Rohstoffbörse

Zucker wird zum lohnenden Investment

Investitionen in Rohstoffe können sich wieder lohnen. Vor allem Zucker ist interessant. Der Preis des Süßstoffes hat sich in einem Jahr verdoppelt und Experten halten einen weiteren Anstieg für möglich. Rohstoffe stehen aber nicht unendlich zur Verfügung. Am Terminmarkt lassen sich die Risiken mindern.

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Spätestens wenn die Gäste des Kaffeekränzchens beim Abschied die Zuckerdose mitgehen lassen, sollte man sich Gedanken machen. Derzeit gibt es dazu noch keinen Anlass, aber wenn die Entwicklung der vergangenen Wochen noch einige Zeit andauert, könnte der Süßstoff irgendwann so wertvoll sein, dass derartige Szenen kein Hirngespinst mehr zu sein brauchen.

Denn der Zuckerpreis steigt und steigt. An der US-Terminbörse ICE notiert das US-Pfund (454 Gramm) bei 28 Cent. Vor einem Jahr kostete es weniger als die Hälfte, Mitte 2008 lag der Preis sogar noch unter zehn Cent. Und während alle anderen Rohstoffe in den vergangenen zwei Wochen deutlich nachgaben – parallel zu den Aktiennotierungen – ging die Rallye bei Zucker weiter. Am Montag war der Preis sogar kurzzeitig über 30 Cent gestiegen – der höchste Stand seit 29 Jahren.

Und vieles spricht dafür, dass es noch weiter geht. "Wir sehen für den Zuckerpreis weiter Aufwärtspotenzial", sagt Eugen Weinberg, Rohstoff-Experte der Commerzbank. Ein Grund sind die niedrigen Lagerbestände. Weltweit reichen die Vorräte nur noch neun Wochen. Das ist sogar weniger als zu Beginn der Siebziger Jahre, als der Zuckerpreis sich schon einmal binnen weniger Monate vervielfachte.

Hinzu kommen schlechte Ernten, verursacht durch andauernde Regenfälle im Hauptexportland Brasilien. In der Hauptanbauregion Center South lag die Produktion in der ersten Dezemberhälfte 25 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Indien, ehemals zweigrößter Exporteur muss in diesem Jahr sogar Zucker importieren und auch China scheint den Bedarf nicht mehr aus eigener Kraft decken zu können.

Weinberg kann sich daher sogar vorstellen, dass der Preis über 40 Cent steigt, ähnlich wie 1980. Dieses Niveau ergibt sich auch, wenn man die beiden Zucker-Rallyes von 1973/74 und 1978/80 zum Maßstab nimmt. Damals erhöhte sich der Zuckerpreis vom Tiefpunkt bis zur Spitze um das 7,3-fache. Der Anfangskurs der jetzigen Preisexplosion lag bei 5,4 Cent, insofern wäre diesmal der Höhepunkt knapp unter 40 Cent erreicht.

Um davon zu profitieren, muss niemand Zuckerdosen stehlen oder den Süßstoff im Keller einlagern. Es gibt diverse Papiere, über die Anleger auf einen Preisanstieg setzen können, beispielsweise von ETF Securities (WKN: A0KRJ8). Die gehebelte Version (A0V9J8) verdoppelt Gewinne, allerdings auch etwaige Verluste. Aber auch für Pessimisten gibt es Papiere, die auf fallende Kurse setzen (z.B. A0V9X9).

Der Charme einer Spekulation auf weiter steigende Preise liegt derzeit jedoch auch in der besonderen Lage am Terminmarkt für Zucker. Anders als beispielsweise Aktien können Anleger in Rohstoffe nicht endlos investieren, da an den Märkten ja Waren gehandelt werden, die irgendwann ausgeliefert werden. Diese Kontrakte haben stets einen festen Fälligkeitstermin. Damit man nicht Tonnen von Zucker real geliefert bekommt, müssen die Kontrakte kurz vor Fälligkeit verkauft und ein neuer, weiter in der Zukunft fälliger gekauft werden - der Kontrakt wird "rolliert".

Normalerweise sind Kontrakte mit späterer Fälligkeit jedoch teurer, da man an normalen Märkten von stetig steigenden Preisen ausgeht. Dies wiederum führt dazu, dass durch das Rollieren Verluste entstehen. Bei Zucker sieht es derzeit jedoch anders aus. Hier sind spätere Kontrakte derzeit deutlich günstiger, und dies führt aufgrund des Rollierens zu zusätzlichen Gewinnen. So konnten Anleger im Januar bei Zucker zwölf Prozent Gewinn mitnehmen - sechs Prozent aufgrund der Preissteigerung und weitere sechs Prozent durch das Rollieren.

Und: "Sollte sich der Zuckerpreis in den nächsten zwölf Monaten nicht verändern, würde ein Anleger einen Gewinn von 30 Prozent einstreichen", sagt Frank Schallenberger, Rohstoff-Experte der LBBW. Allein durch das Rollieren. Allerdings: Eugen Weinberg erwartet im zweiten Halbjahr einen scharfen Preiseinbruch, bis auf 20 Cent. Dann helfen auch Rollgewinne nichts mehr. Investitionen in Zucker sind daher in jedem Fall mit hohem Risiko verbunden - genau wie der Diebstahl vom Kaffeetisch.