Finanzen

Grüne Geldanlage oder Schummelei? Was Anleger wissen müssen

| Lesedauer: 4 Minuten
Wolfgang Mulke
Was ist ein ETF-Sparplan?

Was ist ein ETF-Sparplan?

So funktionieren ETF-Sparpläne und darauf sollte geachtet werden.

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Viele wollen ihr Geld umweltfreundlich anlegen. Doch nicht alle Angebote sind wirklich grün. Wie Anleger jetzt geschützt werden sollen.

Berlin. Der Markt für nachhaltige Aktienfonds oder grüne Anleihen wächst rasant. 335 Milliarden Euro investierten private oder professionelle Anleger 2020 darin, ein Plus von 25 Prozent innerhalb eines Jahres, wie aus dem Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) hervorgeht. Experten gehen von einem anhaltenden Wachstum aus. Ein Wunder ist das nicht. Die Wirtschaft benötigt viel Geld für Investitionen in den Klimaschutz. Auch wollen viele Anleger lieber saubere Geschäfte finanzieren als Unternehmen, die die Umwelt zerstören oder Rüstungsgüter herstellen.

Die grüne Welle am Finanzmarkt hat aber eine Schattenseite, die die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) auf den Plan ruft. Da mit nachhaltigen Anlagen viel Geld zu verdienen ist, schmücken Anbieter wie Fonds gern mit dem Begriff ihre Werbung und versprechen dabei zu viel.

Greenwashing: Bafin sagt Mogelpackungen Kampf an

So ist die Deutsche-Bank-Tochter DWS Group, einer der weltweit führenden Vermögensverwalter, ins Visier der US-Börsenaufsicht geraten, da sie ihr Vermögen, das in nachhaltige Anlagen investiert wurde, eventuell als zu hoch angegeben hat. Auch die Bafin soll gegen DWS Untersuchungen eingeleitet haben. Die DWS-Aktie sackte daraufhin ab.

Als Greenwashing, „grün waschen“, werden derlei Schummeleien bezeichnet. Die Bafin sagt diesen Mogelpackungen nun den Kampf an. In einer Richtlinie will die Behörde Vorgaben für die Begriffsbezeichnung einführen. Denn konkrete Standards für Nachhaltigkeit gibt es nicht. Fondsmanager haben daher große Spielräume bei der Zusammenstellung ihrer Aktienanlagen. „Auf diese Weise lässt sich auch Etikettenschwindel betreiben“, weiß Bafin-Direktor Thorsten Pötzsch.

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Der Entwurf der Behörde sieht eine Mindestinvestitionsquote vor. Nur wenn wenigstens 75 Prozent des Kapitals nachhaltig angelegt sind, darf ein Fonds das etikettieren. Die Vermögensanlagen müssen dazu beitragen, dass Umwelt- oder soziale Ziele erreicht werden. Außerdem schreibt die Richtlinie Höchstgrenzen, etwa für die Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen, vor. Alternativ zur Mindestquote können Fonds auch in die jeweils nachhaltigsten Unternehmen einer Branche investieren oder einen darauf spezialisierten Index nachbilden.

Umweltfreundlichkeit wird unterschiedlich bewertet

Kompliziert wird die Kennzeichnung nachhaltiger Geldanlagen, weil es keinen einheitlichen Standard dafür gibt und die Bewertungen sehr unterschiedlich ausfallen. Generell gelten die sogenannten ESG-Kriterien als Maßstab. ESG steht für „Environmental“ (Umwelt-), „Social“ (sozial) und „Governance“ (gute Unternehmensführung). Über die konkreten Inhalte gehen die Meinungen allerdings weit auseinander. Ein Beispiel dafür sind die unterschiedlichen Ansichten Deutschlands und Frankreichs bei der Atomkraft. Das Nachbarland sieht Kernenergie als Technologie für den Klimaschutz an, Deutschland nicht. Bei Erdgas ist es umgekehrt. Derlei Bewertungsunterschiede erschweren die Entwicklung eines europäischen ESG-Standards noch.

In der kommenden Woche läuft die Frist für Stellungnahmen zum Entwurf der Bafin aus. Die ersten Reaktionen darauf waren unterschiedlich. Der Fondsverband BVI befürchtet, dass Fonds nach Luxemburg abwandern, weil zu wenige die Mindestinvestitionsquote von 75 Prozent nachhaltiger Investments erreichen. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) verlangt mehr Transparenz bei den grünen Geldanlagen. „Dass Geldanlagen tatsächlich zu einer nachhaltigen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft beitragen, darf nicht nur behauptet, sondern sollte nachgewiesen werden müssen“, sagt vzbv-Finanzexpertin Dorothea Mohn.

Grüne Geldanlage: Das sollten Anleger wissen

Kleinanleger müssen trotz dieser komplizierten Gemengelage nicht verzweifeln. Der Markt, und damit auch seine Regeln, entsteht gerade erst. Die Bundesregierung will die Auswahl nachhaltiger Anlagen erleichtern. Geplant ist eine Ampelkennzeichnung, die dem Nutri-Score bei Lebensmitteln ähnlich ist. Anhand der Farbkennzeichnung sollen Sparer schnell erkennen, wie streng die ESG-Kriterien einer Finanzanlage gehandhabt werden. Auf europäischer Ebene entwickelt die EU-Kommission ebenfalls Standards.

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Aber Anleger können sich auch selbst ein Bild davon verschaffen, wie nachhaltig ein von ihnen ausgewählter Fonds ist. Gute Anbieter von nachhaltigen Fonds veröffentlichen die Kriterien, nach denen sie ihre Investments auswählen. Meist verfolgen sie dabei zwei Strategien. Einerseits schließen sie unerwünschte Aktivitäten der Unternehmen aus. Nach Angaben der FNG rangieren bei diesen Ausschlusskriterien Menschenrechtsverletzungen, Korruption und Kohle in der Rangliste ganz oben.

Der zweite Ansatz nennt sich Best-in-Class und bedeutet, dass ein Fonds nur die nachhaltigsten Unternehmen einer Branche ins Portfolio aufnimmt. Schließlich können Anleger auch auf Nummer sicher gehen und ihr Geld über eine der Öko-Banken anlegen, die recht strenge Kriterien an ihre Finanzgeschäfte anlegen.