Springer-Chef

Milliardengeschenk für Döpfner – weitgehend steuerfrei?

Mathias Döpfner, Chef des Springer-Verlags, bekommt ein großes Aktienpaket geschenkt – und muss darauf wohl kaum Steuern zahlen.

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, dürfte in die Liga der Milliardäre aufsteigen.

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, dürfte in die Liga der Milliardäre aufsteigen.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin. Rund eine Milliarde Euro schwer ist das Aktienpaket, das Mathias Döpfner, Chef des Springer-Verlags, von Friede Springer erhält. Während Döpfner 4,1 Prozent der Anteile für etwa 276 Millionen Euro aus eigener Tasche zahlt, schenkt die Witwe des Verlagsgründers Axel Cäsar Springer dem Medienmanager weitere 15 Prozent – und das womöglich weitgehend steuerfrei, wie das „Manager Magazin“ berichtet.

Eigentlich wäre das Geschenk der Verlegerwitwe an ihren Topmanager nämlich gar nicht so ein großzügiges. Auf Geschenke außerhalb der Familie werden über dem Freibetrag von 20.000 Euro 50 Prozent Schenkungssteuer fällig. In diesem Fall also fast eine halbe Milliarde Euro. Es gibt aber Ausnahmeregeln, etwa für Betriebsvermögen.

Döpfner erhält zusätzlich die Stimmrechte von Friede Springer

Damit soll sicher gestellt werden, dass nicht etwa Unternehmensteile oder weitere Anteile verkauft werden müssten, um die Schenkungsteuer zu finanzieren. Doch Döpfner erhält weniger als die dafür nötigen 25 Prozent eines Unternehmens.

Hier sei aber eine Ausnahme möglich, schreibt das „Manager Magazin“ und beruft sich auf Aussagen des Hamburger Steuerberaters und Fachanwalts für Steuerrecht Helge Schubert aus der Kanzlei Rose und Partner. Da Döpfner bei dem Deal auch die Stimmrechte für das verbleibende Aktienpaket von Friede Springer erhalte – rund 22 Prozent – kontrolliere er zusammen mit seinen bereits vorhandenen Anteilsscheinen künftig 44 Prozent des Unternehmens.

Für erstes Aktienpaket hatte sich Döpfner hoch verschuldet

Nur wenn eine „Verschonungsbedarfsprüfung“ ergebe, dass Döpfner die Steuer aus freien Mitteln aufbringe, könnte er doch noch zur Kasse gebeten werden, so das Wirtschaftsmagazin. Experten würden dem Bericht zufolge einzig eine anteilige Belastung für realistisch halten. Ein Springer-Sprecher sagte dem Magazin, es sei bei dem gewählten Konstrukt nicht um Steuervermeidung gegangen.

Der 57-jährige Döpfner hatte schon 2006 zwei Prozent der Springer-Aktien gekauft – und sich dafür hoch verschuldet, wie er in dieser Woche in einem Interview bekräftigte. „Jetzt ist es mein Wunsch, noch mehr zu investieren. Denn ich glaube an das Potential von Axel Springer.“ Die 78-jährige Friede Springer kündigte in dem Gespräch an, ihre noch verbleibenden Anteile vom Springer-Konzern später in eine gemeinnützige Gesellschaft zu überführen.

Axel Springer: Ein hoch profitabler Medienkonzern

Den Grundstein für das Medienimperium um die „Bild“ und „Welt“ hatte Axel Cäsar Springer 1946 gelegt. Heute zählt der hoch profitable Berliner Konzern Konzern mit mehr als 16.000 Mitarbeitern zu den größten Medienhäusern in Europa. Der Umsatz lag 2019 bei 3,11 Milliarden Euro, unterm Strich blieb ein bereinigter Konzernüberschuss von 263,7 Millionen Euro. Das meiste Geld wird längst mit digitalen Rubrikenportalen verdient.

Friede Springer arbeitete in den 1960er-Jahren als Kinderpflegerin im Hause des Verlegers Axel Springer, 1978 heirateten die beiden. Sie wurde zu einer unentbehrlichen Mitarbeiterin für den Verleger und wurde bis zu seinem Tod im Jahr 1985 darauf vorbereitet, an wichtigen Positionen des Hauses zu stehen. Mathias Döpfner ist seit bald 20 Jahren Vorstandschef des Springer-Konzerns. Der 57 Jahre alte Journalist und Manager hielt bislang knapp drei Prozent der Aktienanteile.

Frei entscheiden kann Döpfner trotz seiner Aktienmacht allerdings nicht. Seit einem Jahr gehören 47,6 Prozent des Springer-Konzerns der US-Beteiligungsgesellschaft KKR. Der Einstieg der Investoren löste Spekulationen über die Zukunft des Hauses aus. (aky/dpa)