Partnersuche

Gewinner in der Krise: Wie Dating-Apps dank Corona boomen

Singles waren vom Lockdown und sozialer Distanz besonders betroffen. Das hat die Partnersuche im Netz auch wirtschaftlich beflügelt.

Die wichtigsten Tipps fürs Online-Dating

Diese Tipps sollten beim Online-Dating unbedingt beachtet werden.

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Berlin. Tom ist 24, studiert in Berlin, macht gelegentlich Sport, raucht nicht und hätte irgendwann gerne Kinder. Das alles geht aus seinem Profil in der Dating-App Bumble hervor. Jetzt sucht er aber erstmal eine Partnerin für die Zeit der zweiten Corona-Welle, schreibt der Student über sich.

Tom, der eigentlich nicht so heißt, ist kein Einzelfall. Die Kontaktbeschränkungen in den Frühjahrsmonaten scheinen die Sehnsucht nach zwischenmenschlichem Kontakt und Partnerschaft deutlich vergrößert zu haben. Ob Tinder, Bumble oder OkCupid: Dating-Apps verzeichneten im ersten halben Jahr der Pandemie deutlich mehr Nutzeraktivität – und gehören auch zu den wirtschaftlichen Gewinnern der Pandemie, wie Unternehmensdaten belegen.

Tinder, Bumble, OkCupid und Co: Dating-Apps steigern Umsatz

Die Match Group, die auf Dating-Apps spezialisiert ist, steigerte beispielsweise ihren Gesamtumsatz im zweiten Quartal, den Lockdown-Monaten, um 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Er stieg auf rund 555 Millionen US-Dollar. Zu der Unternehmensgruppe gehören unter anderem die Dating-App-Firmen Tinder, OkCupid und Hinge. Der Konkurrent Bumble bereitet einem Bericht des Nachrichtendienstes Bloomberg zufolge derweil den Börsengang vor.

Der Schlüssel zum Erfolg ist dabei recht simpel, die Apps funktionieren meist nach dem gleichen Prinzip: Nutzer legen sich ein Profil mit Fotos von sich, Name und Alter an. Bei Tinder können die User in einer Biografie wenn gewollt ein paar Dinge über sich verraten, bei Bumble kann man noch zusätzlich Fragen beantworten, beispielsweise, was man als Kind am liebsten gemacht hat. Die Partnersuche erfolgt dann über ein Wischen durch die Profile, im Englischen durch das „Swipen“.

Ein Swipe nach rechts vergibt ein Like, ein Swipe nach links streicht denjenigen von der Liste der potenziellen Partner. Wenn zwei Personen sich gegenseitig gefallen, „matchen“ sie und können sich Nachrichten schreiben. Viele Apps ermöglichen mit dem Kauf eines Abos die Nutzung zusätzlicher Funktionen – so kann man zum Beispiel schon im Vorhinein sehen, wem das eigene Profil gefällt.

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Lockdown-Monate brachten Tinder einen Nutzungsrekord ein

Die Corona-Pandemie hat zwar zeitweise das reale Kennenlernen und Ausgehen komplett zum Erliegen gebracht – umso mehr florierte dagegen wohl das Online-Dating. Bei Tinder führte die Selbstquarantäne im Frühjahr gar zu einem „Swipe-Rekord“ wie das Unternehmen mitteilte. Besonders Nutzer zwischen 18 und 25 Jahren versuchten während des Lockdowns über die App neue Bekanntschaften zu knüpfen: Von März bis Mai wischten sie zu 39 Prozent mehr durch die Profile als vorher.

Den Höhepunkt der Einsamkeit in der Quarantäne kann das Unternehmen zumindest für Tinder-Nutzer klar benennen: Am 5. April schickten die Mitglieder weltweit durchschnittlich 52 Prozent mehr Nachrichten als zu Beginn des Lockdowns Anfang März. In Deutschland waren es in der Woche darauf sogar 62 Prozent mehr Nachrichten im Vergleich zu vorher.

