Statistik

Löhne in Berlin steigen deutlich an

| Lesedauer: 4 Minuten
In Berlin stiegen die Reallöhne so stark an wie seit Beginn der Pandemie nicht mehr.

In Berlin stiegen die Reallöhne so stark an wie seit Beginn der Pandemie nicht mehr.

Foto: Andrea Warnecke / dpa-tmn

Berlin verzeichnet das höchste Reallohnplus seit Corona. Der DGB befürchtet dennoch einen Kaufkraftverlust für Beschäftigte.

Berlin. Nachdem die Gehälter in der deutschen Hauptstadt im ersten Quartal sogar gesunken waren, hatten Beschäftigte in Berlin Ende Juni wieder mehr Geld in der Tasche. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Berechnung des Amts für Statistik hervor. Demnach fiel der Reallohnanstieg in Berlin im zweiten Quartal – also zwischen Anfang März und Ende Juni – so deutlich aus wie seit Beginn der Coronavirus-Pandemie nicht mehr.

Der Statistik zufolge stiegen die Reallöhne in dem Zeitraum gegenüber dem Vorjahresquartal in Berlin um 3,3 Prozent und in Brandenburg um 1,9 Prozent. Im ersten Quartal waren die Reallöhne verglichen mit dem jeweiligen Vorjahreszeitraum in beiden Bundesländern noch leicht gesunken: In Berlin um 0,1 Prozent und in Brandenburg um 1,7 Prozent.

Der Bruttomonatsverdienst lag in Berlin Ende Juni bei 3770 Euro. Vollzeitbeschäftigte kamen auf 4634 brutto im Monat, bei Teilzeitkräften lag der Verdienst bei 2.538 Euro. Männer verdienten 4233, bei Frauen lag das Bruttomonatsgehalt bei 3299 Euro und damit deutlich darunter.

Der Reallohn umfasst das Entgelt für geleistete Arbeit unter Berücksichtigung der Inflationsrate und ist somit ein Maßstab für die Kaufkraft der Löhne und Gehälter. Nominal waren die Gehälter in Berlin und Brandenburg im zweiten Quartal sogar noch deutlicher angewachsen – um 5,3 Prozent in der Hauptstadt und um 4,2 Prozent in dem Nachbarbundesland.

DGB: Lohnsteigerungen können Preisanstieg wohl nicht komplett auffangen

Doch gleichzeitig zogen seit Jahresbeginn auch die Verbraucherpreise deutlich an. Allein für den Monat September meldete das Amt für Statistik zuletzt einen Preisanstieg von 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die zur Zeit hohen Inflationsraten führen Experten auch auf die temporäre Mehrwertsteuersenkung 2020 und das damals niedrige Preisniveau bei Mineralölprodukten zurück.

Arbeitnehmervertreter rechnen damit, dass die Lohnsteigerungen den Preisanstieg in diesem Jahr nicht komplett auffangen werden – unter dem Strich dürften Beschäftigte in Berlin also weniger Geld in der Tasche haben. Aktuell verzerre die sehr besondere Entwicklung unter der Pandemie noch das Bild, sagte am Montag der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Berlin und Brandenburg, Christian Hoßbach. „Wir rechnen mit bis zu drei Prozent Inflation für das Gesamtjahr, was deutlich über den zuletzt gewohnten Werten liegt. Die Tariflöhne hingegen steigen dieses Jahr vermutlich um etwa zwei Prozent. Das bedeutet zusammengenommen natürlich Kaufkraftverlust und einen Dämpfer für die Konsumnachfrage“, sagte Hoßbach. Er forderte, dass diese Entwicklung auch bei den anstehenden Tarifrunden mit den Arbeitgebern eine Rolle spielen müsse.

UVB will mehr bezahlbaren Wohnraum, DGB Regulierung bei Mieten und Energiepreisen

Von den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg (UVB) hieß es, der deutliche Lohnanstieg sei vor allem auf den Abbau der Kurzarbeit zurückzuführen. „Mit dem Abklingen der Pandemie kehren viele Firmen zur normalen Beschäftigungslage zurück. Auf dem Corona-Höhepunkt war schließlich jeder sechste Beschäftigte in Berlin und jeder siebte in Brandenburg von Kurzarbeit betroffen“, erklärte UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck. Mit Blick auf das Werben um Fachkräfte sagte er weiter, Unternehmen würden ständig daran arbeiten, interessant für Beschäftigte aus dem In- und Ausland zu bleiben – mit sicheren Arbeitsplätzen und einer attraktiven Bezahlung. Aber auch die Politik müsse helfen, den Standort besser zu machen. Hohe Mietpreise schreckten Arbeitnehmer ab. Nötig sei deshalb eine Strategie für mehr bezahlbaren Wohnraum, so Amsinck.

Auch der DGB forderte mit Blick auf die Inflation mehr Anstrengungen der Politik, regulierenden Einfluss bei Mieten und Energiepreisen zu nehmen. „Eine nächste Bundesregierung muss hier für beide Felder schnell zu preisbremsenden Maßnahmen kommen, sonst sprengt die Preisentwicklung in diesen Bereichen viele private Haushaltskassen“, sagte Christian Hoßbach.