Handel

Corona-Schlussverkauf: Rabatte für Mode bis zu 70 Prozent

| Lesedauer: 5 Minuten
Beate Kranz
Corona-Pandemie: Click & Meet soll Wirtschaft wieder ankurbeln

Corona-Pandemie- Click & Meet soll Wirtschaft wieder ankurbeln

Der Lockdown hält seit Wochen an. Geschäfte haben immer noch geschlossen und es gab bisher kaum Lichtblicke. Doch jetzt soll es eine neue Möglichkeit geben: Einkaufen nach Terminvergabe. Was es damit auf sich hat, sehen Sie im Video.

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Mode, Schuhe oder Sportbekleidung: Einzelhändler reduzieren Millionen Kleidungsstücke. Wo Schnäppchenjäger günstige Angebote finden.

Berlin. „Auf die Plätze, fertig, los! Im Geschäft & online. Sale.“ Mit weißer Schrift auf knallrotem Hintergrund lockt eine große Modekette im Internet und in ihren Filialen die Kunden zum Kauf von Sonderangeboten. Der Konzern ist damit nicht allein. Seit dieser Woche greifen immer mehr Einzelhändler zum Rotstift. Sie reduzieren ihre Winterware. Teilweise massiv. Rabatte von 50 bis zu 70 Prozent sind keine Seltenheit. Eine ideale Zeit für Preisbewusste und Schnäppchenjäger.

Ob Wintermäntel, Daunenjacken, Hosen, Röcke, Strümpfe, Schlafanzüge, Cocktailkleider, Hoodies, Sportschuhe oder Stiefel: Die Lager sind noch voll mit Winterbekleidung. Fündig wird man unter anderem bei H&M, Zara, C&A, Peek & Cloppenburg, Uni­qlo, Sportscheck, New Yorker, Adidas, Nike, Schiesser, Samsøe, Görtz oder Deichmann.

Corona-Lockdown: Millionen Kleidungsstücke wurden nicht verkauft

„Millionen Kleidungsstücke“, die während des Lockdowns nicht verkauft werden konnten, warten auf Abnehmer, sagt Axel Augustin, Sprecher des BTE Handelsverbands Textil. Die Händler starteten zwar keinen gemeinsamen Schlussverkauf, „aber viele bieten ihre Waren zu teils hohen Rabatten an“.

Die Textil- und Bekleidungshändler haben insbesondere im Ladengeschäft in den Städten ein miserables Jahr hinter sich. Die Umsätze des stationären Einzelhandels in Boutiquen und Modehäusern sanken 2020 um 25 Prozent auf rund 24 Milliarden Euro, Online-Umsätze inklusive, berichtet der BTE. Reine Online-Modehändler verbuchten dagegen mit 17 Milliarden Euro ein Umsatzplus von 16 Prozent.

Die Öffnungseinschränkungen für Läden verhindern es allerdings auch in diesen Tagen, dass – anders als sonst üblich – massenhaft Käufer in die Geschäfte strömen, um nach Sonderangeboten zu greifen. Stattdessen bilden sich in den Innenstädten und Einkaufszentren teils längere Warteschlangen vor Markengeschäften oder Kaufhäusern mit besonders hohen Reduzierungen. Auch im Internet sind bei manchen Artikeln nicht mehr alle Größen und Farben verfügbar.

Click & Meet: Einkaufen trotz Corona-Krise

In den Läden gilt Click & Meet. Sprich: Zur gleichen Zeit kommt nur eine begrenzte Zahl an Kunden hinein. Die Kundin ist Königin, der Kunde König. Doch für die großen Konzerne und Kaufhäuser dürfte sich das finanziell kaum lohnen. Der Aufwand für Personal, Beleuchtung und Betrieb ist so hoch, dass nicht mal die Betriebskosten gedeckt werden, wissen Experten. Allenfalls bei kleinen Geschäften mit Stammkundschaft könnte die Rechnung aufgehen.

Das einzig Positive für den Handel, so der BTE-Verbandssprecher: Angesichts der kühlen Temperaturen spielt zumindest das Wetter derzeit den Modehändlern in die Hände. „Da es noch vergleichsweise frisch ist, dürfte sich Winterbekleidung noch recht gut verkaufen lassen“, meint Augustin.

Dennoch folgt der Schlussverkauf dieses Jahr einer neuen Regie und wirbelt die Traditionen im Modehandel durcheinander. Die Händler können derzeit im Wesentlichen zwischen drei Möglichkeiten für ihre Restposten wählen, so Augustin: Reduzieren, Spenden oder Einlagern.

Hintergrund: Click and Meet: So funktioniert das Corona-Shopping

Corona-Hilfen: Wer die Einkaufspreise ersetzt bekommt

Neu ist auch: Grundsätzlich können sich die rund 15.000 Modehändler im Zuge der Corona-Hilfspakete über die Überbrückungshilfe III ihre Einkaufspreise für unverkäufliche oder saisonale Winterware teilweise bis zu 90 Prozent vom Staat erstatten lassen.

Die Hilfen gibt es jedoch nur für Mittelständler mit einem Jahresumsatz von maximal 750 Millionen Euro. Die Summe soll eventuell noch auf 1,5 Milliarden Euro erhöht werden. Noch größere Konzerne fallen bei den Hilfen ganz durchs Raster, ebenso Konzerne, die ihre Gewinne nicht in Deutschland versteuern.

Einzelhandel öffnet: "Sonst gehen wir alle pleite"
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Corona-Misere im Einzelhandel: Viele lagern ganze Kollektionen ein

Viele Händler lagern in diesem Jahr auch viel Ware ein und versuchen sie im nächsten Winter zu verkaufen. „Manche Händler haben bereits im November ganze Kollektionen eingelagert und gar nicht zum Verkauf angeboten“, sagt Augustin.

Dabei handelt es sich um eher klassische Artikel im Herrenbereich – wie zum Beispiel graue, blaue oder schwarze Wollpullis. Topmodische Boutiquen oder Luxuslabels können dagegen kaum Bekleidung einlagern, weil ihre Käuferinnen und Käufer Wert auf neueste Ware legen.

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Hohe Lagerbestände wegen Corona: Händler bestellen weniger neue Ware

Das Einlagern hat einen weiteren negativen Effekt – und zwar für die Textilindustrie: „Im Februar 2021 wurde geschätzt etwa 20 bis 30 Prozent weniger Winterware bestellt“, sagt der BTE-Experte. Leidtragende sind damit Hersteller insbesondere in Asien, wo ein Großteil der Kleidung für Europa entsteht.

Große karitative Verbände wie die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz oder die Heilsarmee warten unterdessen noch vergebens auf großzügige Spenden von nicht verkaufter Winterkleidung. Ein Grund dafür sei vermutlich die Umsatzsteuer, die Unternehmen bei Sachspenden bislang noch zahlen müssen, vermutet Katharina Puche, Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes.

Diese Hürde hat der Bundesfinanzminister am Donnerstag vorübergehend beseitigt: Die Umsatzsteuer für Kleiderspenden soll rückwirkend zum 1. März 2020 bis zum Jahresende 2021 wegfallen, kündigte Olaf Scholz (SPD) an. Diese Neuordnung birgt die Chance, dass nun doch noch viele Kleidungsstücke bei Bedürftigen landen statt im Müll.

Für das DRK seien Kleiderspenden sehr wichtig, sagt die Verbandssprecherin, „um Hilfsprojekte für Bedürftige, in Katastrophenlagen sowie für die Auslandhilfe zu ermöglichen“.