Supermarktkette

Kelloggs & Co.: Warum Rewe Produkte aus dem Sortiment wirft

| Lesedauer: 6 Minuten
Tobias Kisling
Corona-Pandemie: Click & Meet soll Wirtschaft wieder ankurbeln

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Der Lockdown hält seit Wochen an. Geschäfte haben immer noch geschlossen und es gab bisher kaum Lichtblicke. Doch jetzt soll es eine neue Möglichkeit geben: Einkaufen nach Terminvergabe. Was es damit auf sich hat, sehen Sie im Video.

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Kellogg’s, Mars und Granini: Rewe wirft wohl Produkte vieler Firmen aus seinem Sortiment. Weitere könnten folgen. Das steckt dahinter.

Berlin. Die Supermarktkette Rewe wirft offenbar viele Produkte bekannter Firmen wie Kellogg’s, Mars-Wrigley’s und Eckes-Granini aus dem Sortiment. Das berichtet die „Lebensmittel-Zeitung“.

Nach Informationen des Branchen-Fachblatts unter Berufung auf Insider waren auch Produkte von Coca-Cola, Iglo und Red Bull phasenweise bereits von Lieferstopps betroffen. Auf Anfrage unserer Redaktion wollte Rewe den Inhalt des Berichts nicht bestätigen.

Rewe: Lücken in den Regalen

Wie die „Lebensmittel-Zeitung“ berichtet, sei der Handelskonzern in seinen Jahresgesprächen mit mehreren namhaften Markenherstellern aneinandergeraten. Auslistungen von Produkten kommen immer wieder mal vor. Zuletzt waren Edeka und Discounttochter Netto mit Coca-Cola aneinandergeraten, auch hier wurde Coca-Cola knapp.

Die Dimension bei Rewe sorgt allerdings für Überraschung, die „Lebensmittel-Zeitung“ berichtet von ersten Lücken in den Regalen. „Es ist ein beispielloser Vorgang, dass so viele Markenartikel gleichzeitig aus den Regalen verbannt werden. In dieser Intensität habe ich einen solchen Preiskampf noch nicht erlebt“, sagte Handelsexperte Thomas Roeb, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, unserer Redaktion.

Ungewöhnlich langer Preiskampf

Auslistungen dienen als Druckmittel im Preiskampf zwischen den Lebensmittelherstellern und den Einzelhändlern. Doch bei Rewe zieht sich der Preiskampf dem Bericht zufolge ungewöhnlich lange hin.

„Normalerweise beginnen die ersten Vorgespräche im Sommer, im Herbst wird dann verhandelt, sodass spätestens zum Jahresende Planungssicherheit herrscht“, erläutert Roeb. „Die aktuelle Entwicklung ist der dramatische Höhepunkt dieser Verhandlungen.“

Handelsexperte Roeb: „Bemerkenswert, mit welcher Aggressivität Rewe vorgeht“

Angeblich haben die Hersteller versucht, über steigende Preise die mit den durch Produktionsausfällen in der Corona-Krise entstandenen Kosten zu reduzieren. Auch hierzu wollte Rewe auf Anfrage nichts sagen. Man kommentiere grundsätzlich keine Marktspekulationen, teilte die Supermarktkette mit.

Um welche Preise es sich genau handelt, ist unklar. „Neben den Basispreisen werden im Zuge der Jahresgespräche Rahmenbedingungen wie etwa die Sichtbarkeit im Regal oder Werbekostenzuschüsse für die Handzettel oder Prospekte verhandelt“, erklärt Roeb. Und fügt an: „Wenn die Hersteller rundherum höhere Preise verlangt hätten, dann wären ja auch andere Lebensmittel-Einzelhändler betroffen. So ist es bemerkenswert, mit welcher Aggressivität Rewe vorgeht.“

Rewe soll Lieferungen abgebrochen haben

Handelsexperte Roeb gibt auch zu bedenken, dass sich die Produktionsausfälle seines Empfindens nach während der Corona-Krise in Grenzen gehalten hätten. „Denkbar wäre aber auch, dass die Corona-Pandemie als Anlass genommen wurde, um in der Vergangenheit versäumte Preissteigerungen nachzuholen“, sagte er.

