Pandemie

Appell in Corona-Krise: Till Brönner ist „ziemlich sauer“

In einem Video bringt Brönner die Lage für Künstler und Veranstalter während Corona auf den Punkt. Auch Prominente unterstützen ihn.

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Berlin. Jazzmusiker Till Brönner (49) ist sauer und macht deshalb etwas, was er so noch nie gemacht hat: Er nimmt ein Video auf, in dem er über die Situation der Künstler und Veranstalter während der Corona-Krise spricht und stellt es ins Internet. Die Reaktionen folgen schnell, tausende Menschen kommentieren seinen Beitrag. Die Zustimmung ist groß.

„So etwas wie heute habe ich noch nie gemacht, muss daran liegen, dass ich ziemlich sauer bin“, beginnt er seine Aufnahme auf Facebook und klingt trotz der emotionalen Worte sachlich. „Das Land steht kulturell still und die Beweglichsten und Ehrlichsten tretet ihr mit den Füßen, wenn ihr nicht handelt“, so der Trompeter und Fotograf.

Till Brönner: Land der „Dichter und Denker“ muss sich um Künstler kümmern

In Show und Kultur seien mit 1,5 Millionen mehr Menschen beschäftigt als bei den Autobauern, die Branche erwirtschafte jedes Jahr rund 130 Milliarden Euro. Brönner sprach von einem „unwirklichen Schauspiel“ angesichts der Zwangspause für viele Künstler.

„Wenn ein gesamter Berufszweig per Gesetz gezwungen wird, seine Arbeit zum Schutze der Allgemeinheit ruhen zu lassen, dann muss doch die Allgemeinheit dafür sorgen, dass die Menschen nach Corona noch da sind“, sagte der Musiker. „Das ist kein Luxusproblem, das ist ein Kernproblem.“ Man könne nicht Konzernen Milliarden „in den Vorgarten werfen“, Kulturleute mit Hartz IV abspeisen und sich gleichzeitig immer wieder als „Land der Dichter und Denker“ bezeichnen. Mehr zum Thema: Setzen sich für Veranstaltungsbranche ein: Die Ärzte eröffnen die „Tagesthemen“

Kulturschaffende müssen notfalls eine Gewerkschaft gründen

Vor Corona seien die Musiker weder arbeitslos gewesen noch hätten sie ein Nachfrageproblem gehabt - im Gegensatz zu anderen Branchen, die durch „Schläfrigkeit oder Gier“ in Schieflage geraten seien. Der Ruf der Unterhaltungsindustrie nach Hilfen der Kulturstaatsministerin sei zu kurz gedacht.

Gefordert seien das Wirtschafts-, Arbeits- und Finanzministerium, sagte Brönner. „Es geht um Geld, viel Geld.“ Nicht nur Musiker, auch Tontechniker, Beleuchter oder Busfahrer seien betroffen. Lesen Sie hier: In Geldnot wegen Corona? Hier könnte es Hilfe geben

„Wir sind keine Minderheit“, sagte Brönner. Aber Künstler seien noch immer zu leise. Er rief die Kulturschaffenden auf, notfalls eine Gewerkschaft zu gründen, um sich gemeinsam Gehör zu verschaffen. Einmal drei Tage ohne Musik im Radio – dann würden die Menschen verstehen, wie wichtig die Kultur sei. Kultur sei kein Luxus, sondern ein Menschenrecht – und spüle zudem viel Geld in die Staatskassen.

Prominente unterstützen Till Brönner

Die Kommentare unter Brönners Video sind zum größten Teil positiv. „Danke für deinen Mut“ und „Stehe voll dahinter“, schreiben die Nutzer. Viele freuen sich über die ruhige und sachliche Art des Musikers und seine gute Argumentation. Andere fragen nach konkreten Aktionen, die Menschen aus der Kultur- und Veranstaltungsbranche jetzt helfen könnten.

Auch Prominente wie Musiker Rea Garvey und Moderatorin Mareile Höppner haben Brönners Video geteilt. So schreibt Rea Garvey in seiner Instagram-Story „Perfekt gesagt. Danke!“ über ein Foto von Brönner. Höppner fordert „große Herzen und Engagement“ und freut sich über Menschen wie Brönner, die „ein ernstes Thema in gute und überlegte“ Worte packen.

(msb/dpa)