Nahverkehr

Verdi: Acht Milliarden Euro jährlich für Verkehrswende

| Lesedauer: 3 Minuten
Alexander Klay
Videografik: Schmelzende Polkappen

Videografik: Schmelzende Polkappen

Die Eiskappen am Nord- und Südpol werden wegen der Erderwärmung immer kleiner. Die Arktis erwärmt sich doppelt so schnell wie der Rest des Planeten, in Grönland ist diese Entwicklung besonders dramatisch.

Beschreibung anzeigen

Die Gewerkschaft Verdi fordert eine „echte Verkehrswende“ – dafür seien jährlich acht Milliarden Euro nötig. Ist das realistisch?

Berlin. Vor einem Gipfel zur Zukunft des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) am Montag hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mehr Anstrengungen beim Klimaschutz gefordert. „Wenn ernsthaft CO2-Einsparungen im Verkehrssektor erreicht werden sollen, brauchen wir eine echte Verkehrswende. Das geht nicht nur mit der von der Bundesregierung verfolgten Antriebswende“, sagte Vorstandsmitglied Christine Behle unserer Redaktion. Eine Stärkung des ÖPNV sei dafür unerlässlich.

An dem „Nationalen ÖPNV-Gipfel“ nehmen unter anderem Städtetags-Präsident Burkhard Jung, mehrere Landes-Verkehrsminister und eine Vertreterin der Klimaschutz-Bewegung „Fridays for Future“ teil.

Verdi-Vertreterin Behle forderte im Vorfeld, die Planung der Verkehrsinfrastruktur müsse aus einer Hand erfolgen. Heute ende diese oft an Stadtgrenzen und hänge von der Finanzausstattung der Kommunen ab: „Hier muss ganzheitlich gedacht werden. Auch Bund und Länder haben eine Verantwortung für den ÖPNV.“

Gewerkschafterin fordert Anreize für Rückkehr der Pendler

Der Bund müsse eine Gesamtplanung für die Verkehrswende vorlegen und für die Finanzierung sorgen. Die Gewerkschafterin forderte acht Milliarden Euro jährlich bis 2030 zusätzlich zu bisherigen Mitteln. In der Corona-Pandemie mussten die Deutsche Bahn und viele andere Verkehrsbetriebe bereits mit Milliardenhilfen von Bund und Ländern gestützt werden. Lesen Sie auch: So gut ist weniger Fleisch- und Fischkonsum fürs Klima

Damit die in der Corona-Pandemie abgewanderten Fahrgäste in Busse und Bahnen zurückkehren, forderte Behle „Anreizsysteme wie die vielerorts diskutierten Jahrestickets für 365 Euro“. Zudem müsse der Ausbau weiterlaufen, „denn Bus und Bahn könnten es nach heutigem Stand gar nicht verkraften, wenn plötzlich alle auf den ÖPNV umsteigen würden.“

Und die Gewerkschaft warnt vor einem weiteren Problem für die Zukunft der ganzen Branche. Nach jahrzehntelangem Sparkurs seien die Belegschaften im den Verkehrsbetrieben bundesweit überaltert. „Schon heute sind 15.000 Arbeitsplätze unbesetzt – bis 2030 werden es 100.000 sein“, warnte Verdi-Bundesvorstand Behle. Auch interessant: Klima: Eisschmelze beschleunigt sich - das sind die Gründe

Bahnchef Lutz: Niemand auf dem Land darf sich abgehängt fühlen

Zuvor hatte sich bereits Bahnchef Richard Lutz in einem Interview mit unserer Redaktion für den Ausbau des Nahverkehrs stark gemacht. „Heute gibt es für die großen Ballungsräumen überall Pläne, die Nahverkehrssysteme auszubauen und für die Menschen attraktiver zu machen. Das ist der richtige Weg, auch wenn das nicht über Nacht geht“, sagte er.

Lutz betonte, es dürften nicht nur die Metropolen im Fokus liegen. „Niemand auf dem Land darf sich abgehängt fühlen. Auch deshalb ist eine intelligente Vernetzung der Verkehrsträger so wichtig“, sagte der Bahnchef. Bei attraktiven Mobilitätsangeboten, die jederzeit und überall genutzt werden können, werde der eigene Pkw für viele überflüssig.

Das unterstrich auch Gewerkschafterin Behle. „Der Deutschlandtakt von Verkehrsminister Scheuer ist schön, aber reicht nicht aus“, sagte sie unserer Redaktion. „Die Frage, wie ich die 30 Kilometer zum nächsten Fernbahnhof zurücklege, bleibt unbeantwortet. Das muss mit einem gut ausgebauten ÖPNV und Fahrradwegen erreicht werden.“