Devisen

Euro gewinnt Vertrauen, Zweifel am Dollar steigen

Die europäische Gemeinschaftswährung hat die 1,30-Marke genommen. Gleichzeitig wird der Dollar nicht mehr als "sicherer Hafen" wahrgenommen.

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Deutsche Urlauber wird es freuen, deutsche Exporteure weniger: Der Euro befindet sich wieder im Aufwind. Die europäische Gemeinschaftswährung notierte am Dienstag an den Devisenmärken über 1,30 Dollar. Die Kaufkraft deutscher Touristen in den USA und anderen Ländern des Dollar-Raums hat sich binnen sechs Wochen um fast neun Prozent erhöht.

Noch Anfang Juni war das europäische Geld für unter 1,20 Dollar gehandelt worden. Die wiedergefundene Stärke des Euro rührt von zwei Seiten: Zum einen gewinnen die Akteure Vertrauen zurück, dass die Europäer ihre Schuldenprobleme unter Kontrolle bekommen. Zum anderen wachsen die Zweifel an der Solidität des Dollar.

Bei der am Freitag anstehenden Veröffentlichung des europäischen Banken-Stresstests erwarten die Marktteilnehmer keine negativen Überraschungen mehr. „Dies und der augenscheinliche Erfolg des Rettungsschirms bedeuten eine Festigung des Euro um vielleicht zwölf Cent“, sagt Robin Brooks, Analyst bei Goldman Sachs.

In den vergangenen Tagen ist es mehreren hoch verschuldeten Staaten der Währungsunion gelungen, Staatsanleihen am Kapitalmarkt unterzubringen. Wichtig war vor allem die spanische Emission: Das Königreich konnte zu Wochenbeginn 18-Monats-Anleihen zu einer Rendite von 2,3 Prozent platzieren. Im Juni lag die Durchschnittsrendite noch bei 2,8 Prozent. Insgesamt nahm Madrid knapp sechs Mrd. Euro auf.

Doch es ist nicht nur die schwindende Angst vor einem Kollaps der Eurozone, die die Einheitswährung steigen lässt. Gleichzeitig wird der Dollar nicht mehr als „sicherer Hafen“ wahrgenommen.

In den USA enttäuschten mehrere Konjunkturindikatoren, darunter die Arbeitsmarktdaten und Berichte vom Immobilienmarkt. Damit verdichten sich die Hinweise darauf, dass die US-Wirtschaft längst nicht so dynamisch wächst wie noch vor wenigen Monaten erwartet. Innerhalb der US-Notenbank Fed mehren sich die Stimmen, die zum erneuten Aufkauf von Staatsanleihen drängen. Diese quantitative Lockerung soll die Konjunktur stützen, schwächt aber die Währung. Die EZB hingegen hat ihre am 10. Mai begonnen Käufe europäischer Schuldtitel zuletzt ganz eingestellt.