Zugverspätungen

Deutsche Bahn verspricht Online-Erstattung ab diesem Sommer

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Wenn Züge zu spät kommen, gibt es für Reisende Geld zurück – bislang ist dafür Papierkram nötig.

Wenn Züge zu spät kommen, gibt es für Reisende Geld zurück – bislang ist dafür Papierkram nötig.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Digitalisierung bei der Deutschen Bahn: Das Fahrgastrechte-Formular für Erstattungen bei Verspätungen weicht bald einem Online-Antrag.

Berlin. Wer nach einer stundenlangen Bahnverspätung Geld zurückerhalten will, der muss erst einmal Papierkram erledigen. Auch im Jahr 2021 ist die Rückerstattung bei der Deutschen Bahn nur analog möglich – mit dem Fahrgastrechte-Formular. Doch jetzt will der Staatskonzern bei der Digitalisierung einen Schritt nach vorn machen. Und zwar nicht nur bei der Fahrpreiserstattung.

Ab diesem Sommer sollen in einem ersten Schritt Online-Erstattungen bei Zugausfällen und Verspätungen möglich sein. Das kündigte Berthold Huber, Personenverkehrsvorstand der Deutschen Bahn, jetzt an. „In diesem Juni werden wir unseren Kunden digitale Erstattungsmöglichkeiten anbieten“, sagte Huber der dpa.

Kommen Reisende mehr als eine Stunde zu spät am Zielort an, erstattet die Deutsche Bahn 25 Prozent des Fahrpreises. Ab zwei Stunden erstattet die Bahn die Hälfte. Im vergangenen Jahr haben nur vier von fünf Fernzügen ihr Ziel pünktlich erreicht – obwohl in der Corona-Pandemie deutlich weniger Menschen in den IC und ICE saßen und es damit zu weniger Verzögerungen kam. Lesen Sie auch:Deutsche Bahn: Mehr Verbindungen und höhere Preise

Deutsche Bahn: Huber kündigt weitere Digitalisierungsschritte an

Zudem versprach Huber weitere Digitalisierungsschritte bei der Bahn. „Wir bauen das Vertriebssystem komplett neu“, sagte er. Dazu gehörte auch, dass die Buchungs-App „Navigator“ komplett neu aufgebaut werde. Bis ins Jahr 2023 sollen schließlich sämtliche digitalen Kanäle der Bahn erneuert sein. Es werde ein Modul nach dem anderen neu gebaut.

Damit soll auch ein Ärgernis mit Platzreservierungen der Vergangenheit angehören. Kommt es zu einem unplanmäßigen Zugwechsel, wird die Platzkarte in der Regel nicht auf den neuen Zug übertragen. Das ist vor allem in Stoßzeiten mit besonders vollen Zügen ein Ärgernis für Bahnreisende. „Das neue System reserviert Sie bei einem Zugwechsel automatisch in den neuen Zug um und Sie kriegen per Smartphone die Info über den neuen Platz“, betonte Huber.

Bereits seit vergangenem Herbst funktioniere dies mit Einschränkungen: Voraussetzung für die automatische Übertragung der Platzkarte sind ein online gebuchtes Ticket und dass der Zugwechsel mindestens eine Stunde vor Abfahrt bekannt ist. Auch interessant:Deutsche Bahn: Das soll in den neuen ICEs alles besser werden

Fahrpreiserstattung: Prozedere der Deutschen Bahn steht immer wieder in Kritik

Damit reagiert der Konzern auf anhaltende Kundenbeschwerden. Huber: „Uns wurde immer wieder vorgeworfen: Ich habe 4,50 Euro für die Reservierung bezahlt - und die ist jetzt weg. Das gehört dann der Vergangenheit an.“

Kundinnen und Kunden sowie Fahrgastverbände kritisieren seit Jahren das umständliche Prozedere etwa bei der Fahrpreiserstattung. Rechtsdienstleister nutzen diese Lücke und haben eigene Apps entwickelt. Diese Unternehmen kümmern sich dann um den Papierkram – verlangen dafür allerdings auch eine Provision. (aky/dpa)