Verkehr

Deutsche Bahn will wieder mehr Abteile im ICE einrichten

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Corona-Krise beschert Bahn Milliarden-Verlust

Corona-Krise beschert Bahn Milliarden-Verlust

Die Deutsche Bahn hat wegen der Corona-Pandemie für das vergangene Jahr unter dem Strich ein Minus von 5,7 Milliarden Euro verbucht. Hintergrund sind eingebrochene Fahrgastzahlen, vor allem im Fernverkehr.

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Sitz an Sitz im Großraumwagen – in den Fernzügen der Deutschen Bahn sitzt man auf dem Präsentierteller. Das soll sich ändern.

Berlin. „Ist hier noch was frei?“ – diese Frage ist in den Fernzügen der Deutschen Bahn in den vergangenen Jahren selten geworden. In den Intercitys und ICEs gibt es immer weniger Abteile. Die Fahrgäste sitzen im Großraum, Sitzreihe an Sitzreihe, nicht selten mit entsprechendem Lärmpegel. Das soll sich in einigen Jahren wieder ändern.

Der Staatskonzern überarbeitet offenbar seine Strategie und will in Zukunft die Waggons wieder stärker in verschiedene Bereiche untergliedern. „Unsere Kunden wünschen sich mehr Rückzugsmöglichkeiten und dafür wieder mehr abteilähnliche Räume“, sagt Berthold Huber, Personenverkehrsvorstand der Deutschen Bahn.

Im neuesten ICE gibt es nur ein Abteil für Familien

Mit der möglichen Rückkehr zu Abteilen leitet die Deutsche Bahn eine Trendwende ein. Mit jeder neuen Zuggeneration wurden in den vergangenen Jahrzehnten mehr offene Sitzreihen im Großraumwagen eingeführt. Der 1991 auf die Schiene gesetzte ICE der ersten Generation hat noch ein knappes Drittel Abteilplätze – beim aktuellen ICE 4 ist lediglich das Abteil für Familien mit Kleinkindern abgetrennt.

Bis in den Herbst will die Bahn nun erste Konzeptstudien für die neue Aufteilung erarbeiten. Bis daraus Realität wird, dürften aber mehrere Jahre vergehen. Bis ins Jahr 2023 läuft noch die Auslieferung von insgesamt 119 Zügen des Typs ICE 4. Im Sommer will die Bahn nach eigenen Angaben den 75. Zug in Betrieb nehmen. Aber auch dieses Modell hat den Fahrgästen eine wichtige Neuerung gebracht: Die ICEs bieten jetzt Fahrradabteile.

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Danach gehe die Erneuerung und der Ausbau der Flotte weiter. Nur so kann die Deutsche Bahn ihr Ziel für das Jahr 2030 erreichen: Dann sollen mit 260 Millionen Fahrgästen doppelt so viele Passagiere in den Fernzügen sitzen als im Jahr 2015. Nach dem drastischen Einbruch der Fahrgastzahlen im Corona-Jahr 2020 wäre es sogar eine Verdreifachung.

Bahn-Vorstand Huber sagt zu den Plänen: „Wir denken über eine Generation ganz neuer Hochgeschwindigkeitszüge nach.“ Diese könnte möglicherweise wieder mit mehr Abteilen ausgestattet sein. Aber, so betont Huber: „Das sind Überlegungen für die zweite Hälfte dieses Jahrzehnts.“ (aky/dpa)