Selbstständigkeit

30 Jahre Deutsche Einheit: Der Freiberufler-Boom im Osten

In der DDR war es kaum möglich, als Freiberufler zu arbeiten. Mit der Wende änderte sich das. Heute arbeiten Tausende freiberuflich.

Der Tag der Deutschen Einheit

Mit dem Mauerfall 1998 und der Wiedervereinigung 1990 kam das Ende der DDR und die neuen Bundesländer traten der BRD bei. Seitdem ist der 3. Oktober der Nationalfeiertag der Deutschen Einheit.

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Berlin. Freiberufliche Selbstständigkeit – für die meisten Arbeitnehmer war das in der DDR nicht möglich, galt die Selbstständigkeit doch als Überbleibsel des Kapitalismus. Wer sich dennoch als Unternehmer versuchte, musste oft exorbitant hohe Steuern zahlen. Selbstständigkeit sollte so klein gehalten haben.

Mit der Wende ergab sich die Chance, freiberuflich tätig zu sein. Und viele Ostdeutsche haben sie genutzt, wie aus einer Auswertung des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB) anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Deutschen Einheit hervorgeht. Die Auswertung liegt unserer Redaktion vor.

Freiberufler: Ein Boom in Ostdeutschland

Gab es 1993 noch 66.000 Ostdeutsche, die freiberuflich etwa als Arzt, Rechtsanwalt, Ingenieur, Steuerberater, oder Restaurator tätig waren, so stieg auf aktuell rund 265.000 selbstständige Freiberufler – ein Plus von über 300 Prozent.

In den westdeutschen Bundesländern stieg die Zahl der selbstständigen Freiberufler dagegen nur halb so schnell, von 467.000 Freiberuflern im Jahr 1993 auf aktuell rund 1,19 Millionen.

Teams aus Freiberuflern werden immer wichtiger

Auch die Arbeit in Teams, die von einem Freiberufler geleitet werden, gewinnen immer mehr an Relevanz. 736.000 Ostdeutsche gehen derzeit einem solchen sozialversicherungspflichtigen Job nach, ein Plus von 121 Prozent im Vergleich zu 1993. In den westdeutschen Bundesländern sind es mittlerweile sogar rund 3,26 Millionen Arbeitnehmer, die in Freiberufler-Teams arbeiten.

„Freie Berufe sind seit nunmehr 30 Jahren in allen 16 Bundesländern personifizierte Bürgerrechte, gesellschaftliche, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Infrastruktur“, sagte BFB-Präsident Wolfgang Ewer unserer Redaktion.

Corona-Krise: Verbandspräsident warnt vor „demokratiefeindlicher Hetze“

Die Freien Berufe hätten ihren Teil dazu beigetragen, um das Zusammenwachsen der beiden Staaten und die Demokratie zu festigen, so Ewer. Mit Sorge blickt er allerdings auf die Folgen der Corona-Krise. „Durch die Corona-Krise werden die Widerstandsfähigkeit und Handlungsfähigkeit unserer Demokratie herausgefordert“, sagte Ewer.

Er warnte davor, dass Extremisten die aktuelle Situation als „Plattform für demokratiefeindliche Hetze“ nutzen würden. „Gerade in Krisenzeiten ist der pluralistische Dialog daher wichtiger denn je“, so Ewer. Die Freiberufler würden dafür mit „gelebter Systemrelevanz“ einen wichtigen Beitrag leisten, so der Verbandspräsident.