Gedlanlage

Erster Fonds zum Mitmachen geht an den Start

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Karsten Seibel

Anleger bestimmen, welche Aktien für den Fonds gekauft werden. Den besten Tippgebern winken Prämien. Favorit unter den Anlegern ist China Mobile.

„Ich möchte gerne das Publikum befragen“, ist oft die Antwort auf die Frage nach dem Joker. Seit mehr als zehn Jahren gleichen Kandidaten ihre eigenen Wissenslücken bei „Wer wird Millionär“ mit der Intelligenz der Masse aus. Sie wissen, dass diese sich nur selten irrt. Das Phänomen will nun auch Michael Thaler nutzen. Der 29-Jährige hat den ersten Mitmach-Fonds an den Start gebracht. Seit dem gestrigen Tag bestimmt nicht ein einzelner Fondsmanager, sondern alle Anleger gemeinsam, welche Aktien gekauft und welche verkauft werden.

Thaler ist Sohn des Gründers der Top Vermögen AG, einem unabhängigen Vermögensverwalter aus Starnberg. Dort wird der in Luxemburg von der Axxion KAG aufgelegte Fonds mit dem offiziellen Namen „Multi-Structure Investtor Aktien Global“ (WKN A1CVE2) betrieben.

Grundlage ist eine Liste mit 200 großen, weltweit bekannten Unternehmen, die von den Vermögensverwaltern zusammengestellt wurde. Daraus können Anleger auf der Plattformihre Favoriten küren. Benutzernamen und Passwort erhält jeder, der mindestens 80 Fondsanteile im Wert von zusammen rund 4000 Euro kauft.

Wie kommt nun eine Aktie in den Fonds? Jeder Kunde empfiehlt einzelne Titel zum Kauf oder Verkauf. „Dadurch, dass die Anleger selbst entscheiden können, für welche Aktien sie eine Stimme abgeben wollen, erwarten wir eine positive Selbstselektion“, sagt Thaler. Er geht davon aus, dass nur diejenigen eine bestimmte Aktie bewerten, die auch wirklich eine Meinung dazu haben. Damit sich die Teilnehmer nicht gegenseitig beeinflussen ist das ganze nicht als Diskussionsforum angelegt. Jeder stimmt für sich ab. „In offenen Foren bilden sich immer gewisse Autoritäten heraus, die die Meinung bestimmen. Das kann nicht in unserem Interesse sein“, so Thaler.

Wie viele Aktien eines Unternehmens gekauft oder verkauft werden, liegt ebenfalls in den Händen der Anleger. Jeder kann zu jeder Aktie vierteljährlich sein Kursziel abgeben. Je höher der Durchschnittswert vom aktuellen Niveau entfernt ist, desto höher wird die Aktie gewichtet. Die vermeintlich chancenreichsten Aktien haben am Ende einen Anteil von vier Prozent am Portfolio. Die Mindestquote liegt bei einem Prozent. Der Fonds besteht so immer aus rund 40 Aktien.

Am ersten Tag des Fonds waren es 37. Das größte Gewicht hatte dabei der asiatische Telekommunikationskonzern China Mobile, vor der Deutschen Telekom und Bilfinger+Berger. Auch Bayer, K+S, die norwegische Statoil und Nokia finden sich weit oben. Die ersten Titel sind gekauft, in den nächsten zwei Wochen soll die Liste weitgehend abgearbeitet sein. Rund 1,2 Millionen Euro von 30 Anfangsinvestoren stehen bereit. Ob immer das gesamte Geld in Aktien investiert wird, hängt auch davon ab, wie das Votum der Anleger zur Investitionsquote ausfällt. 100 Prozent Aktien, 80 Prozent, 60 Prozent – auch darüber wird regelmäßig abgestimmt.

Bis Jahresende will Thaler 2000 Anleger haben, im Herbst nächsten Jahres sollen es 4000 sein. „Wir werden mit Investmentclubs, Direktbanken wie der DAB Bank und Internetplattformen, etwa der Fidor Bank, kooperieren.“ Ab einem Volumen von zehn Millionen Euro rechne sich das Produkt. Noch ist der Fonds nicht in Deutschland für den öffentlichen Vertrieb zugelassen. Die Genehmigung erwartet Thaler in der kommenden Woche.

Gebühren fallen natürlich an: Die Vertriebspartner können lauft Prospekt einen Ausgabeaufschlag von einem Prozent verlangen. Hinzu kommt eine jährliche Verwaltungsvergütung von zunächst einem Prozent – diese kann sich bis auf 1,25 Prozent erhöhen. Besonderheit: Von der Verwaltungsgebühr gehen laut Thaler 0,3 Prozentpunkte an die Kunden zurück – nicht an alle, an die besten Tippgeber. Für die Top drei sind 500 Euro ausgelobt, für die besten fünf Prozent der Kunden je 100 Euro.

Ob der Mitmachfonds so gut funktioniert wie der Publikumsjoker bei „Wer wird Millionär“, ist die Frage. Eine Antwort ist frühestens in einem Jahr zu erwarten. Bislang gibt es über die Intelligenz der Anlegermasse kaum Erkenntnisse.