Rente

Studie: So viel müssen die Deutschen fürs Alter sparen

Reicht die Rente? Die Antwort fällt in Hamburg anders aus als in Gelsenkirchen. So viel Geld sollten Sie möglichst früh zurücklegen.

Alles Wissenswerte zur Grundrente

Der Weg für die Grundrente ist frei: Der Bundesrat billigte hat das vom Bundestag beschlossene Gesetz mit großer Mehrheit gebilligt. Sie soll Rentern helfen, die nach jahrelanger Arbeit nur geringe Altersbezüge erhalten. Ausgezahlt wird sie wohl ab Mitte 2021.

Beschreibung anzeigen

Berlin. Viele Rentner kennen das: Nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben muss man den Gürtel enger schnallen. Derzeit bleiben im Durchschnitt 48 Prozent vom letzten Einkommen als monatliche Alterszahlung aus der gesetzlichen Rentenversicherung.

Eine zusätzliche Privatvorsorge und/oder betriebliche Absicherung gilt seit den Rentenreformen der Nullerjahre als empfehlenswert. Wer etwas angespart hat, bekommt aber von seiner Bank nur mickrige Zinsen. Etwas besser sieht es bei denjenigen aus, die sich eine Immobile angeschafft haben und im Alter mietfrei wohnen können.

Hintergrund: Lohnt sich jetzt der Kauf einer Immobilie?

Die Preisfrage: Wie viel Geld muss man im Berufsleben zurücklegen, um im Alter einigermaßen sorgenfrei über die Runden zu kommen? Das Institut Prognos hat dies nun in einer Studie für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft erstmals als regionale Übersicht zusammengetragen.

Die Ergebnisse aus den 401 Kreisen und kreisfreien Städten sind sehr unterschiedlich. Wer in Hamburg lebt, verdient mehr als der Durchschnitt der Republik. Dafür sind die Lebenshaltungskosten teurer. Folglich muss man mehr für das Alter zur Seite legen. In wirtschaftsschwächeren Städten wie Gelsenkirchen ist es genau umgekehrt.

Lesen Sie auch: Renten steigen – Warum Rentnern Überraschung droht

Studie: Mit 26 Jahren Geld für private Altersvorsorge zurücklegen

Prognos hat bei seinen Berechnungen folgende Zielmarke vorgegeben: Für die Altersvorsorge sollen monatlich 55 Prozent des letzten Einkommens zur Verfügung stehen. Das entspricht etwa dem Wert aus den Zahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung vor der Einführung der Riester-Reform 2001. Dabei wurde in der Studie das durchschnittliche regionale Einkommen zugrunde gelegt.

Die Prognos-Forscher gingen bei ihren Modellrechnungen auf Kreisebene von Mustermenschen aus, die 1980 geboren wurden. Basis ist das heute geltende Preisniveau. Dabei wurde ein bundesweit durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent pro Jahr zugrunde gelegt. Folgende Kriterien gelten für die Mustermenschen als Maßstab:

  • Sie stiegen mit 20 Jahren ins Berufsleben ein
  • Sie fingen mit 26 Jahren an, Geld für die private Altersvorsorge zurückzulegen
  • Einschnitte wie Arbeitslosigkeit, Elternzeit oder Studium flossen nicht in die Statistik ein
  • Sie sparen regel- und gleichmäßig
  • Sie gehen mit 67 Jahren im Jahr 2047 in Rente
  • Sie haben nach dem Renteneintritt noch 22,8 Jahre bis zu ihrem Tod

Die Prognose ist somit zwar etwas schematisch und deckt nicht jeden individuellen Fall genau ab. Aber sie gibt Annäherungs- und Orientierungswerte.

Lesen Sie hier: Wie Menschen über 50 von Indexfonds profitieren können

In Rente gehen vor 63 Jahren – so wird es möglich
In Rente gehen vor 63 Jahren – so wird es möglich

Monatliche Alterseinkünfte unterschiedlich hoch

Nach Angaben von Prognos sehen die monatlichen Alterseinkünfte in Deutschland (Rente und Privatvorsorge) derzeit im Durchschnitt folgendermaßen aus:

  • Düsseldorf, Stadt: 2380 Euro
  • Gelsenkirchen, Stadt: 1240 Euro
  • Hamburg, Stadt: 2310 Euro
  • Berlin, Stadt: 1700 Euro
  • Braunschweig, Stadt: 1980 Euro
  • Erfurt, Stadt: 1460 Euro
  • Gera, Stadt: 1240 Euro

Um im Alter auf 55 Prozent des letzten Monatseinkommens zu kommen, müssen im Bundesdurchschnitt 4,3 Prozent des Monatsgehalts (rund 190 Euro) zurückgelegt werden. Auf Kreisebene variiert der Wert zwischen 3,3 (100 Euro) und 5,8 Prozent (360 Euro).

So viel Geld sollte im Monat gespart werden

Hier eine regionale Übersicht, wie viel der 1980 geborene statistische Mustermensch ab 26 Jahre im Durchschnitt pro Monat vom Lohn abzwacken sollte:

  • Düsseldorf, Stadt: 250 Euro
  • Gelsenkirchen, Stadt: 100 Euro
  • Hamburg, Stadt: 310 Euro
  • Berlin, Stadt: 190 Euro
  • Braunschweig, Stadt: 230 Euro
  • Erfurt, Stadt: 160 Euro
  • Gera, Stadt: 110 Euro

Ein Unsicherheitsfaktor bei dieser Rechnung ist allerdings der Kapitalmarkt. Sollte die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank auch in den kommenden Jahren anhalten, könnte die Prognos-Statistik wackeln. Dann müsste der Mustermensch möglicherweise mehr zurücklegen, um das 55-Prozent-Ziel zu erreichen.