Rohstoffe

Banken setzen auf schnelle Kurserholung bei Platin

Die Notierungen von Silber und Platin verloren vergangene Woche rund 15 Prozent. Bei Platin dürfte das bald anders werden.

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Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Während das gelbe Edelmetall seinem Ruf als Stabilitätsanker in unruhigen Zeiten alle Ehre macht und in Reaktion auf die allgemeine Verunsicherung neue Rekordstände erreichte, haben die Preise der anderen Edelmetalle in den vergangenen Wochen zum Teil dramatisch an Wert verloren. Die Kurse von Silber und Platin stürzten im Mai um beinahe 15 Prozent ab. Palladium brach seit Ende April zwischenzeitlich um beinahe 30 Prozent ein.

Damit zeigt sich einmal mehr, dass die Entwicklung der Edelmetalle keinen einheitlichen Regeln folgt. Denn anders als bei Gold spielt bei Silber, Palladium und Platin auch deren industrielle Nutzung eine entscheidende Rolle für die Preisbildung. "Mit Platin oder Palladium setzen Anleger auch auf eine Erholung des weltweiten Automobilmarkts", erklärt Dominik Auricht von der HypoVereinsbank. Tatsächlich stammt beinahe die Hälfte der weltweiten Nachfrage für die beiden Metalle aus der Automobilindustrie, die sie vor allem bei der Fertigung von Katalysatoren in Dieselmotoren benötigt.

Die in den vergangenen Wochen neu entfachten Konjunktursorgen können den deutlichen Wertverfall, der insbesondere Platin und Palladium traf, trotzdem nur zum Teil erklären. Mindestens ebenso wichtig ist die zunehmende Bedeutung reiner Finanzinvestoren. Deren Einfluss hat in den letzten Monaten deutlich zugenommen, nachdem in den USA zu Jahresbeginn erste ETF mit physischer Hinterlegung aufgelegt wurden. Beide Fonds verzeichneten in kurzer Zeit starke Mittelzuflüsse und absorbierten aufgrund der physischen Deckung einen beträchtlichen Anteil der weltweiten Minenproduktion.

Nach Schätzungen der Commerzbank sind allein in dem amerikanischen Platin-Fonds knapp sechs Prozent der weltweiten Jahresnachfrage gebündelt. Bei Palladium sind es sogar mehr als zehn Prozent. Damit hat allein der in den USA angebotene Palladium-ETF seit Auflegung im Januar mehr als eine Monatsproduktion zur Abdeckung der Anteile aufgekauft.

Eine der Folgen dieses verstärkten Investmentinteresses ist, dass sich die Preisentwicklung mehr und mehr von den fundamentalen Rahmendaten abkoppelt und die Kurse stärkeren, zum Teil erratischen Schwankungen unterliegen. Wie das in der Praxis aussehen kann, haben die vergangenen Wochen eindrucksvoll aufgezeigt. Inzwischen keimt aber speziell bei Platin neue Hoffnung auf eine ebenso imposante Erholung. Hintergrund der Spekulation sind die in zwei Wochen beginnende Fußball-Weltmeisterschaft und die im Zusammenhang mit dem Großereignis erwarteten Engpässe bei der Stromversorgung.

Schon in normalen Zeiten ohne WM reichen die Kapazitäten nach Aussage von Analysten kaum aus, um den wachsenden Energiebedarf des Landes zu decken. Und dies könnte sich in den kommenden Wochen weiter verschärfen. "Da sich das Land vor der Welt nicht blamieren möchte, wird die verfügbare Energie in die Austragungsorte der Veranstaltung umgeleitet werden", vermuten die Analysten der Commerzbank.

Folge könnte sein, dass die Versorgung der Minenregionen leidet und es zu Produktionsausfällen oder gar Schließungen einzelner Abbaustätten kommen könnte. Und dies wiederum könne dann auch schnell auf den Weltmarkt durchschlagen, da beinahe 80 Prozent der weltweiten Platin-Produktion aus Südafrika stammen.

Anlegern, die sich an dieser Spekulation beteiligen wollen, stehen dafür verschiedene Instrumente zur Verfügung. Eine direkte Beteiligung ermöglichen beispielsweise die auch in Deutschland erhältlichen ETP-Papiere (Exchange Traded Products) mit physisch hinterlegten Metallbeständen zur Absicherung der Position. Anbieter ist wie in den USA der Rohstoffspezialist ETF Securities, dessen Platin-Fonds auch im Xetra-System der Frankfurter Börse gehandelt wird (WKN: A0N62D).

Außerdem bietet ETFS auch ein jeweils auf Tagesbasis mit dem Faktor zwei gehebeltes Papier auf den DJ-UBS Platinum-Index (WKN: A0V9ZC) an. Diese sogenannten Leveraged-Papiere sind allerdings gerade bei längeren Anlagezeiträumen nicht unproblematisch. Denn durch die tägliche Anpassung des Hebels können zuvor erzielte Gewinne bei einer nachfolgenden Korrektur schnell zunichtegemacht und sogar ins Gegenteil verkehrt werden.

Als Alternative zu den ETP stehen Anlegern aber auch herkömmliche Zertifikate zur Verfügung. Sie werden in der Regel ohne Managementgebühren angeboten und können bei Direktbanken oft auch weit über die Börsenzeiten hinaus gehandelt werden (WKNs: 104207, GS0HH1). Zudem bieten einige Anbieter auch Platin-Zertifikate mit einer eingebauten Währungssicherung an, sodass Wechselkursverschiebungen zwischen dem Euro und der Metallhandelswährung Dollar neutralisiert werden.

Sinnvoll ist die Wahl solcher "Quanto"-Zertifikate, wenn mit einem Anstieg des Euro gerechnet wird (WKN: HV5B66). Als dritte Anlagealternative stehen die klassischen Hebelpapiere zur Verfügung. Vorteil ist hier, dass der Ausgangspunkt konstant bleibt. Nach anfänglichen Gewinnen nimmt die Hebelwirkung damit sukzessive ab, sodass sich eine spätere Korrektur weniger stark auf den Preis auswirken würde als etwaige zu Beginn gemachte Gewinne.

Fazit: In der modernen Börsenwelt sind auch Edelmetalle nicht mehr automatisch ein Hort der Sicherheit. Das heißt aber nicht, dass mit ihnen kein Geld zu verdienen ist. Allerdings sollten Anleger auch hier sehr genau abwägen, worauf und für welchen Zeitraum sie spekulieren wollen.