Videoplattform

Tiktok: Nach Microsoft-Abfuhr auch Oracle-Übernahme fraglich

Laut Medienberichten soll es für Tiktok eine Lösung mit dem Software-Konzern Oracle geben. Chinesische Medien widersprechen allerdings.

TikTok-Star präsentiert ihr Glasauge.

Die junge Influencerin Shayla Marie trägt ein Glasauge. Die US-Amerikanerin zeigt Stärke: Sie hat über eine Millionen Follower auf TikTok und berichtet über ihre schwere Zeit.

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Redmond. Nachdem Microsoft aus dem Rennen um das US-Geschäft der Kurzvideoplattform TikTok ausgeschieden war, hat sich im Ringen um die Zukunft der populären Video-App in den USA in letzter Minute zunächst ein Deal mit Beteiligung des Software-Konzerns Oracle abgezeichnet. Chinesischen Medienberichten zufolge soll nun aber auch dieser nicht zustande kommen.

Dabei war es nicht um einen Verkauf des US-Geschäfts gegangen, sondern lediglich um eine Rolle für Oracle als „Technologie-Partner“ im amerikanischen Markt, wie US-Medien in der Nacht zum Montag berichtet hatten. Der Softwarekonzern hatte die Berichte zunächst nicht bestätigt.

Chinesische Staatsmedien meldeten dagegen, dass auch Oracle mit seinen Übernahmeplänen nicht zum Zug kommen werde. Der Tiktok-Besitzer Bytedance werde Tiktok nicht an Oracle verkaufen, berichtete der Sender CGTN und die Nachrichtenagentur China News Service.

Tiktok: Soll Oracle als Technologie-Partner Tiktok in den USA retten?

Zuletzt hatte zunächst Microsoft mitgeteilt, dass sein Angebot für Tiktok abgelehnt worden sei. Der Windows-Riese hatte wochenlang über einen Kauf des Tiktok-Geschäfts in den USA, Kanada, Neuseeland und Australien verhandelt. Mehr dazu: Trump will TikTok-Verbot – Wende durch Microsoft-Deal?

Zuvor hatte die chinesische Regierung sich in die Position gebracht, einen solchen Deal zu blockieren. Gemäß neuen Regeln von Ende August dürfen unter anderem „IT-Technologien mit Personalisierung auf Basis von Datenanalyse“ nur mit einer Erlaubnis der Regierung ins Ausland verkauft werden. Die Software von Tiktok fällt unter diese Beschreibung.

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Sollte Oracle die Daten von amerikanischen Tiktok-Nutzern speichern?

Eine mögliche Rolle von Oracle hätte sein können, die Daten amerikanischer Tiktok-Nutzer zu speichern. US-Präsident Donald Trump bezeichnet Tiktok als Sicherheitsrisiko, weil chinesische Behörden über die App Zugriff auf Daten von Amerikanern bekommen könnten. Anfang August untersagte er US-Firmen und Bürgern unter Verweis darauf Geschäfte mit Tiktok. Dieses Verbot soll ab Mitte September greifen.

Ohne einen Deal droht Tiktok damit das Aus in den USA. Trump betonte vor wenigen Tagen, die Frist werde nicht verlängert. Sie läuft gemäß der Anordnung bis zum 20. September, während Trump mehrfach den 15. September als Stichtag nannte.

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Mitte November soll zudem ein weiterer Trump-Erlass in Kraft treten, nach dem sich Bytedance von allen Daten von Nutzern in den Vereinigten Staaten trennen müsste. Auch darf Bytedance in den USA danach kein Eigentum mehr besitzen, das für den Betrieb von Tiktok genutzt werde. Tiktok versichert dagegen, dass Daten amerikanischer Nutzer gar nicht nach China übermittelt würden.

Oracle ist Dienstleister des Videokonferenz-Dienstes Zoom

Oracle hat keine Erfahrung mit sozialen Medien – ist aber ein Anbieter von Cloud-Diensten und ist einer der Dienstleister des Videokonferenz-Dienstes Zoom. Der 76 Jahre alte Oracle-Mitgründer Larry Ellison gilt als einer der wichtigsten Trump-Unterstützer im Silicon Valley.

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Das „Wall Street Journal“ berichtete, das Weiße Haus und ein für ausländische Investitionen in den USA zuständiges Gremium müssten dem Deal zustimmen. Auch die „New York Times“ und das Medienunternehmen Bloomberg berichteten, dass Oracle als Technologie-Partner auftreten soll. Tiktok lehnte bislang einen Kommentar dazu ab.

Tiktok entstand 2017 durch die Zusammenlegung mit der Mitsing-App Musical.ly, die mit einer Lippensynchronisierungsfunktion für selbstgedrehte Videos erfolgreich geworden war. Tiktok-Nutzer können 15 bis 60 Sekunden lange Videos erstellen. Die vor allem bei jungen Leuten populäre App ermittelt mit Hilfe von künstlicher Intelligenz die Vorlieben der Nutzer und schlägt ihnen immer weitere Videos vor.

(dpa/bef/raer)