China-Währung

Experte erwartet Übernacht-Aufwertung des Yuan

Star-Ökonom Nouriel Roubini ist überzeugt davon, dass China den Yuan in den nächsten zwölf Monaten um vier Prozent aufwerten wird. Den Anfang könnte eine zweiprozentige Übernacht-Aufwertung machen. Roubini gehört zu den wenigen Ökonomen, die die Finanzkrise korrekt vorhergesehen hatten.

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Jetzt schaltet sich auch Nouriel Roubini in die Diskussion um den Yuan ein. Nach Ansicht des amerikanischen Star-Ökonomen wird China seine Währung in den nächsten zwölf Monaten um maximal vier Prozent aufwerten. Grund für das vorsichtige Vorgehen Pekings seien die gedämpften Aussichten für die Weltwirtschaft. „Es wird weniger sein als 2005, als alles gut lief“, sagte der Wirtschaftsprofessor laut der Finanznachrichtenagentur Bloomberg in einem Interview. Roubini hatte in den vergangenen Jahren die Subprime-Krise korrekt vorhergesehen und auch die Schwere der darauffolgenden Rezession eher erkannt als andere.

Peking könne mit einer Übernacht-Aufwertung um zwei Prozent beginnen und den Kurs dann in den kommenden zwölf Monaten um weitere ein bis zwei Prozent steigen lassen, sagte Roubini. Der Professor der New York University gibt damit eine zurückhaltendere Prognose als andere Experten. Im Schnitt rechnen die von Bloomberg befragten Analysten mit einer Yuan-Aufwertung um fünf Prozent. Durch Devisenkontrollen und Interventionen hält das Reich der Mitte den seiner Währung seit Juni 2008 starr bei einem Kurs von 6,83 Dollar.

Befeuert wurden Spekulationen über eine Aufwertung des Yuan am Wochenende durch Äußerungen des chinesischen Zentralbankchefs Zhou Xiaochuan. Am Wochenende hatte der Gouverneur der People’s Bank of China am Rande der jährlichen Versammlung des Volkskongresses eine bevorstehende Flexibilisierung des Wechselkursregimes angedeutet.

Pekings Wechselkurs-Politik habe sich bewährt und zur Erholung nicht nur der chinesischen, sondern auch der globalen Wirtschaft beigetragen, sagte der Zentralbanker. Und fügte hinzu: „Es stellt sich aber früher oder später die Frage, wie man diese Politik wieder aufgibt.“ Den genauen Zeitpunkt einer Flexibilisierung ließ Zhou offen.

Europäische und amerikanische Politiker fordern seit langem, dass Peking den Yuan verteuert, um Handelsverzerrungen und ökonomische Ungleichgewichte in der Welt abzubauen. Zahlreiche Volkswirte glauben, dass die Volksrepublik den Kurs der Währung bewusst niedrig hält, um seinen Exporteuren damit Preis-Vorteile zu verschaffen. Allerdings tobt ein regelrechter Ökonomen-Streit darüber, wie stark die Unterbewertung tatsächlich ist.

Während die Forscher Niall Ferguson und Moritz Schularick auf Grund historischer Vergleiche argumentieren, dass der Yuan um bis zu 50 Prozent zu niedrig notiert, veranschlagen Experten der Investmentbank Credit Suisse die Unterbewertung auf 44 Prozent. Der Ökonom Helmut Reisen von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt dagegen, dass der Kurs des Yuan nur rund zehn Prozent unter dem fairen Wert liegt. Reisen stützt sich bei seiner Annahme auf den Balassa-Samuelson-Effekt, dem zufolge für die Währungen von Emerging Markets andere Maßstäbe gelten als für die entwickelter Volkswirtschaften.

China hatte den Yuan (der offiziell Renminbi oder „Volksgeld“ heißt) von 2005 bis 2008 zum Dollar um insgesamt 21 Prozent aufwerten lassen. Allerdings ging die damalige Verteuerung mit einer Schwäche des Dollar und einer starken Weltkonjunktur einher, sodass sich die Bremswirkungen auf die heimischen Ausfuhrunternehmen stark in Grenzen hielten. Vergangenes Jahr hat die Volksrepublik Deutschland als weltgrößter Exporteur abgelöst.

Peking befindet sich mit seiner Währungspolitik in einer Zwickmühle: Lässt es den Yuan relativ schnell aufwerten, belastet es nicht nur die chinesische Wettbewerbsfähigkeit. Eine Aufwertung könnte der Regierung innenpolitisch zudem als Schwäche ausgelegt werden, ausländischen Forderungen allzu willfährig nachzukommen. Stemmt es sich zu lange gegen eine Annäherung der Yuan an den fairen Wert, könnte die Inflation aus dem Land aus dem Ruder zu laufen. Schon jetzt befürchten Volkswirte, dass China sein Ziel, die Teuerung auf rund drei Prozent zu begrenzen, 2010 nicht wird erreichen zu können. Eine unterbewertete Landeswährung gilt als Katalysator für Preissteigerungen. Nach Einschätzung von Ökonomen könnte die Inflationsrate in China dieses Jahr bis auf 4,4 Prozent klettern.

Manchen Beobachtern zufolge zeugt das inzwischen bereits fast 20 Monate währende Einfrieren des Yuan-Kurses von der Furcht der chinesischen Regierung vor einem ernstem Test ihres wirtschaftspolitischen Kurses. „Ich sorge mich um ein ökonomisches Modell, das so sehr auf Exporten beruht“, sagte Roubini in dem Interview. Noch einen Schritt weiter geht Finanzmarktskeptiker Albert Edwards.

Der Chefstratege der französischen Société Générale rechnet damit, dass es 2010 oder 2011 vielmehr zu einer Abwertung des Yuan kommt. „Ein Rückfall Amerikas und Europas in die Rezession, ein Double-Dip, wird die Ausfuhrnation hart treffen“, schreibt Edwards in einer Studie. Die chinesische Führung könne sich daraufhin gezwungen sehen, die Landeswährung zu verbilligen.