Verkehr

Zug statt Flug: Lufthansa will Abschied von Inlandsflügen

| Lesedauer: 3 Minuten
Alexander Klay
Lufthansa meldet Rekordverlust

Lufthansa meldet Rekordverlust

Die Lufthansa hat im Corona-Jahr 2020 einen Rekordverlust verzeichnet. Grund ist ein dramatischer Einbruch bei der Nachfrage.

Beschreibung anzeigen

Umweltschutz: Lufthansa und Deutsche Bahn wollen Reisende mit schnelleren und besser verknüpften Verbindungen zum Umstieg bewegen.

Berlin. Inlandsflüge sind ökologisch umstritten. Und doch möchten Reisende kaum darauf verzichten, wenn sie auf dem Weg in die weite Welt erst einmal die großen Drehkreuze Frankfurt und München erreichen müssen. Lufthansa und Deutsche Bahn wollen den Umstieg ab diesem Jahr erleichtern – mit deutlich schnelleren Zügen auf wichtigen Routen und einer besseren Verknüpfung von Flug und Zug.

Dazu startet der Staatskonzern zum Fahrplanwechsel im Dezember zwei neue „Supersprinter“-Linien: Zwischen Berlin und Köln, der wichtigsten innerdeutschen Flugstrecke, fährt dieser morgens, mittags und abends ohne Zwischenstopp in „knapp unter vier Stunden“, wie Bahn-Vorstand Berthold Huber am Montag ankündigte. Wenig später enden die ICE-Züge in Bonn. Die Fahrzeit sinke um 25 Minuten. Die Verbindung zwischen der früheren und heutigen Bundeshauptstadt wird auch „Beamtenshuttle“ genannt.

Mit dem Flugticket Bahn fahren

Passend zu den Startzeiten der Lufthansa-Langstreckenflüge sollen zweimal am Tag „Supersprinter“ aus München in unter drei Stunden, ab Nürnberg in unter zwei Stunden am Frankfurter Flughafen eintreffen. Zudem werde eine Sprinter-Linie aus Hamburg über den Frankfurter Hauptbahnhof bis zum Flughafen verlängert. „Wir wollen den Umstieg von Flug auf Zug vereinfachen“, sagte Huber.

Gleichzeitig schließen Lufthansa und Bahn fünf weitere Städte an ihr „Express Rail“-Netzwerk an. Ab Juli können Reisende aus Hamburg und München mit ihrem Flugticket auf die Bahn als Zubringer umsteigen. Ab Dezember soll das auch ab Berlin, Bremen und Münster möglich sein.

Mehr zum Thema Bahn:

Bei Verspätungen von Zug oder Flug bestehe eine Anschlussgarantie, beim Umstieg in Frankfurt könne künftig die Schnellspur der Sicherheitskontrolle genutzt werden. Ab Sommer müssten die Tickets nicht mehr vier Tage im Voraus gebucht werden, sondern seien auch kurzfristig zu haben. Seit dem Start im Jahr 2019 hätten 400.000 Passagiere „Express Rail“ genutzt.

Auf den Verbindungen würden Züge mit besonders großen Gepäckfächern eingesetzt. Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister kündigte an, dass auch an einer einfacheren Gepäckabfertigung am Frankfurter Flughafenbahnhof gearbeitet werde.

Weniger oder kleinere Flugzeuge

Welche Folgen das bessere Angebot auf der Schiene für Inlandsflüge haben wird, ließ Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister offen. „Wir reduzieren die Anzahl der Flüge oder verzichten ganz darauf“, sagte er, ohne Details zu nennen. Von Köln, Dortmund und Paderborn etwa habe die Lufthansa ihre Zubringerflüge nach Frankfurt bereits ganz eingestellt. Auf anderen Strecken kämen weniger oder kleinere Flugzeuge zum Einsatz.

Anders sieht es unterdessen in München aus, dem zweiten wichtigen Umsteigeknoten der Lufthansa. Hier ist eine Verknüpfung von Bahnfahrt und Flug bislang kaum möglich – der Flughafen liegt weit abseits der Fernzug-Strecken der Deutschen Bahn.