Medienmarkt

Trotz Corona: Bertelsmann meldet Ergebnis-Rekord

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Georg Altrogge
Bertelsmann steigert Gewinn im Corona-Jahr 2020.

Bertelsmann steigert Gewinn im Corona-Jahr 2020.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Medienhaus erzielt 2020 Vorsteuerergebnis von 3,1 Milliarden Euro. Buchgeschäft und digitale Dienstleistungen legen in der Krise zu.

Deutschlands größter Medienkonzern hat das Krisenjahr 2020 überraschend gut verkraftet: Trotz Corona konnte Bertelsmann seinen Gewinn um 30 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro steigern. Der Umsatz gab gegenüber 2019 leicht nach und betrug knapp 17,3 Milliarden Euro.

Während vor allem die RTL Group sowie Gruner + Jahr deutliche Werbeverluste verzeichneten, behaupteten sich vor allem das internationale Buchgeschäft bei Penguin Random House, das digitale Musik-Business bei BMG und die Dienstleistungssparte Arvato.

Der Konzerngewinn vor Steuern und Abschreibungen (EBITDA) kletterte mit 3,1 Milliarden Euro sogar auf ein Rekordhoch und lag 34 Prozent über dem Vorjahr. Vorstandschef Thomas Rabe äußerte sich bei der Vorstellung der Bilanz hochzufrieden: „2020 war ein Ausnahmejahr, das wir trotz der Pandemie mit starken Ergebnissen abgeschlossen haben.“

Immobilienverkäufe tragen zum Gewinn bei

Alle Geschäfte des Unternehmens mit Hauptsitz in Gütersloh hätten im zweiten Halbjahr wieder zugelegt. Der Gewinnsprung sei aber nur möglich gewesen, weil der Konzern „frühzeitig die Kosten gesenkt und die Liquidität des Unternehmens gesichert habe“, so Rabe. Allerdings profitierte das Unternehmen auch von Immobilienverkäufen in Höhe von 376 Millionen Euro, unter anderem durch den Verkauf des Gruner + Jahr-Verlagssitzes am Hamburger Hafenrand.

Konkurrenz für Netflix & Co.: Bei RTL will Bertelsmann das Streaming-Angebot forcieren. Im vergangenen Jahr hatte Bertelsmann vor allem seine Investitionen im Buchverlagsgeschäft weiter vorangetrieben. So wurde das Joint Venture Penguin Random House im April zu 100 Prozent übernommen und im November angekündigt, den US-Traditionsverlag Simon & Schuster zu erwerben.

Beim Privatfernsehen setzt der Konzern vor allem auf Streaming-Angebote. So habe RTL die Zahl der Abonnenten um 52 Prozent auf 2,2 Millionen „deutlich erhöht“ und in Deutschland zudem eine strategische Partnerschaft mit dem Technologie-Spezialisten Telekom geschlossen. Damit positioniert Bertelsmann seine Fernsehtochter gegen die erfolgreichen Streaming-Dienste Netflix, Amazon Prime oder Disney.

Zusammenarbeit mit RTL

Seit einigen Wochen erarbeiten RTL und der Hamburger Verlag Gruner + Jahr ein Konzept für eine weitreichende Zusammenarbeit. Wie Rabe in am Dienstag in einem Call mit Journalisten mitteilte, seien die Gespräche „sehr gut angelaufen“. Es würden „alle Optionen bis zum Zusammenschluss einzelner Bereiche“ geprüft. Eine Entscheidung werde der Konzern „im Laufe des Sommers treffen“, die Umsetzung solle dann im vierten Quartal erfolgen.

Nach Angaben des Vorstandschefs seien bereits „zahlreiche gemeinsame Wachstumsstrategien“ entwickelt worden. Auch wenn RTL weitaus umsatzstärker sei, so Rabe, erfolge der Annäherungsprozess „absolut auf Augenhöhe“, es gehe nicht um „übernehmen und übernommen werden“. Der deutliche Umsatzrückgang bei Gruner + Jahr um 220 Millionen auf 1,135 Milliarden Euro ist vor allem durch den Verkauf von Verlagsanteilen an der Motorpresse Stuttgart und ein schwieriges Printwerbegeschäft bedingt.

Der Vorsteuergewinn des Medienhauses sank gegenüber 2019 um 30 Millionen auf 127 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr kündigte Thomas Rabe den Ausbau der Digitalaktivitäten an: „Wir werden allein 2021 rund 250 Millionen Euro in die Streaming-Dienste der RTL Group und in den Ausbau der Technologie- und Datenstruktur des Konzerns investieren.“ Zwar sieht Bertelsmann 2021 Pandemie-bedingt „Unsicherheiten“, rechnet dennoch mit einer „stabilen Geschäftsentwicklung“.