Dating während der Corona-Zeit: Mehr Nachrichten, Videoanrufe, Matches

Nicht nur swipen, sondern auch anschreiben – das ist ein Trend, den nicht nur Tinder während der Corona-Pandemie bei den eigenen Nutzern beobachtet hat. Zahlen von OkCupid belegen, dass deutsche Nutzer von März bis September sehr viel häufiger mit ihrem Gegenüber Kontakt aufgenommen haben. Die Zahl der ersten Kontaktaufnahme lag im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr 22 Prozent höher. Besonders Frauen scheinen seit März öfter als sonst den ersten virtuellen Schritt zu machen: Betrachtet man nur die weibliche Nutzergruppe von OkCupid, steigerte sich die Quote um rund 40 Prozent.

Der Trend zeigt sich auch bei Bumble. Die Dating-App, bei der nur Frauen als Erstes Kontakt mit einem Match aufnehmen können, verzeichnete in den Corona-Monaten einen Anstieg der versandten Nachrichten um 26 Prozent sowie einen längeren Nachrichtenaustausch als sonst in jedem vierten Chat. Besonders häufig nutzten deutsche Bumble-User aber die Video-Call-Funktion der App. In der Zeit der Kontaktbeschränkungen in Deutschland ab März wurden mehr als doppelt so viele Videoanrufe getätigt wie zuvor.

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Profiteur der Pandemie: Bumble bereitet Börsengang vor

Beflügelt vom weltweiten Social Distancing soll Bumble nun an die Börse drängen: Die Bewertung könnte zwischen sechs und acht Milliarden Dollar liegen, meldete Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das Börsendebüt könne schon Anfang nächsten Jahres erfolgen. Während andere Wirtschaftszweige durch die Corona-Krise straucheln, macht das App-Unternehmen weiter Profit. 2014 gegründet, übernahm US-Investor Blackstone 2019 die Mehrheit am Mutterkonzern MagicLab, der damals mit rund drei Milliarden Dollar bewertet wurde. Dass der Online-Dating-Markt seit Jahren boomt, ist kein Geheimnis. Doch die Pandemie-Zeit hat den Erfolg der Unternehmen weiter angekurbelt.

Inwiefern der Markt weiter wachsen kann ist allerdings fraglich. Bei den Dating-Apps der Match Group stieg zwar die Nutzeraktivität überall – zahlende Kunden gewann das Unternehmen nicht signifikant dazu, teilweise nahm die Zahl der Abonnenten sogar ab.

Laut Unternehmen hängt das aber sehr auffällig mit der Corona-Lage zusammen: In den Ländern, wo Kontaktbeschränkungen schnell zu einer Eindämmung der Pandemie führten, zum Beispiel Japan oder Südkorea, beobachte man einen viel geringeren Rückgang der Registrierungen als vergleichsweise in den USA. Aktuell zahlen bei Tinder rund 6,2 Millionen Nutzer für die Abo-Modelle Plus, Gold oder Platinum.

Aktie der Match Group stieg auf Allzeithoch

Auch in den Vereinigten Staaten unterscheide sich dieser Effekt je nach regionalem Infektionsgeschehen: Dort wo es besonders viele Infizierte und Tote gab, zum Beispiel in New York, ließen die Registrierungen deutlicher nach als anderswo. In Europa verzeichnete der Konzern insgesamt einen minimalen Rückgang von fünf Prozent bei den neu abgeschlossenen Abonnements – doch in Italien und Spanien, wo die Pandemie im Frühjahr härter wütete als in den restlichen Ländern des Kontinents, gab es auch deutlich weniger Abo-Abschlüsse. Aktuell zählt die Match Group trotzdem 10,1 Millionen „Subscriber“ konzernweit, 11 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor.

Substantiell hat der Nachlass bei den Abo-Verkäufen dem Unternehmen nicht geschadet. Ganz im Gegenteil: Nach Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal stieg die US-Aktie der Match Group im August auf ein neues Allzeithoch von 123,00 US-Dollar. Auch über einen Monat später liegt der Wert weiter stabil über der 100-Dollar-Marke. Die Partnersuche bleibt trotz sozialer Distanz ein blühendes Geschäft.

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