Mobilfunk

Zugreisen: Stabiles Surfen und Telefonieren dauert noch

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Beate Kranz
30 Jahre ICE: Taufe für XXL-"Deutschland"-Zug

30 Jahre ICE: Taufe für XXL-"Deutschland"-Zug

Seit nunmehr 30 Jahren rauschen ICE der Deutschen Bahn über die Schienen. Im Berliner Hauptbahnhof wurde aus diesem Anlass ein XXL-ICE von Bundespräsident Steinmeier auf den Namen "Bundesrepublik Deutschland" getauft.

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Endlich problemlos in der Bahn telefonieren und surfen? Bis 2026 soll das Netz stabil sein. Das planen die Deutsche Telekom und Bahn.

Berlin. „Hallo. Kannst du mich noch hören? Ich habe eine schlechte Verbindung. Bin in der Bahn …“ Diese typischen Sätze von Bahnreisenden könnten in wenigen Jahren Vergangenheit sein. Fahrgäste sollen bis spätestens 2026 auf allen Bahnstrecken im Zug ohne Unterbrechung telefonieren und surfen können – und zwar zudem in besserer Qualität.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Deutsche Telekom mit der Deutschen Bahn vereinbart, ihr Mobilfunknetz entlang der Schienen im Fern- und Regionalverkehr für einen dreistelligen Millionenbetrag schnellstmöglich auszubauen. Die Bahn schießt zwischen 150 und 200 Millionen Euro dazu, die Telekom weitere 300 Millionen Euro.

Auf einigen Bahnstrecken erstmals Empfang

Der Plan: Alle noch vorhandenen Mobilfunklücken sollen entlang des 33.400 Kilometer langen Schienennetzes geschlossen werden. Auf einigen Regionalstrecken werden Zugreisende damit zum ersten Mal überhaupt Handyempfang erhalten. Gemeinsam möchten die Unternehmen dafür sorgen, dass alle Zugfahrer künftig besser telefonieren, surfen und streamen können.

„Für unsere Kunden sind die Züge nicht nur ein Transportmittel. Sie sind Büro, Konferenzraum und Entspannungsort zugleich“, begründet Bahnchef Richard Lutz die Kooperation. Alle Fahrgäste wünschen sich ein lückenloses Mobilfunknetz. „Jetzt schaffen wir die Voraussetzungen dafür.“

Konkret will die Telekom bis Ende 2024 sämtliche Hauptverkehrsstrecken, auf denen alle ICE-Züge und die wichtigen IC-Züge verkehren, mit einer Datenrate von mehr als 200 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) ausstatten, kündigte Telekom-Vorstandschef Timotheus Höttges an. Betroffen davon sind Strecken in einer Gesamtlänge von 7800 Kilometern. Auf weiteren 13.800 Kilometern, auf denen täglich mehr als 2000 Fahrgäste unterwegs sind, soll dieses Angebot bis Ende 2025 aufgebaut werden. Damit würden die Datenraten verdoppelt und die Downloadgeschwindigkeit beschleunigt.

„Schwarzer Schäferhund“ soll alle weißen Flecken verbannen

Alle weiteren Strecken in Deutschland sollen bis Ende 2026 zunächst mit einer Datenrate von mehr als 100 Mbit/s ausgestattet werden. Die Versorgung werde dann in den nachfolgenden Jahren kontinuierlich dem Stand der Technik angepasst, versichern die Konzerne.

Das Projekt läuft unter dem Namen „Schwarzer Schäferhund“, sagt Höttges. Es dürfte im Versorgungsnetz entlang der Schienen künftig keinen „Dalmatiner“ mehr mit weißen Flecken geben. „Jedes Funkloch, das es gibt, ist eines zu viel“, meint Höttges.

Für die Telekom, die eines von drei Mobilfunknetzen in Deutschland betreibt, ist dies ein „enormes Investitionsvorhaben“, das entlang der Eisenbahntrassen umgesetzt werden soll. Insgesamt werde das Unternehmen eine Milliarde Euro investieren, davon 300 Millionen in den nächsten Jahren.

800 neue Mobilfunkstandorte

Die Telekom will dafür rund 800 Mobilfunkstandorte neu in Betrieb nehmen, 700 bestehende Funkantennen weiter aufrüsten sowie 600 Standorte von Wettbewerbern nutzen. „Wir wollen nicht nur Flächenlücken schließen, sondern auch die Qualität erhöhen“, so Höttges. Mehr Antennen seien die Basis für höhere Datenraten.

Versorgt werden nicht nur die Schienen der Deutschen Bahn, sondern auch die Strecken der privaten Anbieter. Die Bahn arbeitet wiederum daran, dass Mobilfunksignale besser in den Innenraum der Züge gelangen. Zudem müssen alle Züge mit Fenstern ausgestattet sein, die Funkstrahlen überhaupt durchlassen.

Darum dauert das stabile Netz noch

Warum Deutschland mit einer Rundumversorgung noch bis 2026 warten muss? „Wir sind spät. Keine Frage“, räumt der Telekom-Chef ein. Gleichzeitig verweist Höttges auch auf nachteilige Rahmenbedingungen, die eine zügigere Versorgung mit Mobilfunk immer noch erschweren. Mal blockiere der Naturschutz oder Denkmalschutz eine schnelle Genehmigung von Sendemasten.

Mal ist es auch die Angst der Bürger vor Funkstrahlen, die einen Bau verhindert, erläutert Höttges. Zudem müssten Funkmasten etwa sieben Meter von einer Bahnschiene entfernt installiert werden – und damit oft auf privatem Gelände. „Wenn ein Bauer diesen aber nicht auf seinem Feld haben will, dann geht das eben nicht.“ Hier wünscht sich der Telekom-Chef mehr Pragmatismus.

Der Fahrgastverband Pro Bahn hält stabile Telefon- und Internetverbindungen in Zügen für einen „notwendigen und längst überfälligen Schritt“, sagt der Pressesprecher Karl-Peter Naumann unserer Redaktion. „Wenn die Bahn 2022 ihren Ticketverkauf im Zug einstellen möchte, muss ich künftig wenigstens im Zug nach dem Einstieg meine Fahrkarte digital lösen können.“

Die Initiative findet auch die volle Zustimmung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU): „Wir sind für einen flächendeckenden Mobilfunk in ganz Deutschland.“