Beschränkungen

Diese Folgen haben die Corona-Regeln für die Wirtschaft

Kundenbegrenzung je nach Ladengröße und ausgefallene Märkte: Der Handel befürchtet Warteschlangen vor den Läden und starke Einbußen.

Merkel verteidigt Corona-Einschränkungen und stellt weitere Hilfen in Aussicht

Nach dem Bund-Länder-Beschluss zur Verlängerung des Corona-Teil-Lockdowns hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Regierungserklärung Verständnis für die Existenzsorgen vieler Bürger geäußert. Sie stellte weitere Hilfen in Aussicht.

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Berlin. Wieder nichts. Wieder bleiben Restaurants und Cafés geschlossen, wieder dürfen Hotels keine Touristen empfangen. Und wieder hat sich die Hoffnung von Künstlern, Schaustellern und Betreibern von Sport- und Freizeitstätten, bald wieder Umsätze erzielen zu können, in Luft aufgelöst.

Weil der Teil-Lockdown im November nicht ausgereicht hat, um die hohe Infektionslage zu bremsen, haben Bund und Länder sich auf eine Fortsetzung der Beschränkungen bis zum 20. Dezember geeinigt. Und sie verschärfen diese noch. Für den Handel kehrt eine umstrittene Zahl aus dem Frühjahrslockdown zurück: 800 Qua­dratmeter.

Kritik aus dem Handel: Corona-Regeln „nicht nachvollziehbar“

An dieser Zahl entscheidet sich, wie viele Kunden pro Quadratmeter die Geschäfte besuchen dürfen. Sind Geschäfte kleiner als 800 Quadratmeter , darf sich dort pro zehn Quadratmeter höchstens eine Person aufhalten. Sind sie größer, dann ist es nur noch eine Person pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Diese Regelung sorgt für Kritik. „Dem Coronavirus sind Branche und Größe eines Geschäfts egal“, sagte FDP-Generalsekretär Volker Wissing unserer Redaktion. „In einem kleinen, engen Geschäft sind diese Regeln doch viel schlechter einzuhalten als in einem großen, in dem sich der Kundenstrom besser verteilen kann.“

Unverständnis herrscht auch im Handel: Der Chef von Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka, Markus Mosa , kritisiert die Regelung als „kon­traproduktiv und nicht nachvollziehbar“. Die hohe Nachfrage im Weihnachtsgeschäft lasse sich so nicht bedienen.

Geschäfte im Nachteil – Online-Händler könnten profitieren

Der Handelsverband HDE befürchtet, dass nun viele Käufer ins Internet ausweichen. „Der große Verlierer sind viele Innenstadthändler, denen unter den Corona-Bedingungen die Kunden und die Umsätze wegbrechen“, kritisiert der HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth . Wo aber vor Ort eingekauft wird, könne es zu mehr Warteschlangen vor den Geschäften kommen, warnt Genth.

Corona-Winter: Diese Regeln gelten jetzt
Corona-Winter- Diese Regeln gelten jetzt

Damit in solchen Reihen das Infektionsrisiko nicht weiter steigt, haben Bund und Länder beschlossen, dass die Maskenpflicht auch vor den Geschäften und auf Parkplätzen gelten soll. Wie im Frühjahr werden die Center-Betreiber dann mit Türstehern und Abstandsmarkierungen dafür sorgen müssen, dass diese Regeln eingehalten werden.

Da viele Händler bereits jetzt vor der Pleite stehen, fordert der Verbandschef Genth auch für den Handel Nothilfen von der Bundesregierung. „Das ist ohne staatliche Unterstützung nicht mehr zu stemmen.“ Zudem sollte es nicht nur im Advent, sondern auch dauerhaft mehr Sonntagsöffnungen geben, um das Geschäft zu entzerren. Lesen Sie hier : Ladensterben: Fördergelder in Millionenhöhe fließen nicht ab

Sportstätten, Theater und Kinos bleiben geschlossen

Unterdessen drängen Gastronomen und Hotels darauf, dass endlich die versprochenen Novemberhilfen ausbezahlt werden. „Die Situation unserer Branche ist sehr dramatisch“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Ingrid Hartges . Die Gehälter für November seien fällig und die nächste Pachtzahlung stehe an. Viele Betriebe stünden vor Liquiditätsengpässen. Die Auszahlung sei dringend, könne aber erst seit wenigen Tagen beantragt werden.

Wirtschaftlich hart getroffen bleiben alle Branchen, die für Unterhaltung im Leben sorgen. Theater und Kinos bleiben geschlossen, fast alle Weihnachtsmärkte sind abgesagt. Das trifft vor allem das Kunsthandwerk und die Schausteller hart. Allein auf den Weihnachtsmärkten werden nach einer Erhebung des Deutschen Schaustellerbundes (DSB) pro Jahr fast drei Milliarden Euro umgesetzt.

„Wir haben angesichts unserer Schutzkonzepte gehofft, auf den Weihnachtsmärkten in diesem Jahr präsent sein zu können. Dass daraus nichts geworden ist, enttäuscht uns“, sagte DSB-Präsident Albert Ritter . Aber man sei dankbar, dass man Anspruch auf die zugesagten Hilfen habe.

Veranstaltern und Konzertsälen droht die Pleite

Wie schon im November können Firmen, die ein sogenanntes Sonderopfer bringen und schließen müssen, auch im Dezember bis zu 75 Prozent ihrer Umsätze aus dem Vorjahresmonat ersetzt bekommen. „Wir bringen dieses Sonderopfer. Aber wir wollen nicht in die soziale Hängematte, wir wollen unter Berücksichtigung der Sicherheitskonzepte arbeiten können“, sagt Ritter. Lesen Sie auch : Playstation 5, Xbox und Co.: Darauf setzen die Hersteller

Das sieht auch der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) so. Der Dezember ist sonst ein Monat mit vielen Veranstaltungen, sagt der BDKV-Präsident Jens Michow . Zudem würden oft Tickets zu Weihnachten verschenkt. Nun rechnet Michow mit Konzerten erst wieder ab Mitte 2021.

„Ob man dieses Vorhaben bereits jetzt mit dem Kauf von Tickets für kurzfristig stattfindende Konzerte unterstützen möchte, muss jeder selbst für sich entscheiden – da kann ich niemandem einen Rat geben“, sagte der BDKV-Präsident. Er hoffe auf Unterstützung der Zuschauer , wenn es im kommenden Jahr wieder losgehe.

Doch damit es überhaupt wieder losgehen kann, brauche es weitere Hilfen und Garantien, dass die Künstler bei weiteren Ausfällen nicht auf den Kosten sitzen bleiben. Ohne diese Hilfen könnten in so manchen Konzertsälen die Lichter dauerhaft ausbleiben.