Bundesverband

Wohnungswirtschaft kritisiert Sonderwege der Regierung

Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) hat die Wohnungsbaupolitik der Bundesregierung kritisiert.

Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) hat die Wohnungsbaupolitik der Bundesregierung kritisiert.

Foto: Monika Skolimowska/dpa

Ob Energiekrise, Wohnungsbau oder Gebäudesanierung: Aus Sicht der deutschen Wohnungswirtschaft hat die Bundesregierung derzeit keines dieser Themen im Griff. Bauministerin Geywitz räumt Nachholbedarf ein.

Berlin. Zu wenig, zu spät, zu kompliziert: Mit dem Agieren der Bundesregierung in der Energiekrise ist die deutsche Wohnungswirtschaft alles andere als zufrieden. „Die Preise für Gas und Fernwärme steigen derzeit spielend um 500 bis 600 Prozent, in der Spitze um 1020 Prozent“, sagte Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), auf der Verbandstagung „Tag der Wohnungswirtschaft“ am Dienstag in Berlin. „Viele Haushalte sind heillos überfordert. Mieter sitzen weinend in den Beratungsstunden.“

Doch anstatt schon lange vorliegende Vorschläge wie die kürzlich beschlossene Gas- und Strompreisbremse frühzeitig anzugehen, habe die Regierung zunächst mit der Gasumlage sogar eine Mehrbelastung der Verbraucherinnen und Verbraucher geplant. Gedaschko nannte solche Vorhaben „irre Sonderwege“. Die Ergebnisse einer Expertenkommission, die im Auftrag der Bundesregierung Vorschläge erarbeitet hatte, würden „zerredet“.

Das Neubauziel von 400.000 Wohnungen ist utopisch

Ein Hin und Her gebe es auch bei den Themen Neubauförderung, energetische Sanierung und sozialer Wohnungsbau. Fachkräftemangel, Materialknappheit, hohe Zinsen und Baukosten machten etwa die Ziele der Bundesregierung mit Blick auf Neubau und Bestandssanierungen nahezu unerreichbar. „Und dennoch gießt die Regierung noch ein, zwei Kännchen Öl ins Feuer.“ Gedaschko verwies etwa auf die erst ausgesetzte und dann wieder aufgenommene KfW-Förderung für energieeffizientes Sanieren und die Verschärfung energetischer Standards.

Bauministerin Klara Geywitz (SPD) räumte mit Blick auf den Wohnungsbausektor dringenden Nachholbedarf ein. Die Branche sei selbst unter guten Rahmenbedingungen nicht in der Lage gewesen, auch nur annähernd das derzeitige Neubauziel von 400.000 Wohnungen pro Jahr zu schaffen. Durch jahrelange politische Vernachlässigung der Vorgängerregierungen fehle es an Bauforschung, Digitalisierung und am Ende an Produktivität. „Das müssen wir ändern“, betonte Geywitz. „Dann haben wir auch die Situation, wo wir gute Rahmenbedingungen haben, für die Kapazität, so viel zu bauen.“

Geywitz plädierte erneut für das serielle Bauen mit vorgefertigten Modulen. Mit Blick auf die Technik der Wärmewende sei zudem zu sehr auf die Frage der ausreichenden Dämmung abgestellt worden. Dieser technische Ansatz komme nun an seine Grenzen, sagte Geywitz. „Gebäude sind sehr komplex, und deshalb brauchen wir auch bei der Umsetzung des GEG auf jeden Fall eine Technologieoffenheit.“ Das Gebäudeenergieenergiegesetz (GEG) enthält Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden.

( © dpa-infocom, dpa:221115-99-532466/3 (dpa) )