Bankenaufsicht

Veröffentlichung der Stresstests genügt nicht

Die europäische Finanzkrise zeigt, dass allein ein Stresstest für Banken keine ausreichende Kontrolle bedeuten würde.

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Rache ist süß. Dass auch Spanier dieses Gefühl kennen, bekommen deutsche Banken nun zu spüren. Tagelang hatten hiesige Zeitungen über die schlechte Lage spanischer Geldhäuser berichtet und daraus den Schluss gezogen, dass die Regierung in Madrid den Kreditinstituten bald mit Mitteln aus dem Euro-Rettungspaket unter die Arme greifen müsse. Angesichts dieser Spekulationen geriet Spanien am Kapitalmarkt unter Druck.

Es dauerte nicht lange, da hatte die spanische Notenbank eine Antwort auf diese Verdächtigungen gefunden: Sie will die Ergebnisse jener Stresstests veröffentlichen, denen sich europäische Banken gerade unterzogen haben. Damit war klar, dass das Ergebnis für die Spanier gar nicht so schlecht sein konnte.

Die Frage ist nur, ob das auch für Deutschlands Geldhäuser gilt? Naturgemäß setzt Spaniens Ankündigung andere Teilnehmer der Tests unter Druck, ähnliche Einblicke in ihre Finanzlage zu gewähren. Dass deutsche Kreditinstitute sich bis gestern Mittag heftig dagegen wehrten, machte sie nur verdächtig. Denn damit schien klar zu sein, dass einige Geldhäuser die Tests nicht eben souverän bestanden haben. Schon ohne die europäische Untersuchung war bekannt, dass eine Reihe deutscher Banken nur unzureichend für eine neuerliche Krise gerüstet sind.

Um diese Nöte weiß man auch in Madrid. Dass Deutschlands Banken – angetrieben von der Bundespolitik – gestern Nachmittag ihren Kurs dann um 180 Grad geändert haben, zeigt nur, wie sehr die Branche durch Spaniens Vorpreschen unter Zugzwang geraten ist.

Sieht man aber einmal von diesen nationalen Animositäten ab, lässt sich eines bereits vorhersagen: Die Stresstests werden die Unsicherheit an den Kapitalmärkten nicht beseitigen. Dafür gibt es gleich zwei Gründe: Erstens ist der jüngste Wertverfall europäischer Staatsanleihen, der mit der Griechenland-Krise im Frühjahr an Fahrt gewann, in den Stabilitätsuntersuchungen noch nicht abgefragt worden. Die Folgen für die Bank-Portfolios spiegeln sich in den Test-Ergebnissen also nicht wider.

Zweitens haben gerade einmal jene rund 25 Banken an den Studien teilgenommen, die in Europa als systemrelevant gelten. Spaniens Sparkassen gehören genauso wenig dazu wie der Großteil Deutschlands seit langem maroder Landesbanken.

Trotzdem können beide Institutsgruppen angesichts ihrer großen Anzahl das gesamte Finanzsystem in eine bedrohliche Schieflage bringen. Wenn die Investoren an den Kapitalmärkten endlich wieder glauben sollen, dass von den Banken keine Bedrohung für die Stabilität europäischer Staaten ausgeht, muss die Transparenz deshalb weit über die wenigen bereits getesteten Institute hinausgehen. Mehr als ein erster Schritt wäre die Veröffentlichung der Stresstests daher nicht.