehntel des weltweiten Seehandels, darunter ein erheblicher Teil an Öllieferungen.

„Die fundamentale Nachfrage nach Öl ist weiterhin stark und politische Entwicklungen wie in Ägypten können leichte Preisrückgänge schnell umdrehen. Ich habe wenig Hoffnung auf grundsätzlich sinkende Ölpreise“, sagte der Chefredakteur des Energie-Fachdienstes EID, Rainer Wiek. Er erinnerte an die hohe Nachfrage aus China und anderen Ländern in Asien.

Schon vor der Ägypten-Krise hatte sich der Preis für Öl stetig verteuert. Im August hatte der Preis noch bei 70 Dollar gelegen. Experten haben den Anstieg mit der weltweiten wirtschaftlichen Erholung und der damit ansteigenden Nachfrage erklärt. Auf ein Rekord-Hoch wird der Preis nach Einschätzung von Analysten aber zunächst wohl nicht steigen: Im Juli 2008 hatte der Rohstoff 147 Dollar pro Barrel gekostet, bevor die Wirtschaftskrise die Nachfrage einbrechen ließ.

Der Generalsekretär der erdölexportierenden Länder (Opec), Abdullah al-Badri, kündigte für den Fall eines wirklichen Lieferengpasses eine Anhebung der Produktion an. Ein solcher Schritt wurde tendenziell den Preis drücken, weil es ein größeres Angebot gibt. Al-Badri betonte aber, er rechne nicht damit, dass die Unruhen die Öllieferungen durch den Suez-Kanal oder die Sumed-Pipeline beeinträchtigen würden.