Lohnentwicklung

Inflation: So stark sind die Reallöhne seit 2000 gestiegen

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Tobias Kisling
Rente: Das bleibt am Monatsende übrig

Rente- Das bleibt am Monatsende übrig

Wie beim Lohn gibt es auch bei der Rente Brutto- und Nettowerte. Das bedeutet: Auch bei der Rente gibt es Abzüge. Eine Übersicht, was am Ende des Monats von der Rente übrig bleibt.

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Zwölf Jahre lang stiegen die Löhne stärker als die Inflation. Nun kehrt der Trend um. Die Linksfraktion fordert eine „Lohnoffensive“.

Berlin. Lebenshaltungskosten verteuern sich derzeit in einer Geschwindigkeit, die viele so noch nicht erlebt haben. In Deutschland lag die Inflationsrate nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes bei 7,9 Prozent – es ist der stärkste Anstieg seit 48 Jahren, als im Zuge der Ölkrise die Teuerungsrate hierzulande die Acht-Prozent-Marke erreichte.

Nach Daten des europäischen Statistikbehörde Eurostat, die die Inflationsrate allerdings etwas anders berechnet als das Statistische Bundesamt, lag die Inflation in Deutschland im Mai sogar bei 8,7 Prozent. Im Euroraum stiegen die Verbraucherpreise im Mai um 8,1 Prozent – ein Rekord. Dabei wollen viele Firmen höhere Kosten erst noch weitergeben.

Inflation: Verbraucher haben weniger in der Tasche

Würden die Verbraucher die steigenden Kosten ausgleichen wollen, müssten ihre Löhne und Renten im selben Tempo mitsteigen – das tun sie aber nicht. In den ersten drei Monaten des Jahres gingen die Reallöhne, also die Löhne unter Berücksichtigung der Inflationsrate, um 1,8 Prozent zurück.

Unter dem Strich haben die Verbraucherinnen und Verbraucher weniger Geld im Portemonnaie, ihre Kaufkraft sinkt. Schon im vergangenen Jahr hatte die Inflation die Lohnerhöhung aufgefressen, die Reallöhne waren um 0,1 Prozent zurückgegangen.

Inflation: Nettolöhne stiegen zwölf Jahre lang

Die Corona-Pandemie hat damit einen Trend umgekehrt. Zwölf Jahre lang stiegen die Nettogehälter unter Berücksichtigung der Inflation, wie aus einer Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes im Auftrag der Linken-Fraktion im Bundestag hervorgeht. Die Auswertung liegt unserer Redaktion vor. Von 2009 bis 2020 stiegen die preisbereinigten Nettolöhne. Seit dem Jahr 2000 sind die Gehälter für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer den Daten zufolge um 2729 Euro netto gestiegen.

Preisbereinigt, also in Relation zur Entwicklung der Verbraucherpreise gesetzt, stieg das durchschnittliche Bruttogehalt von 31.437 Euro im Jahr 2000 auf 35.233 Euro im Jahr 2021 an. Netto blieben davon 23.864 Euro übrig – 21 Jahre zuvor waren es noch 21.135 Euro gewesen. Das verfügbare private Haushaltseinkommen ist in dem Zeitraum um 2533 Euro gestiegen. Der durchschnittliche Netto-Stundenlohn erhöhte sich demnach von 15,33 Euro im Jahr 2000 auf 18,17 Euro im Jahr 2021.

Linksfraktionschef Bartsch fordert „Lohnoffensive“

Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, hält mit Blick auf die Daten die Entwicklung der Löhne für zu niedrig. „Der Aufschwung ist zu wenig bei denen angekommen, die ihn vornehmlich erarbeitet haben“, sagte Bartsch unserer Redaktion.

Bartsch forderte eine „Lohnoffensive“: „Angesichts der aktuellen Rekordinflation droht das kleine reale Lohnplus, das Arbeitnehmer mehr im Portemonnaie haben als vor 21 Jahren, auch noch wegzuschmelzen. Das darf nicht passieren.“ Ökonomen hingegen warnen bereits vor einer Lohn-Preis-Spirale, die die Inflation weiter anheizen könnte.