Funkausstellung

IFA: Ampeln regeln Zugang zu den Hallen

Kein Publikum, kaum Aussteller: Wie die Internationale Funkausstellung in Berlin unter Pandemie-Bedingungen abläuft.

Auf der IFA haben in diesem Jahr nur Fachbesucher und Medienvertreter Zugang.

Auf der IFA haben in diesem Jahr nur Fachbesucher und Medienvertreter Zugang.

Foto: Christoph Dernbach / dpa

Berlin. Die Internationale Funkausstellung IFA beginnt mit analogen Klängen. Zwei Musiker beschallen am Donnerstagmorgen auf dem Vorplatz des südlichen Messeeingangs die nahezu handverlesenen Besucher, die sich auf dem Weg zur Tech-Schau befinden. Die IFA – in den vergangenen Jahren die weltgrößte Consumer-Electronics-Messe mit rund 250.000 Besuchern – hat wegen Corona merklich abgespeckt. In den Messehallen unterm Funkturm sind in diesem Jahr lediglich Fachbesucher und Medienvertreter zugelassen. Anmeldungen mussten vorab erfolgen. Lediglich einige Tausend Teilnehmer sind dabei. Genaue Zahlen will die Messe erst am Sonnabend verkünden, dem letzten Tag der IFA.

Wegen der weiteren Ausbreitung der Corona-Pandemie war das Digital-Treffen von April auf Anfang September verschoben worden. In vier Messehallen sowie dem City Cube findet die IFA unter Pandemie-Bedingungen statt. 150 Aussteller zeigen auf rund 30.000 Quadratmetern Fläche Neuheiten. Bei der Funkausstellung im vergangenen Jahren waren auf rund 163.900 Quadratmetern noch 1.939 Aussteller dabei. Messe-Chef Christian Göke hatte im Morgenpost-Interview erklärt, dass das Landesunternehmen bei der IFA mit Verlusten rechne.

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IFA findet zum Teil auch als Hybrid-Format im Internet statt

Dennoch ist die erste große Messe seit Beginn der Corona-Pandemie auch ein Zeichen für Aufbruch. Die IFA sei ein wichtiges Signal, dass Messen wieder möglich sind, sagte der Hauptgeschäftsführer der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), Jan Eder, am Donnerstag. „Das ist eine gute Nachricht für Berlin, hängen doch viele tausend Arbeitsplätze direkt und indirekt am Messegeschäft. Die Rückkehr auf die internationale Landkarte als attraktiver Messestandort ist allerdings kein Selbstläufer“, so Eder. Weltweit müssten sich Messestandorte angesichts der Pandemie neu erfinden.

Ein Teil dieser Neu-Erfindung findet im Internet statt. Alle auf der IFA stattfindenden Veranstaltungen wie die Präsentation von Produktneuheiten gibt es parallel auch als Video-Livestream. Über den sogenannten „IFA Xtended Space“ können zudem Kontakte geknüpft werden. Viele Fachbesucher nutzen das Tool in diesem Jahr, um sich in den Messehallen gezielt mit Gesprächspartner zu verabreden. Nicht ist so gut wie das reale Leben, sagt IFA-Direktor Jens Heithecker in seiner Eröffnungsrede. Und wenn es um Geschäft gehe, könne der persönliche Austausch durch nichts ersetzt werden.

Ampel regelt Zugang in die Hallen

Um sich kennenzulernen müssen sich die Besucher allerdings an Regeln halten: Beim Rundgang durch die Hallen gilt eine strikte Maskenpflicht, Gesprächspartner sollen sich zudem nicht allzu nah kommen und eineinhalb Meter Abstand einhalten. Überall auf dem Gelände stehen Desinfektionsmittel-Spender. Wer eine Halle betreten will, muss stets an einer Ampel vorbei. Pro Fläche sind maximal 750 Menschen erlaubt. Ist diese Zahl überschritten, leuchtet die Ampel rot – und wird erst grün, sobald jemand den Bereich wieder verlassen hat.

Echte Tech-Platzhirsche wie Samsung oder Sony sind in diesem Jahr aber nicht auf der IFA. In vielen Firmen gibt es noch immer Reisebeschränkungen für Mitarbeiter. Ausländische Unternehmen haben es ohnehin schwer: Deutsche Konsulate in China, die ein Visum ausstellen könnten, seien mitunter noch geschlossen, verrät ein Messe-Mitarbeiter. Den größte Stand auf der diesjährigen IFA hat trotzdem ein Konzern aus der asiatischen Volksrepublik. Huawei präsentiert neue Notebooks, Smartphones und eine intelligente Brille. „Huawei wollte mit der Teilnahme ein Zeichen setzen“, sagt Stand-Mitarbeiter Bartlomiej Zielinski (26).

Aussteller zeigen auch Stay-at-home-Produkte

Auch die Folgen des Lockdowns und das vermehrte Zuhausebleiben der Menschen kann man auf der IFA beobachten. Den Stand mit der wohl zweitgrößten Quadratmeterfläche hat der Bielefelder Vibratoren-Anbieter Eis mit seiner Marke „Satisfyer“. In einigen Bundesländern sei der Absatz von Solo-Sexartikeln seit Beginn der Corona-Schutzmaßnahmen um bis zu 300 Prozent gesteigert worden, sagt die „Satisfyer“-Mitarbeiterin Jasmin Kramer (27). Die Bielefelder haben das Spielzeug nun auch mit einer App verbunden. Über das Internet könne dann etwa auch der Partner individuelle Einstellungen am Vibrator vornehmen. „In dieser Zeit mit viel Liebe auf Distanz ermöglicht das ein ganz neues Liebesspiel“, erzählt die junge Frau. Auf der IFA hat die Firma das Spielzeug allerdings hinter Glas-Vitrinen versteckt. Wegen der Hygiene-Auflagen ist das Anfassen der Produkte in diesem Jahr dann erst Zuhause möglich.