Grünen-Vorstoß

Grüne fordern 700 Gebrauchtwaren-Kaufhäuser für Deutschland

Noch nie gab es so viel Verpackungsmüll in Deutschland. Die Grünen fordern deshalb Gegenmaßnahmen – und ein völlig neues Produktrecht.

Auf jeden Bundesbürger kommen pro Jahr mehr als 220 Kilogramm Verpackungsmüll.

Auf jeden Bundesbürger kommen pro Jahr mehr als 220 Kilogramm Verpackungsmüll.

Foto: Foto: Martin Schutt / dpa

Berlin.  Um den Verpackungsmüll in Deutschland zu verringern, fordern die Grünen die Einrichtung von 700 öffentlichen Gebrauchtwaren-Kaufhäusern. „Wir wollen Gebrauchtwaren-Kaufhäuser, in denen es Spaß macht, einzukaufen, mitten in der Stadt an belebten Orten“, sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt unserer Redaktion.

Schaffe man 700 solcher Zero-Waste-Zentren (wörtlich übersetzt: Null-Abfall-Zentren), könne jede deutsche Stadt mit mindestens 20.000 Einwohnern vertreten sein.

Die Idee leitet sich von den kommunalen Recycling-Höfen ab. „Neben vielen echten Abfällen werden viele gebrauchsfähige Möbel, Elektronik und anderes angeliefert. Einmal dort, gelten sie als Müll und dürfen nicht mehr weiter verkauft oder verschenkt werden“, kritisierte Göring-Eckardt. „Diese rechtliche Hürde wollen wir abschaffen.“

In „Repair-Cafés“ sollen Elektrogeräte repariert werden

Für die Gebrauchtwaren-Kaufhäuser könnten die Kommunen vom Leerstand bedrohte Gebäude nutzen und so einer Verödung von Innenstädten entgegenwirken, schlug die Fraktionschefin vor. In der Nachbarschaft könnten sich sogenannte Repair-Cafés ansiedeln, wo Bürger ihre Geräte auch selbst reparieren könnten. Weitere Einzelheiten - etwa zu den Kosten - nannte sie nicht.

Laut Umweltbundesamt hat die Menge an Verpackungsmüll in Deutschland einen Rekordwert erreicht: 2017 fielen 18,7 Millionen Tonnen an. Rechnerisch waren das 226,5 Kilogramm pro Person und drei Prozent mehr als im Vorjahr.

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Güter sollen langlebiger hergestellt werden

Die Grünen fordern auch neue Vorschriften für die Herstellung von Produkten - „ein völlig neu zu schaffendes Produktrecht“. Güter müssten so gestaltet werden, dass sie langlebig, mehrfach verwendbar und vollständig wiederverwendbar sind, sagte Göring-Eckardt. Als Beispiel nannte sie Gebote für ein ressourcensparendes, kreislauftaugliches Design.

Bei Waschmitteln, Süßigkeiten oder Cornflakes enthielten immer mehr Verpackungen immer weniger Produkt. „Dagegen helfen würde eine Vorgabe, dass Verpackungen nur einen minimalen Anteil an Luft umschließen dürfen“, so die Fraktionsvorsitzende.

Deutschland sei „das europäische Schlusslicht beim Vermeiden von Verpackungsmüll“, bemängelte Göring-Eckardt. „Unsere derzeitige Abfallproduktion kostet uns viel Geld, Ressourcen und natürliche Lebensgrundlagen.“ Neben einer Energie-, Verkehrs- und Agrarwende sei daher auch eine Ressourcenwende nötig.