Fest zu stehen scheint jedenfalls laut „Lebensmittel-Zeitung“, dass sich Rewe gegen die höheren Preisforderungen zu Wehr gesetzt hat – und die Lieferungen entsprechender Produkte auf Eis gelegt hat.

Offenbar wurde mit Saucenhersteller Kraft Heinz eine Einigung erzielt

So berichtet die „Lebensmittel-Zeitung“, dass bereits seit November einzelne Produkte von Kellogg’s, dem Schokoriegel- und Kaugummi-Hersteller Mars-Wrigley sowie Kraft Heinz von Lieferstopps betroffen gewesen sein sollen.

Mit Kraft Heinz, bekannt vor allem durch seine Ketchup-, Mayonnaise- und Saucen-Marken, habe man mittlerweile eine Einigung erzielt. Vor zwei Jahren hatte bereits Edeka Heinz-Ketchup aus den Regalen verbannt. Einige Wochen später einigte man sich, seitdem gibt es Heinz-Ketchup wieder zu kaufen.

Rewe: Diese Marken sollen von der Auslistung betroffen sein

Rewe teilt seine rund 3.600 Filialen in verschiedene Vertriebsgebiete auf. Im Westen soll es laut der „Lebensmittel-Zeitung“ bei Produkten des Frühstucksflocken-Hersteller Kellogg’s bereits zu Engpässen gekommen sein. Selbstständige Ladeninhaber hätten sich die Ware teilweise sogar schon anderweitig besorgt, um Kunden nicht vor leeren Regalen zurückzulassen, heißt es in dem Bericht.

In der Region Mitte dagegen seien Artikel der Kaugummi-Marke Wrigley’s Spermint, die meist vor den Kassen ausliegen, teilweise nicht mehr verfügbar. Und auch Produkte des Fruchtsaft-Herstellers Eckes-Granini, etwa mit der Marke Valensina, seien knapp.

Ein Kampf mit harten Bandagen

Es handelt sich also um Produkte mit einer starken Konkurrenz. „Bei Cornflakes und Frühstücksflocken ist Rewe mit seinen Eigenmarken gut positioniert, auch bei Fruchtsäften lassen sich Auslistungen kompensieren“, sagt Thomas Roeb. Zwar habe auch Rewe kein Interesse an einer Auslistung, immerhin gehe Umsatz verloren.

Allerdings ist es möglich, den Druck auch auf Kernmarken zu erhöhen. Das zeigt das Beispiel Kraft Heinz. Als Edeka den Ketchup vor zwei Jahren aus dem Sortiment warf, sei es trotzdem gut gegangen, Kunden hätten auf andere Marken zurückgegriffen, sagt Roeb. Auch im aktuellen Konflikt konnten sich Rewe und Kraft Heinz laut „Lebensmittel-Zeitung“ bereits vor zwei Wochen einigen.

Eine andere Verhandlungsposition haben hingegen Firmen wie Coca-Cola oder Red Bull, die ebenfalls von Lieferstopps betroffen gewesen sein sollen. Hier handelt es sich nach Einschätzung von Roeb nicht um die Kernmarken, beispielsweise die 1,5-Liter-Flasche Coca-Cola, sondern eher um spezielle Geschmackssorten.

Ein Kampf mit harten Bandagen

Der Preiskampf im Lebensmitteleinzelhandel gilt als besonders hart. Für einige Produkte, etwa Salz, erhalten die Supermärkte teilweise wenig bis gar keine Marge und geben die Waren zu Einkaufspreisen weiter, da Kunden erwarten, dass sie sich im Sortiment befinden.

Die Margen liegen häufig nur bei wenigen Prozentpunkten des Nettoumsatzes. Im harten Konkurrenzkampf haben auch die Supermärkte ein Interesse daran, die Preise niedrig zu halten – was zuletzt unter anderem zu Protesten von Landwirten führte.