Arbeitsrecht

Rechtsanwälte erklären: Wann der Chef fristlos kündigen darf

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Wie stellt man den Hartz-IV-Antrag?

Wie stellt man den Hartz-IV-Antrag?

Das Arbeitslosengeld, auch Hartz IV, ist jedem bekannt. Doch wie muss der Antrag dafür gestellt werden und was wird dafür alles benötigt? Das Video gibt einen Überblick.

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Fristlos gekündigt? Das geht nur, wenn der Arbeitgeber einen wirklich wichtigen Grund vorweisen kann. Was Rechtsanwälte empfehlen.

Berlin. Die Nachricht kommt wie aus heiterem Himmel. Plötzlich taucht der Arbeitgeber vor dem Bürotisch oder an der Werkbank auf und fordert den Beschäftigten auf, seine Sachen zu packen. „Sie sind gekündigt! Und zwar sofort.“ Der Mitarbeiter ist entsetzt. Geht das überhaupt? Was kann man tun, wenn man eine Außerordentliche Kündigung (§ 626 BGB) erhält?

Im Alltag sind fristlose Kündigungen gar nicht selten, wissen Rechtsanwälte. Doch der Arbeitnehmer ist in dieser Situation nicht rechtlos. „Die Frage ist natürlich immer, ob eine fristlose Kündigung wirksam ist“, sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Berlin.

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Arbeitgeber braucht für fristlose Kündigung gute Gründe

Der Arbeitgeber muss einen wichtigen Kündigungsgrund vorweisen. „Zur Begründung einer fristlosen Kündigung taugen nur schwerwiegende Pflichtverletzungen des Arbeitnehmers“, erklärt Bredereck. Das können zum Beispiel Straftaten gegenüber dem Arbeitgeber sein. Dazu zählen Beleidigungen, Körperverletzung oder Diebstahl bei der Arbeit.

Aber auch kleinere Verfehlungen können als Grund genügen, warnt Bredereck: „Wer bei der Fahrtkostenabrechnung die Kilometerangabe regelmäßig zu hoch kalkuliert oder bei der Arbeit heimlich privat im Internet surft, riskiert den Job.“ Ebenso gelten Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht, anhaltende Arbeitsunfähigkeit oder beharrliche Arbeitsverweigerung als wichtige Gründe.

Keine Gründe für eine fristlose Kündigung sind dagegen, wenn ein Arbeitnehmer politisch oder gewerkschaftlich aktiv oder homosexuell ist.

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Klage gegen fristlose Kündigung empfehlenswert

Wer zu seinem Recht kommen möchte, sollte vor Gericht gehen. „Ich empfehle bei fristloser Kündigung nahezu immer die Kündigungsschutzklage“, sagt Bredereck. Die Kündigungsgründe können nur überprüft werden, wenn der Arbeitnehmer sich vor Gericht mit einer Kündigungsschutzklage gegen die Kündigung zur Wehr setzt.

Oft können die Arbeitgeber den Kündigungsgrund im Prozess nicht sicher beweisen oder haben formale Fehler gemacht, berichtete der Fachanwalt. Die meisten Verfahren enden deshalb mit einem Vergleich. Der Job kann in vielen Fällen zwar nicht mehr gesichert werden, doch viel Gekündigte erhalten unter Umständen eine Abfindung.

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Fristlose Kündigung hat viele negative Konsequenzen

Eine fristlose Kündigung hat für Arbeitnehmer erhebliche negative Konsequenzen. Deshalb sollte versucht werden, diese in eine ordentliche Kündigung umzuwandeln, empfiehlt die Kanzlei Dr. Kluge aus Hannover. So verlieren Arbeitnehmer bei einer fristlosen Kündigung nicht nur ihren Arbeitsplatz. Sie haben oft auch Probleme bei zukünftigen Bewerbungen und erhalten eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld. (dpa/jb)

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